Ricotta in der Schwangerschaft: Pasteurisiert bitte

Käse ist nicht gleich Käse – das gilt insbesondere während der neun Monate, in denen ein Baby unter deinem Herzen heranwächst. Neben den großen Geschmacksunterschieden zwischen Gouda, Mozzarella, Ricotta und Co. spielt in der Schwangerschaft bei der Wahl an der Käsetheke auch die Herstellung und Lagerung des Milchproduktes eine wichtige Rolle – deshalb ist beispielsweise Rohmilchkäse leider vom Speiseplan gestrichen. Dazu zählt auch Ricotta. Beachtest du jedoch gewisse Regeln, kannst du Ricotta in der Schwangerschaft trotzdem genießen.

In Kürze: Was du über Ricotta in der Schwangerschaft wissen musst

Diplom-Ökotrophologin Pamela Koch hat diesen Artikel inhaltlich geprüft.

  • Pasteurisierten Ricotta kannst du in der Schwangerschaft bedenkenlos genießen.
  • Von Ricotta aus Rohmilchkäse solltest du jedoch die Finger lassen.
  • Rohmilchkäse können Listerien enthalten, die eine Infektion auslösen können.
  • Auch bei pasteurisiertem Käse solltest du lieber zu den abgepackten Varianten aus dem Kühlregal greifen.
  • Vorsicht ist auch geboten bei offen gelagertem, pasteurisiertem Ricotta vom Markt oder von der Käsetheke.
  • Ansonsten ist Ricotta in der Schwangerschaft aber sehr gesund.
  • Und sehr lecker – er eignet sich zum Beispiel geschmolzen als herrlicher Brotaufstrich.

Nur pasteurisierter Ricotta ist guter Ricotta in der Schwangerschaft

Ricotta ist eine italienische Frischkäsesorte, die aus Kuh-, Büffel- oder Schafsmilch zubereitet wird. Anders als viele andere Frischkäsesorten besteht diese jedoch aus Molke und nicht aus Milch. Molke setzt sich bei der Produktion als grün-gelbliche Flüssigkeit von der restlichen Masse ab, die später zu Hartkäse verarbeitet wird. Sie besteht zu etwa 96 Prozent aus Wasser, den Rest bezeichnet man als „Trockenmasse“.

Bestimmt hat dein Gynäkologe schon einmal erwähnt, dass Rohmilchprodukte wie Camembert, Feta, Brie und Gorgonzola zu den verbotenen Lebensmitteln während der Schwangerschaft zählen. Grund: Sie sind häufiger mit Keimen oder Bakterien belastet. Dazu kann auch Ricotta gehören – wenn dieser während des Herstellungsprozesses nicht pasteurisiert worden ist.

Bei der Pasteurisierung werden Milchprodukte für wenige Sekunden auf bis zu 127 Grad Celsius erhitzt und danach sofort wieder abgekühlt. Den Hitzeschock überlebt kein Bakterium, das Produkt ist erst einmal keimfrei.

Industriell hergestellter Ricotta ist aber in der Regel pasteurisiert und damit in der Schwangerschaft unbedenklich. Ein Blick auf die Angaben auf der Verpackung verrät dir, ob der Ricotta das Erhitzungsverfahren erfolgreich hinter sich gebracht hat oder nicht. Rohmilchkäse muss als solcher nämlich gekennzeichnet sein.

Kann ich auch Ricotta von der Frischetheke nehmen?

Lieber nicht. Wenn du ein Menü mit Ricotta in der Schwangerschaft planst, solltest du auch hierfür den pasteurisierten Frischkäse aus dem Kühlregal verwenden. Dieser ist verpackt und so vor den Attacken vieler Krankheitserreger abgeschirmt. An der Frischetheke wird Ricotta hingegen unverpackt angeboten. Über die Luft oder durch mangelnde Hygienemaßnahmen des Supermarktmitarbeiters verbreiten sich Keime sehr viel erfolgreicher und das Risiko einer Belastung mit Erregern ist hier deutlich erhöht.

Hast du Ricotta versehentlich an der Frischetheke gekauft, musst du ihn trotzdem nicht zwangsläufig im Mülleimer versenken. Keime abtöten kannst du auch selbst, indem du den Ricotta für mehrere Minuten bei mindestens 70 Grad im Backofen erhitzt. Achte dabei darauf, dass auch der Käsekern den Hitzegrad erreicht. Dafür kannst du beispielsweise ein Bratenthermometer verwenden.

