„Mein neues Leben: Schmusen und Stillen statt Schminken und Sport“

Ein Baby stellt unser Leben auf den Kopf. Alles ist so anders, als wir es uns vorher vorgestellt haben. Besonders in der ersten Zeit dreht sich eigentlich alles ums Kind – und das ist auch völlig in Ordnung! All die anderen Dinge wie der Haushalt oder auch das eigene Styling können warten. Hauptsache, man fühlt sich selbst wohl.

Unsere Echte Mama Tanja (39) aus Mannheim weiß allerdings, dass man sich nur allzu leicht von seinem Umfeld und den Medien unter Druck gesetzt fühlen kann – obwohl man es doch eigentlich besser weiß:

Vor drei Monaten habe ich meine Tochter Chiara zur Welt gebracht. Monate des Fütterns, Milchabpumpens, des Windelwechselns, Kuschelns, Tröstens und In-den-Schlaf-Singens.

Zugegeben, an manchen Tagen habe ich weder Zeit zum Duschen noch zum Anziehen gehabt. Kochen und Putzen? Fehlanzeige. Jede (baby)freie Minute habe ich genutzt, um Schlaf nachzuholen. Ohne meinen Mann hätte die Wohnung ausgesehen wie bei Hempels unterm Sofa. Alles dreht sich primär um die Kleine, und das ist gut so.

Schaue ich mir aber Fotos und Instagram-Profile von Müttern an, die mehr oder weniger zur gleichen Zeit wie ich entbunden haben, packt mich das schlechte Gewissen. Perfekt gestylt in knallengen Jeans, High Heels oder Hotpants wuppen sie Kind und Haushalt. Sie kochen natürlich stets frisch und posten das Ergebnis fleißig im Internet. Ihr After-Baby-Body ähnelt dem einem Victoria-Secrets-Engels.

Stets gut gelaunt schaffen sie es, aus dem Stillen ein Wellness-Happening zu machen, für das sie sich im Vorfeld frisches Obst schnippeln und dabei mega-entspannt sind. Ach ja, natürlich klappt bei diesen Müttern das Stillen problemlos.

Stillen und Schmusen

Stillen ist immer nur wunderschön und fast schon überirdisch romantisch? Also, bei mir sieht das anders aus. unsplash / Leandro cesar santana

Neben diesen Supermüttern fühle ich mich manchmal wie ein Versager. Während die tollen Mamas bereits wieder in Größe 36 passen und fit wie ein Turnschuh sind, habe ich noch nicht einmal mit Beckenbodengymnastik angefangen, geschweige denn mit Sport.

Ich habe ohnehin noch mit den Schwangerschaftspfunden zu kämpfen, von den rund 13 Kilo, die ich in den neun Monaten zugenommen habe, sind noch etwa 4 Kilo übrig, die sich hartnäckig an Bauch und Hüfte klammern. Ich sehe aus, als wäre ich im 5. Monat. In meine alten Klamotten passe ich daher immer noch nicht. Zeit um neue Kleider zu kaufen, habe ich nicht. Stattdessen trage ich weiterhin meine ausgeleierten Schwangerschaftsleggings und -shirts, Sneaker statt hohe Hacken und zu weite Jeans, die mir ständig in den Kniekehlen hängen. Beim Friseur war ich das letzte Mal mit Babybauch – nur zum Spitzen schneiden, versteht sich.

Irgendwie ärgere ich mich, dass ich mich von meiner Umwelt so unter Druck setzenlasse.

Ja, ich greife schon mal zu Pizza, Kebab und Co., wenn ich keinen Nerv zum Kochen habe. Macht das mich zu einer schlechten Mutter? Wenn mein Baby Hunger hat, greife ich nicht zuerst zu Bananen und Äpfeln, sondern stille die Kleine so schnell wie möglich.

Vielleicht passe ich irgendwann wieder in meine alten Hosen. Vielleicht auch nicht. Dafür entwickelt sich die Kleine prächtig. Wenn sie lächelt, vergesse ich, dass ich derzeit wie die jüngere Schwester von Ma Flodder aussehe und von den top gestylten Supermüttern so weit entfernt bin wie der Nord- vom Südpol.

Wenn es meiner Tochter gut geht, dann geht es auch mir gut.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

Alle Artikel