Liebe Schwangere: Eine Geburt muss gar nicht so schlimm sein

Stundenlange Wehen, starke Schmerzen, tiefe Dammrisse- oder Schnitte, (zu) grobe Ärzte und Hebammen, jede Menge Blut und am Ende ein Notkaiserschnitt: Bestimmt habt ihr auch schon viele Horror-Storys und (zu) detaillierte Berichte gehört, wenn es um das Thema Geburt geht. Das alles kann ganz schön Angst machen, besonders, wenn man selbst gerade schwanger ist. Aber wisst ihr was? Es geht auch anders! Eine Geburt muss nämlich gar nicht so schlimm sein! Das sage ich aus Erfahrung – und vielleicht macht es der ein oder anderen Mut.

Bei meinem ersten Kind hatte ich regelrecht Panik vor der Geburt

Als ich mit meiner Tochter schwanger war, habe ich es sehr genossen. Ich habe meinen Babybauch geliebt, mich auf die Vorsorgetermine gefreut und begeistert Schwangerschaftsratgeber gewälzt. Nur eine Sache hat mir wirklich Angst gemacht: die Geburt. Denn leider habe ich mich auch viel im Internet informiert, und da findet man vor allem eins: Berichte über Geburten, die der absolute Horror waren. Und auch die sehr detaillierten Erzählungen meiner Freundinnen trugen nicht gerade zu meiner Beruhigung bei.

Es fing schon mit der Vorstellung an eine PDA an. Der Gedanke, dass jemand mir eine Spritze ins Rückenmark bohrt und meine untere Körperhälfte komplett taub wird, fand ich ganz furchtbar. Und die Aussicht auf stunden- oder sogar tagelange Wehen, die im Endeffekt nur dazu führen, dass das Kind am Ende doch per Kaiserschnitt geholt wird – nein, Danke. Im zweiten Drittel der Schwangerschaft habe ich mich mehr und mehr mit dem Gedanken angefreundet:

Ich möchte einen (geplanten) Kaiserschnitt

Ich selbst wurde per Kaiserschnitt geboren, und meine Mutter hatte mir gegenüber nie erwähnt, dass es besonders schlimm gewesen wäre. Ich glaube, zu diesem Zeitpunkt war mir noch nicht so wirklich bewusst, dass die OP und die Zeit danach auch nicht gerade ein Spaziergang sind. Ich hatte wirklich nur den Gedanken im Kopf, dass ich nicht auch irgendwann so eine Horror-Story erzählen möchte.

Wirklich glücklich war ich mit meinem Plan trotzdem nicht. Denn irgendwo in meinem Hinterkopf meldete sich immer wieder der Gedanke: Und was, wenn es gar nicht so unglaublich schlimm wird? Dazu kommt, dass ich ziemliche Angst vor Krankenhäusern, Spritzen und Schläuchen habe. Nicht die beste Voraussetzung für eine „freiwillige“ OP.

Ich habe dann mit meiner Hebamme gesprochen, die wirklich alles gegeben hat, um mir die Angst vor der Geburt zu nehmen. Dazu kam, dass in meinem Geburtsvorbereitungskurs viele Mamas saßen, die mit dem zweiten Kind schwanger waren. Und ihre Berichte klangen keineswegs nach Horror. Das alles hat mich überzeugt, es auf einen Versuch ankommen zu lassen. Und wisst ihr was?

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Das war die beste Entscheidung meines Lebens.

Als meine Fruchtblase platzte, war es eigentlich noch etwas zu früh. Aber meine Tochter hatte es offenbar etwas eiliger. Dachte ich zumindest. Und wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wie dehnbar der Begriff „eilig“ ist.

Mein Freund und ich fuhren ins Krankenhaus und verbrachten die ersten fünf Stunden (!) in der Anmeldung. Langsam setzen auch die Wehen ein, waren aber noch völlig im Rahmen.

In den ersten Stunden waren die Wehen sehr gut auszuhalten.

Das war der erste Punkt, der mich positiv überraschte. Die Wehen zogen sich hin, waren aber in den ersten Stunden wirklich gut auszuhalten. Im Nachhinein denke ich, dass wir einfach viel später hätten in die Klinik fahren können und sollen – aber dafür war die Aufregung dann wohl doch zu groß.

Insgesamt dauerte die Geburt meiner Tochter vom Platzen der Fruchtblase bis zu dem Zeitpunkt, als ich sie im Arm hielt, 21 Stunden. Wenn ich das von jemand anderem gehört hätte, wäre es ein Albtraum für mich gewesen. Was häufig nicht dazu gesagt wird: In den ersten bestimmt zehn Stunden waren die Wehen wirklich gut auszuhalten. Und auch, als sie heftiger wurden, ließen sie sich durch Bewegung und Atmung noch eine ganze Weile ertragen. Irgendwann wurde mir allerdings übel – laut Hebamme ein gutes Zeichen dafür, dass es jetzt endlich richtig losgehe.

