Brief eines trauernden Vaters: „Wie oft sprecht ihr richtig mit euren Kindern?“

„Es ist später, als du denkst.“

Mit diesen Worten beginnt der bewegende Brief, den der Start-Up-Gründer J.R. Storment aus den USA vor wenigen Tagen auf der Karriereplattform LinkedIn veröffentlicht hat. Der trauernde Vater warnt alle Mamas und Papas: „Arbeitet weniger. Verbringt mehr Zeit mit euren Kindern. Es kann schneller vorbei sein, als ihr denkt…“

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Sein Aufruf ist seitdem unzählige Male im Netz geteilt worden und hat viele Menschen tief berührt. Auch mich. Denn ja, es stimmt: Im stressigen Alltag machen wir uns viel zu selten bewusst, wie kostbar jeder Moment mit unseren Kindern ist. Wir bilden uns ein, wir hätten noch endlos Zeit: Um all die Dinge zu tun, die wir unseren Kindern schon lange versprochen haben. Um Fehler wiedergutzumachen. Oder auch einfach, um unsere Kleinen in den Arm zu nehmen und ihnen zu sagen, wie lieb wir sie haben.

Wir haben die Chance, das noch zu ändern. Für J.R.Storment und seinen Sohn Wiley ist es zu spät. Hier kommt seine tragische Geschichte.

Er erfuhr vom Tod seines Sohnes, während er in einer Konferenz saß

„Vor acht Jahren, im selben Monat, habe ich Zwillingssöhne bekommen und Cloudability mitgegründet“, schreibt der Startup-Gründer.  J.R. Storment saß gerade in einer Besprechung, als sein Frau anrief. Ein paar Minuten zuvor hatte er den Leuten im Raum noch erzählt, dass er seit Jahren nicht mehr als eine Woche am Stück freigenommen habe.

Er und seine Frau hätten eine Abmachung gehabt, erinnert er sich: Sie dürften sich gegenseitig nur anrufen, wenn es wirklich, wirklich dringend ist. „Als das Telefon klingelte, stand ich sofort auf und lief zur Tür. Noch im Laufen nahm ich den Anruf entgegen und fragte: „Was ist los?“ Ihre Antwort kam zügig: „Wiley ist tot.“ J.R. Storment war fassungslos. Er raste nach Hause, und sah die ganze Auffahrt voller Autos mit blinkendem Blaulicht. Als er in das Zimmer seines Sohnes wollte, blockten Polizisten den Weg – ein plötzlich verstorbenes Kind wird immer wie ein potentieller Kriminalfall behandelt. Ganze zwei Stunden musste er warten, um seinen Sohn sehen zu können.

„Ich legte mich in sein geliebtes Bett, direkt neben ihn, hielt seine Hand und fragte ihn immer wieder: ‚Was ist passiert mein Kleiner? Was ist passiert?‘. Wir lagen etwa 30 Minuten bei ihm, bis er in einen Leichensack gepackt und aus dem Haus gerollt wurde. Auf dem Weg nach draußen hielt ich seine Hand und streichelte seine Stirn durch den Stoff. Dann fuhren alle Autos weg. Das letzte war das mit Wiley darin.“

Bis heute kann er nicht glauben, dass sein Junge so überraschend aus dem Leben gerissen wurde. Sein Sohn hatte noch so viele Ziele und Träume. Er wollte, wie sein erfolgreicher Vater, irgendwann ein eigenes Business gründen. Er war verliebt in seine Kindergartenfreundin, sie hatten bereits ausgemacht, zu heiraten wenn sie erwachsen sind. „Das machte das Unterschreiben der Sterbeurkunde besonders schwer. Seinen Namen darauf zu sehen, tat weh. Aber wirklich schlimm waren die beiden Kästchen weiter unten. Das erste war ‚Beruf: nie gearbeitet‘ und das zweite ‚Familienstand: nie verheiratet‘. Er hatte sich diese beiden Dinge so sehr gewünscht.“

Was war passiert?