Wo ist das Problem mit der Rohmilch bei Ricotta in der Schwangerschaft?

Besteht der Ricotta aus Rohmilch, können sich bestimmte Bakterien, die sogenannten Listerien, auf dem Frischkäse niederlassen. Diese können zu einer Listeriose führen; einer Infektionskrankheit, die unter normalen Umständen keine problematischen Auswirkungen hat. Sie zeigt sich in vielen Fällen wie eine Erkältungskrankheit und heilt ohne Folgen aus, manchmal verläuft sie sogar symptomlos.

Für dein ungeborene Baby liegt das Risiko einer Gesundheitsgefährdung durch eine Listeriose jedoch ungleich höher. Je nach Zeitpunkt der Infektion besteht die Gefahr einer Früh- oder Totgeburt sowie einer Blutvergiftung (Sepsis) oder Hirnhautentzündung (Meningitis) des Kindes.

Generell ist das Risiko aber nicht hoch, an Listerien zu erkranken. Im Jahr 2017 erkrankten in ganz Deutschland 771 Personen an Listeriose.

Das Gemeine: Keimbelastung verändert Ricotta, Listerien hingegen nicht

Wenn Lebensmittel verderben, erkennt man das in der Regel zuerst an der Veränderung der Konsistenz, des Geruches oder der Farbe. Hat sich weißer, blauer oder gar schwarzer Schimmel bereits auf der Oberfläche gemütlich gemacht, ist die Haltbar- und Genießbarkeit schon lange vorbei.

An diesen Merkmalen erkennst du, dass Ricotta nicht mehr frisch ist:

  1. Er riecht säuerlich
  2. Seine Farbe verändert sich von frischweiß zu gelblich bis orange
  3. Schimmel oder schwarze Flecken bilden sich auf der Oberfläche

Doch aufgepasst: Die Veränderungen weisen lediglich auf eine Belastung mit anderen Keimen hin. Die gefährlichen Listerien verändern ein Produkt nicht – weder optisch noch dessen Geruch.

Aufgepasst bei der Lagerung

Laut Bundesinstitut für Risikobewertung können sich Listerien auch bei niedrigen Temperaturen im Kühlschrank und in Vakuumverpackungen vermehren und so nach längerer Zeit eine Keimzahl erreichen, die bei Verzehr eine Infektion hervorruft. Am besten genießt du deinen Ricotta in der Schwangerschaft daher direkt, nachdem du ihn aus der Verpackung gelöffelt hast.

Viele gute Inhaltsstoffe sprechen für Ricotta in der Schwangerschaft

Ricotta enthält viele Vitamine und Mineralien. Dazu gehören Kalzium, Kalium sowie Vitamin B2 und Vitamin B12.

  • Kalzium unterstützt die Knochen- und Zahnentwicklung deines Babys in der Schwangerschaft
  • Kalium stärkt Muskel- und Herzfunktion
  • Vitamin B12 und Vitamin B2 fördern hingegen das Wachstum deines Zwergs
  • Vitamin B2, auch als Riboflavin bezeichnet, ist besonders wichtig in der Schwangerschaft, da du im Vergleich zu anderen Frauen nun einen erhöhten Bedarf daran hast

Da Ricotta ein sehr fettarmer und kalorienarmer Frischkäse ist, eignet er sich in der Schwangerschaft besonders dann zum Verzehr, wenn die Waage etwas zu viel Gewicht anzeigt.

Eigentlich bringt Ricotta also sehr gute Eigenschaften mit, um während der Schwangerschaft Dauergast im Kühlschrank zu sein.

Wie schmeckt Ricotta?

Die Konsistenz von Ricotta ist weich wie Quark und etwas krümelig. Er schmeckt cremig und hat – im natürlichen Zustand belassen – lediglich einen leicht milchigen Eigengeschmack. Ausnahme bildet hier der Büffelmilch-Ricotta. Dieser bringt eine leicht süßliche Geschmacksnote auf den Teller.

Aufgrund seines wenig charakteristischen Eigengeschmacks passt sich Ricotta geschmeidig vielen Gerichten an – egal ob süß oder herzhaft. Häufig findest du Ricotta in Pasta, gern auch gemeinsam mit Spinat, und in Süßspeisen wie Torten, Milchcremes, mit Beeren oder in Gebäck.

