Wenn wir Mamas es allein zum Einkaufen schaffen oder tatsächlich mal in Ruhe duschen können, freuen wir uns häufig selbst über diese „kurze Auszeit“. Aber auch, wenn wir diese kleinen Ruhepausen genießen – sie haben nichts damit zu tun, dass wir „endlich Zeit für uns“ haben. Und das sollten bitte endlich auch alle anderen verstehen!

Kurzurlaub im Supermarkt? Nicht wirklich.

Als ich meiner Freundin neulich am Telefon sagte, dass ich auf dem Weg zum Supermarkt bin, und zwar ohne Kinder, seufzte sie ein neidvolles „Du hast es gut, ich will auch eine Pause“ in den Hörer. Und ich gebe es zu: Natürlich genieße ich es, ohne meine Kinder einkaufen zu gehen. Den Einkaufswagen durch den Supermarkt zu schieben, ohne ein „Mama, können wir das kaufen?!“ an jeder zweiten Ecke. Ohne Gequengel, wenn Schoki und Bonbons im Regal liegenbleiben. Und ohne den Tobsuchtsanfall an der Kasse, wenn wir das Spielzeug nicht kaufen, obwohl es doch sooo toll ist.

Aber so gern ich auch schnell allein in den Supermarkt fahre: Wirklich erholt bin ich danach trotzdem nicht. Wie denn auch? Wir haben kein Toilettenpapier mehr – großartig, ich kann „eben schnell“ einkaufen gehen. Allein. Ohne die Kinder. Aber warum, verdammt noch mal, muss eigentlich erst das Klopapier alle sein, damit ich mal allein rauskomme? Und wieso denken scheinbar alle, dass ich ja dann eine „Mama-Auszeit“ habe, wenn ich Toilettenpapier kaufe? Sogar beim Arzt konnte ich mir schon den Spruch anhören, dass sich der Termin doch für mich wie ein „Kurzurlaub“ anfühlen müsste – so ganz ohne Kinder. Aber soll ich euch was sagen? Ja, es ist nett – mehr aber auch nicht.

Ein Einkauf ersetzt keine Mama-Auszeit

Natürlich sind ein Besuch im Supermarkt oder ein Arzttermin deutlich einfacher, wenn die Kinder nicht dabei sind. Darüber brauchen wir auch gar nicht zu diskutieren. Trotzdem ersetzen sie nicht die Pausen, die wir Mamas ab und zu nun mal einfach brauchen, damit wir nicht durchdrehen. Genau wie Menschen ohne Kinder brauchen auch wir manchmal einfach Zeit für uns. Und zwar nicht, während wir einen Einkaufswagen durch die Regale schieben oder die Arzthelferin uns Blut abnimmt. Sondern wirkliche Zeit für uns.

Zeit, in der wir einfach nur auf dem Sofa liegen und unsere Lieblingsserie schauen. Uns mit Freundinnen treffen ohne den Gedanken im Hinterkopf, was wir noch alles erledigen müssen, bevor wir die Kinder aus der Kita holen. Und ohne das Gefühl, dass wir uns diese kurze Auszeit eigentlich gar nicht leisten können, weil zu Hause noch zwei Maschine Wäsche und der Abwasch auf uns warten.

Deshalb bitte, hört damit auf, uns zu vermitteln, welches Glück wir haben, wenn wir mal ohne unsere Kinder Einkaufen fahren.

Das Haus zu putzen, wenn die Kinder nicht da sind, ist keine Pause.

Alleine zu duschen, ist keine Pause. Der Wocheneinkauf ist keine Pause. Es gehört dazu, und es muss gemacht werden – aber es sind definitiv keine Pausen. Abgesehen davon würde ja auch niemand anderes darauf kommen, es als Pause zu bezeichnen. Oder habt ihr schon mal gehört, wie jemand ohne Kinder den Einkauf im Supermarkt „Kurzurlaub“ nennt? Für jeden anderen sind diese Dinge selbstverständlich und müssen erledigt werden. Warum also sollen wir Mamas dankbar dafür sein?

