Sekundäre Unfruchtbarkeit: Was kann man dagegen tun?

Viele Eltern, die bereits ein Kind haben, wünschen sich weitere. Wenn es jedoch mit dem Geschwisterkind nicht klappen will, kommen Verunsicherung und Unverständnis auf. Experten sprechen in diesem besonderen Fall von einer sekundären Unfruchtbarkeit. Wir erklären dir, was dahintersteckt und was du tun kannst, um deine Chancen auf ein weiteres Kind zu verbessern.

1. Das Wichtigste zur sekundären Unfruchtbarkeit vorab

  • Sekundäre Unfruchtbarkeit bedeutet, eine Frau kann nicht schwanger werden, obwohl sie schon Kinder geboren hat.
  • Die Ursachen für die sekundäre Unfruchtbarkeit sind oftmals die gleichen wie bei “normalen” Fruchtbarkeitsstörungen.
  • Das Alter der Frau spielt eine zentrale Rolle, da die Fruchtbarkeit mit den Jahren deutlich sinkt.
  • Ärztliche Unterstützung sowie Fruchtbarkeits- und Kinderwunschbehandlungen können dir helfen, ein weiteres Baby zu bekommen.

2. Was ist sekundäre Unfruchtbarkeit?

Generell wird in der Medizin zwischen der primären und sekundären Unfruchtbarkeit unterschieden. Primäre Unfruchtbarkeit bedeutet, dass ein Paar noch gar kein Kind zeugen konnte.

Hingegen sprechen Ärzte von einer sekundären Unfruchtbarkeit, wenn ein Paar, das bereits leibliche Kinder hat, trotz aktiver Bemühungen auch nach einem Jahr kein weiteres Kind zeugen konnte.

3. Was sind mögliche Ursachen für sekundäre Unfruchtbarkeit?

Grundsätzlich sind die Gründe für eine sekundäre Unfruchtbarkeit sehr vielfältig. Die häufigste Ursache für die sekundäre Unfruchtbarkeit ist allerdings das Alter der Frau.

Spätestens ab Mitte 30 nimmt die Fruchtbarkeit deutlich ab. Mit jedem Lebensjahr geht die Eizellreserve zurück, die Qualität der Eizellen sinkt nach und nach – und damit leider auch die Chance, schwanger zu werden.

Schon der meist geringe Altersunterschied einer Frau zwischen dem ersten und zweiten Kindes kann eine große Rolle spielen. Hinzu kommt, dass Frauen heutzutage ihr erstes Kind im Durchschnitt immer später bekommen. Wer sich dann noch weitere Kinder wünscht, aber schon älter als 35 ist, könnte altersbedingt auf Fruchtbarkeitsprobleme stoßen.

Zudem können Komplikationen im Zuge der ersten Geburt Ursache für die sekundäre Unfruchtbarkeit sein. Dazu zählen z. B.

  • Verletzungen
  • Infektionen
  • Plazentaprobleme

Die weiteren Gründe für sekundäre Sterilität sind oftmals die gleichen wie auch bei primären Fruchtbarkeitsstörungen:

  • Hormonstörungen
  • Krankheiten (z. B. Endometriose, Myome)
  • Ungesunder Lebensstil (Bewegungsmangel, Über- oder Untergewicht)
  • Unausgewogene Ernährung
  • Nährstoffmangel
  • Stress und Schlafmangel
  • Geringe Spermienqualität des Mannes

4. Kann ein Kaiserschnitt zur sekundären Unfruchtbarkeit führen?

Es wird spekuliert, ob ein vorangegangener Kaiserschnitt als Auslöser einer späteren, sekundären Sterilität infrage kommt. Klare Aussagen dazu gibt es allerdings nicht. Bei der Unfruchtbarkeit spielen meist mehrere Faktoren eine Rolle, weshalb es schwierig ist, mit Sicherheit nur eine Ursache zu bestimmen.