Nachdem du den Ricotta zum Beispiel in den Ofen geschoben hast, musst du nur noch Kartoffeln aufsetzen, den Kräutergarten plündern und nach wenigen Minuten ist ein köstliches und gesundes Ricotta-Gericht auf dem Tisch! Außerdem schmeckt geschmolzener Ricotta super auf knusprigem Brot, zu Backkartoffeln oder in der Spinatsoße auf Nudeln.

Listerien ein Schnippchen schlagen und Ricotta während der Schwangerschaft essen

Im Folgenden geben wir dir noch einige Tipps zum generellen Verzehr von Käse mit, die du in der Schwangerschaft beherzigen solltest.

  1. Schneide bei Hartkäse immer die Rinde – hier können sich bei allen Käsesorten Listerien ansiedeln.
  2. Um bei Ricotta von der Frischetheke auf Nummer sicher zu gehen, dass alle Keime abgetötet sind, solltest du diesen für zwei bis drei Minuten auf mindestens 70 Grad Celsius erhitzen.
  3. Beim Marktbummel duftet die Käsetheke schon von weitem. Nimm gern einen tiefen Atemzug – aber dann geht es besser schnurstracks an dem Käsestand vorbei. Denn: Auch Feta, Mozzarella und Co. können wegen der offenen Lagerung eine erhebliche Keimbelastung aufweisen. Während der Schwangerschaft greifst du daher am besten nur zu abgepackten und pasteurisierten Käsesorten.

Gute Alternativen zu Ricotta in der Schwangerschaft

Wenn du trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ein mulmiges Gefühl dabei hast, Ricotta in der Schwangerschaft zu verzehren, dann halte Ausschau nach einer Käsesorte, die unbedenklich für Schwangere ist. Dazu gehören:

  • Schnitt- und Hartkäse ohne Rinde
  • Abgepackter, pasteurisierter Mozzarella aus Kuhmilch
  • Abgepackter, pasteurisierter Feta
  • Abgepackter Koch- und Schmelzkäse

Übrigens: Je höher der Salzgehalt eines Käses ist, desto weniger Listerien siedeln sich an. Lass dir deinen Käseappetit also nicht verderben und lass es dir und deinem Baby während der Schwangerschaft so richtig gut gehen. Welche Speisen besonders gesund und richtig lecker sind, verraten wir dir in unserer Rubrik Ernährung in der Schwangerschaft.

Unsere Expertin

Diplom-Ökotrophologin Pamela Koch hat diesen Artikel inhaltlich geprüft.Pamela Koch ist Diplom-Ökotrophologin und Ernährungstherapeutin. Seit 14 Jahren berät sie Familien und Multiplikator*innen wie Erzieher*innen zu den Themen Allergieprävention, Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie von Säuglingen und Kindern.

In Zusammenarbeit mit niedergelassenen Kinderärzten und Hebammen hat sie in Ihrer Praxis mittlerweile mehr als 2.000 Familien beraten. Als dreifache Mutter liegen ihr die gesunde Ernährung und die therapeutische Unterstützung von Familien besonders am Herzen.

Dieser Artikel wurde von echten Menschen verfasst.

Unsere Quellen:

milchindustrie.de
dge.de
thieme-connect.de
rki.de
bfr.bund.de
milchindustrie.de
mih-huefner.de
lgl.bayern.de

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Ilona Utzig
Hey, mein Name istt Ilona, ich bin Rheinländerin, lebe aber seit vielen Jahren im Hamburger Exil. Mit meiner Tochter wage ich gerade spannende Expeditionen ins Teenager-Reich, immer mit ausreichend Humor im Gepäck. Wenn mein Geduldsfaden doch mal reißt, halte ich mich am liebsten in Küstennähe auf, je weiter nördlich, desto besser. Bei Echte Mamas bin ich Senior SEO-Redakteurin. Meine journalistische Ausbildung abolvierte ich bei Hamburger Jahreszeitenverlag, um anschließend Skandinavistik, Politikwissenschaft und Germanistik zu studieren. Nach langen Jahren als Finanz-Redakteurin liegen mir heute noch die Themen Vorsorge, Vereinbarkeit und Care-Arbeit am Herzen.

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