Einige Monate vorher war Wiley mit eine milden Form von Epilepsie diagnostiziert worden. Die Rolando-Epilepsie wird gutartig genannt, da sie sich meist mit der Pubertät verwächst. Alle Ärzte gaben Entwarnung, die Eltern sollten einfach darauf vertrauen, dass es bei Wiley genauso verschwinden würde. „Keiner der Ärzte erwähnte je, was ihn am Ende umgebracht hat: SUDEP (engl. sudden unexpected death in epilepsy, dt. plötzlicher unerwarteter Tod durch Epilepsie). Es ist so selten, dass es eine Debatte darüber gibt, ob man Eltern proaktiv davon erzählen sollte. Denn SUDEP ist unvorhersehbar, und unumkehrbar wenn es einmal eingesetzt hat. Das Gehirn schaltet sich einfach ab.“

Vorher war er ein Workaholic. Nun ist ihm sein Job egal

Er bereue nun so viele Dinge, gesteht J.R. Storment. Zum Beispiel, dass er mit Wiley am Abend vor seinem Tod geschimpft habe. Dass er in den vergangenen Jahren so wenig Zeit für seine beiden Zwillingssöhne hatte. Und dass er so viele Dinge verpasst habe, weil er gearbeitet hat.

„Viele haben mich gefragt, wie sie mir helfen können. Umarmt eure Kinder. Arbeitet nicht so lang. Ich nehme an, in euren Kalendern stehen Vieraugengespräche mit vielen Menschen, mit denen ihr arbeitet. Verabredet ihr solche Termine auch regelmäßig mit euren Kindern?“ Bisher ist der Geschäftsmann noch nicht in den Job zurückgekehrt, berichtet er. „Die Arbeit benötigt eine Balance, die ich selten gelebt habe.“ Wie er sie erreichen könne, ohne hinterher wieder etwas bereuen zu müssen, wisse er noch nicht.

Auch die Mutter meldet sich zu Wort: „Das Leben ist zerbrechlich“

Seine Frau Jessica Brandes, die Mutter von Wiley, schreibt sich ebenfalls auf Linkedin ihren Kummer von der Seele. Sie erinnert sich mit warmen Worten an ihren Sohn: „Er war schlau, sportlich, ehrgeizig und lustig. Ein beeindruckender Tänzer. Hatte einen sehr guten Musik- und Filmgeschmack und die tollsten blauen Augen. War groß mit riesigen Füßen und schien über alle innerhalb von zwei Wochen hinauszuwachsen. Er war sehr erwachsen und verstand komplexe Dinge wie Religion oder Politik (…) Er ist schon mal Auto gefahren, hatte Mädchen geküsst und sich in eins davon verliebt.“

„Wenn ich etwas daraus gelernt habe, dann, dass das Leben zerbrechlich ist und die Zeit grausam kurz sein kann“, erklärt sie. Sie und ihr Mann würden sich sehr wünschen, viele Dinge anders gemacht zu haben, gesteht sie: „Aber am meisten wünschen wir uns, dass wir mehr Zeit gehabt hätten. Wenn du Kinder hast und irgendeine Möglichkeit hast, mehr Zeit mit ihnen zu verbringen: Tu es! Wenn es endet, gibt es nur noch Fotos und zurückgelassene Dinge. Die Zeit ist nicht mehr greifbar für dich. Nimm dir deine Urlaubstage und Sabbaticals und verbringe sie mit deiner Familie. Du wirst am Ende nicht die E-Mails bereuen, die du vergessen hast zu senden.“

Liebe Mamas und Papas: Seid dankbar. Jeden Tag.

Kennt ihr den Spruch: „Du hast 18 Sommer mit deinen Kindern. Dieser ist einer davon.“ Ich finde, da ist viel Wahres dran. Vielleicht bleiben euch noch 17 Sommer. Oder neun. Oder vier. Ganz egal: Freut euch jeden Tag über eure Kinder und seid dankbar, egal, wie stressig der Tag auch war. Ich habe es mir jedenfalls ganz fest vorgenommen.

Corinna Siemokat

Ich bin Mama und Journalistin aus Leidenschaft. Ich freue mich, bei Echte Mamas Beruf und Berufung miteinander verbinden zu können. Mein Mann, unser kleiner Sohn und ich wohnen in Hamburg, der schönsten Stadt der Welt.

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