Milchstau & Brustabszess: „Ich wollte trotz Schmerzen nicht abstillen“

Die Stillzeit habe ich bei beiden Kindern sehr genossen. Diese nahen Momente voller Geborgenheit, in denen das kleine Würmchen entspannt in meinem Arm lag, mich vertrauensvoll angesehen hat und oft friedlich eingeschlafen ist. Ich hätte es nie gedacht, aber das hat mir nach dem Abstillen tatsächlich eine ganze Weile gefehlt.

Wir hatten das Glück, dass das Stillen bis auf kleine Zipperlein relativ problemlos geklappt hat. Das ist aber leider nicht bei allen Mamas der Fall. Einige entscheiden sich dann dafür, ihrem Baby das Fläschchen zu geben, was natürlich auch vollkommen in Ordnung ist, keine Frage. Andere möchten so gern stillen, dass sie dafür einiges auf sich nehmen – sogar heftigste Schmerzen.

Unsere Stillgeschichte begann magisch

So wie Julia aus unserer Community, bei der ein mehrfach diagnostizierter Milchstau sich als schmerzhafter Brustabszess herausstellte. Warum sie trotzdem nicht abstillen wollte, und welche Odysee sie dafür auf sich genommen hat, erzählt Julia hier:

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„Ich liege auf dem OP-Tisch und werde zugenäht. Zum ersten Mal darf ich deinen winzig kleinen und warmen Körper auf meiner Brust spüren. Und während ich mir Gedanken um das Handling mache, weißt du vom ersten Moment an, was zu tun ist. Und so beginnt unsere Stillgeschichte unter grellem OP-Licht und hätte nicht unproblematischer starten können. Es war magisch.

Ich habe die Nähe zu dir von Anfang an geliebt. Doch es sollte nicht allzu lange dauern, bis unsere Stillbeziehung auf eine harte Probe gestellt wurde. Die anfänglichen Schwierigkeiten, die wunden und strapazierten Brustwarzen, die dem Dauerstillen geschuldet waren, hatten wir schnell überwunden.

Es begann mit einem klassischen Milchstau

Nach etwa 4 Wochen ging es dann mit einem klassischen Milchstau los, so die Diagnose meines Frauenarztes. Wärme, Ausstreichen, Kälte, Quarkwickel etc., das bekannte Prozedere. Die Schmerzen vergingen, der Knoten blieb. Einige Wochen später dasselbe Spiel von vorne. Es kam hohes Fieber dazu. Der Frauenarzt hielt einen Ultraschall der Brust nicht für notwendig und schickte mich erneut mit Milchstau nach Hause. Ich solle gut ausstreichen. Gesagt, getan. Das Fieber ging. Die Schmerzen blieben.

Heute weiß ich, dass ich bereits eine starke Entzündung in der Brust hatte, die mein damaliger Arzt leider nicht erkannte. An die Schmerzen habe ich mich zwischenzeitlich gewöhnt, dachte, das muss so sein. Der Arzt hatte mir ja nichts anderes vermittelt. So strich ich immer schön aus, ging weit über meine Schmerzgrenze in der Hoffnung, dass es irgendwann besser werden würde. Dass dies die Situation nur weiter verschlimmern würde, konnte ich zu dem Zeitpunkt ja nicht ahnen.

Der Arzt riet mir zum Abstillen

Nach weiteren Arztbesuchen bestand ich nach 3 Monaten mit immer wiederkehrendem Fieber, Abgeschlagenheit, und nachdem meine Tochter die Brust mittlerweile vehement verweigert hat, auf einen Ultraschall. Diagnose: Milchstau. Der Arzt riet mir zum Abstillen und verschrieb mir auch direkt Abstilltabletten dazu. Ich hatte zuvor nie über das Abstillen nachgedacht, war meine Tochter doch noch so klein und liebte ich es doch eigentlich, sie zu stillen.

In meiner Verzweiflung, und weil ich dachte, es gäbe keinen anderen Ausweg, griff ich dann zu einer der mir verschriebenen Abstilltabletten. Ich habe sie geschluckt und es im selben Moment schon bereut. Eine Zweitmeinung musste her. Es folgten zig Telefonate mit ebenso vielen Absagen, mit der Begründung, dass keine Neupatienten aufgenommen werden konnten. Schließlich rief ich verzweifelt im Krankenhaus an. Es musste doch möglich sein, dass sich ein Arzt dieser Sache annimmt.