86 % aller Mamas laufen Gefahr, ein Burnout zu bekommen

Eine Studie von motherly hat herausgefunden, dass 86 % aller Mütter mit einem Burnout zu kämpfen haben. Ein wichtiger Punkt dabei ist, dass die Gesellschaft uns dazu bringt, uns schuldig zu fühlen, wenn wir uns Zeit für uns nehmen. Und zwar so schuldig, dass wir es letztendlich bleiben lassen. Auf unserer eigenen Prioritätenliste stehen wir selbst in den meisten Fällen ganz weit unten. Und das wiederum führt dazu, dass wir körperlich und emotional darunter leiden.

Gleichzeitig sehen wir uns so sehr nach einer richtigen Auszeit, dass wir uns Möglichkeiten suchen, die uns keine Schuldgefühle machen. Schließlich ist ein kinderloser „Ausflug“ in den Supermarkt immer noch besser als gar keine Auszeit, oder?  Dazu kommt, dass scheinbar von uns erwartet wird, genau so zu denken. Oder wie sonst lassen sich Sprüche wie der Witz beim Arzt erklären?

Wir leben nicht nur dafür, notwendige Dinge zu erledigen.

Offenbar sind viele der Meinung, wir Mamas würden uns nach einem Einkauf im Supermarkt so erholt fühlen wie nach einem Kurzurlaub, und der Hausputz ohne Kinder hätte den gleichen Effekt wie ein gemütlicher Abend auf dem Sofa. Lasst euch hiermit gesagt sein: Das ist nicht so. Wir leben nicht nur dafür, notwendige Dinge zu erledigen. Und es ist auch nicht unsere (einzige) Erfüllung, uns ständig um alles und jeden zu kümmern.

Die Frage ist, warum wir Mamas dazu neigen, und schuldig zu fühlen, sobald wir etwas für uns selbst tun. Was spricht dagegen, einen Abend allein mit den Mädels zu verbringen, oder ein Wochenende auf der Couch? Liegt es allein am Mutterbild, das die Gesellschaft uns täglich und überall vermittelt? Ich denke, das macht zumindest einen sehr großen Teil aus. Aber die gute Nachricht ist.

Wir selbst können etwas dagegen tun!

Fangen wir damit an, dass wir darauf achten, in welchen Situationen wir uns schuldig fühlen. Und damit meine ich nicht die Situationen, in denen unsere Kinder uns in den Wahnsinn treiben, und wir explodieren. Ich weiß nicht, wie oft mir das schon passiert ist, und ja, ich hatte jedes Mal ein schlechtes Gewissen. Schließlich darf eine Mutter nicht ausrasten, oder? Womit wir wieder beim Punkt wären…wer sagt das eigentlich? Natürlich weiß ich, dass es nicht gut ist, seine Kinder anzuschreien. Und natürlich passiert es mir (leider) trotzdem manchmal, weil ich irgendwann einfach nicht mehr kann. Und weil der Mental Load mich regelmäßig an meine Grenzen bringt – und darüber hinaus.

Meistens geht es aber auch um andere Situationen. Kennt ihr das auch, dass euer schlechtes Gewissen sich immer dann meldet, wenn ihr etwas für euch selbst tut, oder es zumindest plant? „Kann ich den wirklich abends weg, wenn mein Mann dann beide Kinder ins Bett bringen muss?“ „Ist es okay, dass ich zum Yoga gehe, wenn die Kinder dann eine halbe Stunde länger in der Kita sind?“ Ja! Ja, das ist okay! Deshalb: Auch wenn sich unser schlechtes Gewissen in solchen Situationen meldet, sollten wir es durchziehen. Denn nur so können wir sehen, was wirklich passiert – in den meisten Fällen nämlich nicht.

Was habe ich mir Gedanken gemacht, als ich das letzte Mal abends unterwegs war. Mich beeilt, wieder nach Hause zu kommen, damit ich notfalls doch noch ein Kind ins Bett bringen kann. Um dann festzustellen, dass beide friedlich schlafen – und zwar seit zwei Stunden.

Auch wir Mamas dürfen um Hilfe und Unterstützung bitten

Ganz wichtig: Wir sollten unseren Wunsch nach Pausen mit unseren Lieben teilen. Nur wenn wir ihnen offen sagen, was wir uns wünschen, und was wir so dringend brauchen, können sie uns dabei unterstützen.