Der Kaiserschnitt ist heutzutage fast ein Routineeingriff und die mit ihm verbundenen Risiken und Gefahren sind so gering wie nie zuvor. Dennoch bleibt ein Kaiserschnitt nicht ohne Spätfolgen. Und diese können auch dazu führen, dass die Fruchtbarkeit beeinflusst ist. Zu diesen zählen zum Beispiel:

  • Verletzungen
  • Verwachsungen
  • Verklebungen im Beckenraum
  • Blutungen
  • Infektionen
  • Abszesse

Außerdem wurde beobachtet, dass die Eizelle sich bei einer Folgeschwangerschaft nach einem Kaiserschnitt häufiger an risikobehafteten Stellen in der Gebärmutter festsetzt. Das kann zu einer Fehlgeburt führen. Gleichzeitig passiert es häufiger, dass die Plazenta den Muttermund versperrt, was ebenfalls Komplikationen für eine weitere Schwangerschaft mit sich bringen kann.

5. Wie kann ich trotz sekundärer Unfruchtbarkeit schwanger werden?

Besonders Mütter, die beim ersten Mal sehr schnell schwanger geworden sind, könnten verunsichert sein, wenn es mit dem zweiten Kind nicht sofort klappt. Zunächst einmal: keine Sorge. Es ist ganz normal, wenn die Schwangerschaft etwas auf sich warten lässt. Schließlich müssen unzählige Faktoren stimmen, weshalb es selbst bei komplett gesunden Paaren ca. ein Jahr, bis es mit der Befruchtung geklappt hat.

Wenn es jedoch auch nach wiederholten Versuchen nicht klappt, solltest du dich mit dem Thema Fruchtbarkeit zu beschäftigen. Bist du von einer sekundären Unfruchtbarkeit betroffen, bedeutet es nicht unbedingt, dass du gar keine Kinder mehr haben kannst. Vielmehr gilt es, sich nun mit den Möglichkeiten einer Behandlung auseinanderzusetzen.

Der erste Schritt ist, die Ursachen für die Unfruchtbarkeit zu bestimmen und dann gezielt gegen sie vorzugehen. Wende dich daher möglichst bald an einen Arzt deines Vertrauens. Gemeinsam werdet ihr dann verschiedene Untersuchungen durchführen, um der Unfruchtbarkeit auf den Grund zu gehen und eine geeignete Behandlung einzuleiten.

6. Wie kann ich meine Fruchtbarkeit selbst fördern?

Es gibt einige Möglichkeiten, deine Fruchtbarkeit zu verbessern und mit verschiedenen Mitteln die Chancen auf eine Schwangerschaft zu erhöhen. Was du tun kannst und was auf dich zukommen könnte, haben wir für dich in den folgenden Abschnitten zusammengefasst.

Hormonstörungen durch gute Ernährung vorbeugen oder ausgleichen

Die häufigste Ursache für Fruchtbarkeitsprobleme sind Hormonstörungen, die sich auf deinen Zyklus mitsamt Eisprung auswirken. Die gute Nachricht ist, dass du bereits mit einfachen Hausmitteln deinen Zyklus ankurbeln und so deine Fruchtbarkeit verbessern kannst. Zum Beispiel:

  • Lebensmittel mit Phytoöstrogenen (z. B. Sojaprodukte)
  • Ingwer
  • Grapefruit
  • Leinsamenöl
  • Frauenmantel
  • Mönchspfeffer
  • Yams
  • Maca

Auch sind Fruchtbarkeitstees- und Kinderwunschtees sowie Präparate und Nahrungsergänzungsmittel speziell bei Kinderwunsch eine gute Hilfe.

Hausmittel eignen sich wunderbar als unterstützende Behandlung. Sind jedoch ernsthafte Erkrankungen die Ursache für die Unfruchtbarkeit, werden sie wohl nicht viel helfen. Wichtig ist daher, dich mit einem Arzt abzusprechen und die passenden Mittel gezielt einzusetzen.

Möglicherweise ist dann eine medikamentöse Therapie notwendig.

Kinderwunsch durch angepasste Lebensweise unterstützen

Du kannst deine Fruchtbarkeit auch gezielt verbessern, indem du deine Lebensweise und Gewohnheiten in manchen Bereichen ein wenig veränderst.

Die wichtigsten Tipps, um schneller schwanger zu werden:

  • Verfolge deinen Zyklus und berechne den Eisprung und das Fruchtbarkeitsfenster (lass es also nicht mehr einfach nur drauf ankommen).
  • Verwende statt konventioneller Gleitmittel ein Kinderwunschgel.
  • Achte auf eine ausgewogene Ernährung und einen abgedeckten Nährstoffbedarf.
  • Versuche, Stress zu minimieren und immer ausreichend zu schlafen.
  • Verzichte auf Kaffee, Alkohol, Zigaretten und andere Drogen.
  • Treibe regelmäßig Sport.
  • Prüfe deine Medikamente auf Nebenwirkungen, die deine Fruchtbarkeit einschränken könnten.