Abstillen kam für Julia nicht in frage

Julia verbrachte eine Woche im Krankenhaus – und musste doch nicht abstillen.
Foto: privat

Der „Milchstau“ war ein Brustabszess

Ich hatte zu diesem Zeitpunkt erneut starke Schmerzen, hohes Fieber und war am Ende meiner Kräfte. Dann reagierte endlich eine Ärztin auf eine verzweifelte E-Mail von mir, nachdem mich die Empfangsdamen schon abgelehnt hatten, und untersuchte mich außerhalb ihrer Öffnungszeiten.

Beim Ultraschall dann der Schock: Ich hatte einen Brustabszess, meine Brust war komplett voll mit Eiter. Deshalb kam ich von der Frauenarztpraxis direkt ins Krankenhaus. Auf der einen Seite war ich erleichtert, da ich endlich ernst genommen, ordentlich untersucht und nicht ein weiteres Mal mit Milchstau abgetan wurde. Auf der anderen Seite hatte ich natürlich Angst. Nicht unbegründet, wie sich herausstellte.

Die Brustpunktion war die Hölle

Im Krankenhaus angekommen, wurde ich mit meiner vier Monate alten Tochter zusammen direkt stationär aufgenommen. Nach nicht einmal einer Stunde folgte die erste Punktion meiner Brust. Es wurde mit einer Hohlnadel in die Brust gestochen, um die Flüssigkeit mit einer Spritze abzusaugen. Ich hatte monatelang Schmerzen gehabt, aber diese waren unerträglich. Der Anblick eines nicht gerade kleinen Werkzeugs, das in meiner Brust steckte, tat sein Übriges.

Ich habe hemmungslos geweint. Vor Schmerzen, aber auch vor Erleichterung, dass mir endlich geholfen wurde Die Gewissheit, dass es damit nicht erledigt sein würde, ließ mich fast verzweifeln. Der Gedanke an die Angst vor jeder einzelnen Behandlung treibt mir noch heute ein ungutes Gefühl in die Magengegend. Eine einmalige OP wäre in diesem Fall wohl der einfachere Weg gewesen. Aber den bin ich nie gegangen.

Nach einem einwöchigen Krankenhausaufenthalt zusammen mit meiner Tochter, insgesamt 12 Punktionen, Behandlung mit Antibiotika und einigen Zusammenbrüchen war es dann endlich geschafft.

Abstillen wollte Julia auf keinen Fall

Meine Tochter ist nun ein Jahr alt. Ich habe gekämpft, damit ich sie weiter stillen kann. Bis heute. Die erkrankte Brust habe ich mich nicht wieder getraut, „in Betrieb“ zu nehmen, aber auch mit nur einer Brust funktioniert es erstaunlich gut. Der weibliche Körper ist ein Wunderwerk. Es ist lediglich ein ästhetisches Problem. Ich habe furchtbare Schmerzen durchgestanden. Für meine Tochter. Mein Körper hat gelitten, und die Spuren sind deutlich sichtbar.

Doch ich würde immer wieder dafür kämpfen und bin dankbar, dass ich sie zumindest mit einer Brust weiter stillen konnte. Dankbar, dass ich es erleben darf, mein Kind zu ernähren und diese Nähe zu erfahren. Diese kleinen Auszeiten, diese Harmonie, der Friede und die unendliche Liebe, Nähe und Geborgenheit. Ich bin stolz auf mich, trotz der Widrigkeiten dafür gekämpft zu haben. Es war all das wert. Stillen ist nicht nur für das Baby das Beste, es war auch für mich als Mutter unglaublich wertvoll und ich werde es vermissen.“

Liebe Julia, vielen Dank, dass Deinen langen Kampf mit uns geteilt hast. Wir wünschen Dir und Deiner kleinen Maus alles Liebe.

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Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Ich liebe den Hafen, fotografiere gern, gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Social Media und Texte ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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