Und zu guter Letzt: Wir sollten herausfinden, was Selbstfürsorge und Auszeiten für uns selbst bedeuten. Was uns dabei hilft, unsere Akkus wieder aufzuladen. Denn der Einkauf im Supermarkt ist vielleicht eine willkommene kleine Pause – aber das kann doch nicht alles sein, oder?

Wir sollten uns immer wieder sagen, dass wir es verdienen, auch Dinge für uns selbst zu tun. Und dass niemand das Recht hat, uns dafür ein schlechtes Gewissen einzureden. Letztendlich tun wir alles, was wir für uns tun, auch für unsere Familie und ganz besonders für unsere Kinder. Denn sie merken auch, wenn Mama ausgeglichener ist – und vor allem glücklich.

Was tut ihr denn für euch selbst? Was gönnt ihr euch, und womit ladet ihr eure Akkus wieder auf?  Erzählt doch mal – wir sind gespannt!

15 Kommentare

  • Mandy

    Vielen lieben Dank für den wunderbaren Artikel.

    Ich stand erst vor einer Woche weinend vor meinem Mann und habe ihm gestanden, dass mein Akku leer ist.

    Ich habe eine fast vier jährige Tochter und einen 7 Monate alten Sohn.

    Ich habe das Gefühl nie abschalten zu können. Ständig denke ich, was noch alles ansteht und was als Nächstes kommt. Gekrönt von Schlafmangel und vielen kleinen Zickereien mit meiner Großen, war das dann einfach zu viel
    Ich bin noch am Herausfinden, wie ich Pausen für mich in den Alltag integrieren kann und was mir wirklich gut tut.

    Da tat der Artikel gerade richtig gut, dass ich nicht allein bin und auch nicht versagt habe. Weil dieses Gefühl schwingt neben dem schlechten Gewissen auch immer mit.

  • ZazA

    Ich stand heute, völlig fertig mit der Welt (meiner Familie), nach dem „Kurzurlaub“ im Kaufland,in meinem Lieblingsspäti und habe mir voller Scham so nen Billigwodka gekauft.
    Schaut der Verkäufer mich an, lächelt und sagt: „Wir haben alle mal furchtbar schlechte Zeiten“
    Ich musste mich so sehr zusammen reißen,nicht zu weinen.
    Der Artikel hier war grad das Blattgold auf dem Spätidessert.

  • Dani Elle

    Ich finde den Text schon sehr zutreffend, aber schade das immer nur die Rede von Mama und nicht auch von Papa ist.
    Ich bin der Meinung das uns Frauen wie auch den Männern Zeit für einen selbst oder als Paar zustehen sollte. Ich bin definitiv in der glücklichen Situation einen Partner an meiner Seite zu haben, der sich trotz Vollzeitjob auch sehr im Haushalt oder in der Kinderbetreuung einbringt und auch für ihn ist es mal anstrengend und Kräftezehrend. Da wäre es doch nicht fair zu erwarten das nur mir diese Zeit zum ausspannen oder Kräfte sammeln zu stehen sollte ‍♀️
    Wir achten darauf alle sechs bis acht Wochen mal ein Wochenende für uns zu haben ohne Kinder, mal nutzen wir die Zeit und entspannen zu Hause oder gehen Essen, machen Wellness oder dergleichen, denn wir als Paar sind mindestens genauso wichtig. Ansonsten ermöglichen wir uns gegenseitig auch mal eine Auszeit alleine, immer so wie es gerade benötigt wird. Ich denke das es wichtig ist sich gegenseitig zu entlasten, zu unterstützen und die Sorgen/Probleme/Bedürfnisse des anderen genauso ernst zu nehmen wie die eigenen. Ein faires miteinander auf Augenhöhe und ehrlicher Kommunikation sollte in jeder Beziehung geben.

  • Ulrike Fuchs

    Es ist erschreckend, dass Zeit ohne Kind als „Erholung“ gesehen wird (sogar beim Arzt!). Es ist lediglich Zeit ohne Kind, und nicht Freizeit. In dem Moment, in dem man Zeit für Erledigungen aufbringt oder nützlich für andere ist, ist es doch keine „Me-Time“.
    Danke für diesen Artikel und das Bewusstmachen, was Mental-Load für Mamas bedeutet.
    Herzliche Grüße, Ulrike Fuchs