Viele Frauen verlieren nach der Geburt fast schlagartig ihren Raum für sich selbst, obwohl sie ihn gerade dann dringend brauchen würden. Sina wollte diesen Verlust nicht einfach hinnehmen – weder für sich noch für ihre Beziehung. Sie und ihr Partner beschlossen, Care-Arbeit bewusst anders zu denken und sich nicht von alten Rollenbildern auffressen zu lassen.
„Ich brauche regelmäßig Zeit für mich – alleine, ohne Kind, ohne Partner, ohne Arbeit. Das war schon immer ein großer Teil meiner Identität. Genauso geht es meinem Partner: Wir sind beide Menschen mit vielen Interessen, Hobbys und eigenen Projekten.
Schon vor der Schwangerschaft haben wir uns deshalb gefragt, wie wir das alles mit einem Baby vereinbaren können. Wir hatten ehrlich gesagt Angst davor, dass unser altes Leben komplett verschwinden und wir uns selbst verlieren würden.
Man hört ja oft, dass man als Eltern kaum noch Freiräume hat.
Und dann kam eine Inspiration, mit der wir selbst nicht gerechnet hätten. Eine Freundin von mir lebt getrennt vom Vater ihres Kindes und sie teilen sich das Sorgerecht 50:50. Ihr Kind ist regelmäßig ein paar Tage bei ihr und ein paar beim Papa.
Natürlich ist eine Trennung nie etwas, das man sich wünscht – aber ich sah, wie gut ihr diese klaren freien Zeiten taten. Sie hatte Raum für Sport, Freundinnen, Feiern, Zeit für sich. Gleichzeitig war sie eine unglaublich präsente und liebevolle Mutter.
Da haben mein Partner und ich uns gefragt: Warum sollte so ein Modell nur getrennten Eltern vorbehalten sein?
Warum können Paare nicht genauso klare freie Zeiten haben? Warum sollte immer alles gleichzeitig auf beiden Schultern lasten? Aus dieser Frage ist unser Split-Plan entstanden. Unter der Woche arbeiten wir beide: ich in meiner Selbstständigkeit, er in der Care-Arbeit mit unserer Tochter.
Ab 16/17 Uhr beginnt dann unser Abendmodell. Montags und mittwochs übernehme ich komplett, dienstags und donnerstags übernimmt er alles – füttern, ins Bett bringen, beruhigen. Wenn er dran ist, pumpe ich vorher Milch ab, damit es für alle gut funktioniert.
Das klingt so simpel, aber es hat uns beiden den Kopf gerettet.
Jeder von uns hat zwei volle Abende, die wirklich frei sind. Nicht halb frei, nicht „mal kurz“, kein Nebenbei. Und wir halten uns strikt daran. Diese Klarheit gibt uns beiden enorm viel Freiheit. Gleichzeitig ist das Ganze emotional nicht starr: Wenn mein Partner an einem seiner freien Abende trotzdem Lust hat, mit uns spazieren zu gehen, macht er das. Der Unterschied ist, dass er die Wahl hat – und diese Wahlfreiheit tut unglaublich gut.
Freitag bis Sonntag sind dann unsere Familientage. Da machen wir in der Regel alles zusammen, ohne Plan, ohne feste Aufteilung, einfach so, wie es sich gut anfühlt.
Für uns funktioniert das wirklich großartig.
Wenn mich Mütter fragen, die das Gefühl haben, dass sie den Großteil der Care-Arbeit alleine tragen, obwohl ein Partner da ist, sage ich immer: Lasst das nicht mit euch machen. Euer Partner ist der wichtigste Mensch, wenn es um faire Verteilung geht – niemand sonst kann diese Verantwortung teilen. Und es kann nicht sein, dass er sich entzieht.
Der erste Schritt ist ein ehrliches Gespräch darüber, was jeder braucht, was fair ist und wie man das konkret organisieren kann. Wenn das nicht klappt, kann professionelle Unterstützung helfen – Paarberatung, Familienberatung oder Mediation. Es geht nicht darum, jemanden anzuklagen, sondern darum, Verantwortung gerecht zu teilen.