Medizinische Behandlungsmöglichkeiten

Du hast deine Lebensweise umgestellt und die Hausmittel ausprobiert, und es will dennoch nicht klappen? Dann ist es Zeit, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Spätestens jetzt solltest du dich daher an deinen Frauenarzt oder eine Kinderwunschklinik wenden.

Je nach deinen Lebensumständen, Alter und körperlichem Zustand bieten sich ganz verschiedene Behandlungsmöglichkeiten an, die dir zum weiteren Baby verhelfen können. Diese sind zum Beispiel:

  • Hormonbehandlung
  • Künstliche Befruchtung (IVF)
  • Mikroinjektion von Spermien
  • Samenübertragung
  • Eizellspende
  • Samenspende

Die moderne Medizin ermöglicht es vielen Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch, ihr Baby zu bekommen. Dennoch solltest du dir bewusst sein, dass Fruchtbarkeitsbehandlungen keine Erfolgsgarantie haben. Lass dir am besten von deinem Arzt ausführlich erklären, was auf dich zukommt und wie deine Chancen stehen.

Geduldig sein und mit dem Partner zusammenarbeiten

“Es hat doch schon einmal mit dem Baby geklappt, warum geht es jetzt nun nicht mehr?” Das ist nur eine der Fragen, die schnell aufkommen, wenn es mit der Schwangerschaft nach scheinbar endlosen Versuchen einfach nicht klappen will.

Viele Mütter empfinden in dieser Situation Wut und Enttäuschung, während die Reaktionen des Mannes von Einfühlsamkeit und Unterstützung bis zu Unverständnis und Ungeduld ausfallen können.

Umso wichtiger ist es, die Konflikte offen anzugehen und gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Nicht zuletzt liegt die sekundäre Unfruchtbarkeit manchmal auch am Mann. Mit dem Alter und durch verschiedene Lebensumstände verändert sich die Spermienqualität des Mannes. Daher sollte auch der Partner sich untersuchen und behandeln lassen.

7. Und wenn ich wirklich nie mehr schwanger werde?

So schmerzhaft es ist, manchmal schlägt keine Maßnahme an, und es lässt sich nichts gegen eine sekundäre Unfruchtbarkeit unternehmen. Für viele Mütter und Paare, die sich so gern mehr Kinder wünschen, ist das natürlich eine große emotionale Belastung.

Der Kinderwunsch ist bei den nachfolgenden Babys ebenso groß wie beim ersten Kind. Unbeschreiblich ist daher die Trauer, die Eltern empfinden, wenn sie erfahren, dass sie keine Kinder mehr bekommen können. Diese Trauer gilt es zu verarbeiten, weshalb es wichtig ist, offen mit dem Partner zu sprechen und die Enttäuschungen und den Schmerz offen anzugehen.

Sehr hilfreich ist es, gemeinsam mit dem Partner einen Therapeuten aufzusuchen, um die Gefühle auf eine gesunde Weise zu verarbeiten. Das dabei ist natürlich auch, mit der Situation Frieden zu schließen und die Zukunft der Familie weiter zu planen.

Wer seine kleine Familie dennoch unbedingt erweitern und dem Kind Geschwister geben möchte, hat natürlich immer die Möglichkeit der Adoption. Viele Kinder warten hoffnungsvoll darauf, in eine warme, herzliche Familie aufgenommen zu werden.

Bei diesem Thema gilt besonders: Geteiltes Leid ist oft halbes Leid. Deshalb laden wir dich herzlich dazu ein, dich mit anderen Betroffenen auszutauschen – komm also gern in unsere geschlossene Facebook-Gruppe „Echte Mamas mit Kinderwunsch“.

Ilona Utzig

Ich bin Rheinländerin, lebe aber seit vielen Jahren im Hamburger Exil. Mit meiner Tochter wage ich gerade spannende Expeditionen ins Teenager-Reich, immer mit ausreichend Humor im Gepäck. Wenn mein Geduldsfaden doch mal reißt, halte ich mich am liebsten in Küstennähe auf, je weiter nördlich, desto besser.

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