Das ist wichtig für die Mutter, für die Beziehung und für das Kind.
Und zu Müttern, die freiwillig den Großteil der Care-Arbeit übernehmen und ein klassisches Rollenmodell leben, sage ich: Go for it, solange es für beide passt. Jede Familie darf ihr eigenes Modell leben. Ich empfehle jedoch allen Frauen, das Thema finanzielle Absicherung nicht auszublenden.
Viele merken erst spät, dass Altersarmut in Deutschland überwiegend weiblich ist – und dass das unmittelbar mit der Verteilung von Care-Arbeit zusammenhängt. Wenn man sich bewusst dafür entscheidet, mehr Care-Arbeit zu übernehmen, braucht es klare Absprachen: Ausgleichszahlungen, Rentenpunkte, private Vorsorge oder andere Modelle, die langfristige Sicherheit schaffen.
Für mich hat all das nichts mit Misstrauen zu tun, sondern mit Verantwortung für das eigene Leben. Und ich glaube fest daran: Wenn man einen Partner hat, der einen liebt, dann unterstützt er genau das.”
Liebe Sina, vielen Dank, dass wir deine ermutigende Geschichte erzählen durften. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!
Mehr zu Sina erfahrt ihr bei Linkedin: Sina Ganster
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Toll, dass es für Sina funktioniert.
Und ich hoffe, dass es Inspiration für viele Familien ist, ihre Aufteilungen zu überdenken.
Mich macht dieser Artikel jedoch etwas wahnsinnig.
Mit der Geburt eines Kindes erlebt man seinen Partner nochmal von seinen besten und schlechtesten Seiten völlig neu. Und ich denke, die meisten Frauen schauen ihre Männer an und denken sich: joar, hätte ich das vorher gewusst…..
Ich liebe es, wenn ich davon höre, dass die Eltern sich auf Augenhöhe gleichermaßen um das Kind kümmern.
Ich gönne diese Entlastung und diese Erfahrung jeden Eltern und jedem Kind.
Aber mal ehrlich. So läuft es in der Regel nicht. Aus diversen Gründen.
Männer sind häufig überfordert und entziehen sich. Und da hilft kein Gerede, keine Paartherapie. Und am Ende muss die Frau es nehmen wie es ist, denn einer muss sich kümmern und wenn der Mann es nicht tut, macht sie es. Das oder die Trennung, so ist das in den allermeisten Beziehungen. Und das ist kein Problem der Kommunikation.
Wenn ein Kind kommt, dann musst du dich verändern. Und häufig ist es eine bewusste Entscheidung, es nicht zu tun oder eine charakterliche Engstirnigkeit, die einen daran hindert.
Und das bekommst du nicht in kurzer Zeit einfach weggeredet.
Und wie soll Bindung funktionieren, wenn der Vater arbeiten ist und das Baby hauptsächlich bei Mama bleibt?
Es ist ja nun mal so. Mama ist von Anfang an die Hauptbezugsperson.
Und irgendwo muss das Geld herkommen.
Wie viele Stillbabys sind so sehr auf die Mutter fixiert, dass sie anfangen zu brüllen, wenn jemand nur die Mama anfassen will? Es gibt Kinder, die sind da sehr extrem, die lassen sich nicht mal von jemand anderen kurz halten, ohne los zu schreien.
Viele Männer haben da ja nicht mal eine Chance, ob sie wollen, oder nicht.
Wie die Überschrift sagt, es wäre eine Frage der Organisation, ob man Zeit für sich hat-
klingt, als würde man hier schon wieder den Müttern die Schuld geben, dass sie überlastet sind.
Es gibt Kinder mit denen man seinen Alltag wunderbar gestalten kann.
Es gibt Männer, Großeltern und Freunde, die sind super unterstützend und halten einem den Rücken frei.
Es gibt aber auch Babys, die haben einen solchen Charakter, die schlagen ein wie eine Bombe.
Und wenn du dann noch einen Mann hast, den das überfordert, dann hast du halt verloren. Egal wie toll du organisiert bist.