Ich war erleichtert, weil ich dachte, jetzt wäre es bald geschafft.

Dabei lag der anstrengendste Teil noch vor mir.

Denn als endlich die Pressewehen einsetzten, erklärte die Hebamme mir, sie seien noch zu schwach, um das Baby hinauszubefördern. Deshalb musste ich sie veratmen – und zwar vier Stunden lang. Dass das passieren kann, war mir nicht bewusst, und darauf hatte mich auch niemand vorbereitet. Deshalb erwähne ich es hier, nicht um Angst zu machen, sondern als Info, dass es diesen Fall auch gibt.

Ich bekam also einen Tropf, um die Wehen zu verstärken, und ließ mir gleichzeitig ein Schmerzmittel geben. Dann hieß es veratmen, veratmen und noch mal veratmen.

Was mir während dieser Zeit unglaublich geholfen hat: Der Tipp meiner Hebamme, sich während der Geburt nicht ins Bett zu legen, wenn es irgendwie möglich ist. Ihre Erklärung zu den einzelnen Geburtspositionen war wirklich eine sehr große Hilfe. Im Endeffekt habe ich die meisten Zeit gestanden, mich auf ein Bett gelehnt oder gehockt – und zwar bei beiden Kindern. Das hat mir unglaublich geholfen!

Dann war es endlich soweit: Die Wehen waren stark genug.

Ich war zwar erschöpft, mobilisierte aber noch mal die letzten Kräfte. Gleichzeitig hatte ich großen Respekt: War das nicht der Moment, der immer am schmerzhaftesten beschrieben wurde? Und was war, wenn ich wirklich einen Dammriss bekam – oder sogar geschnitten werden musste?

Wisst ihr was? Nichts davon passierte! Ja, auch diese letzte Phase der Geburt war unglaublich anstrengend. Aber ehrlich gesagt fand ich die Wehen vorher deutlich schlimmer. Und gerissen ist auch nichts, diesen Fall gibt es also auch!

Direkt nach der Geburt nahm ich meine kleine Tochter hoch und legte sie mir auf den Bauch. Das Gefühl war einfach unbeschreiblich, ich war unglaublich glücklich – und wahnsinnig stolz. Stolz, dass ich dieses wunderschöne Baby tatsächlich zur Welt gebracht hatte. Dass ich mich im Endeffekt von all den Berichten doch nicht habe verrückt machen lassen. Dass ich auf meinen Bauch gehört und meinem Körper vertraut habe.

Ich bin ehrlich: Natürlich war es mega anstrengend. Und schmerzhaft. Sehr sogar.

Und trotzdem war es längst nicht so schlimm, wie ich es mir zu Beginn der Schwangerschaft ausgemalt hatte. Ich weiß, dass man im Nachhinein dazu neigt, das Negative zu verdrängen. Aber ich erinnere mich genau daran, dass ich zehn Minuten, nachdem meine Kleine endlich da war, zu meinem Mann gesagt habe „Das will ich noch mal!“ Ich habe die Geburt auch heute noch als wirklich schönen Moment im Gedächtnis – das war von Anfang an so und hat sich in all den Jahren nicht geändert.

Keine Frage, das, was (viel zu) viele Schwangere bei der Geburt erleben müssen, ist unglaublich schlimm. Trotzdem laufen längst nicht alle Geburten so ab – Gott sei Dank! Und genau das möchte ich allen Schwangeren sagen, die genau wie ich durch all die negativen Berichte verunsichert werden.

Lasst euch bitte nicht verrückt machen! Hört auf euer Bauchgefühl und vertraut eurem Körper. Er ist oft stärker, als wir denken. Sagt im Krankenhaus unbedingt, was ihr möchtet – und was nicht. Latt euch dabei nicht abwimmeln (es sei denn, es ist medizinisch notwendig). Und ganz egal, ob ihr euch für eine natürlich Geburt entscheidet oder für einen Kaiserschnitt: Es ist euer Körper – und eure Entscheidung.

Aber vor allem: Lest am besten nicht zu viele Horror-Geschichten – und lasst euch davon keine Angst machen. Denn eine Geburt muss gar nicht so schlimm sein.

Wie ist es bei dir: Hast oder hattest du Angst vor der Geburt? Und war sie so schlimm wie befürchtet – oder vielleicht ganz anders?
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Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern.

Seit 2015 sind wir Eltern einer zauberhaften Tochter. Zwei Jahre später kam ihr kleiner Bruder auf die Welt, und unsere Familie war komplett. Zusammen sind die beiden ein unschlagbares Team, das sich nur allzu gern gegen Mama und Papa verbündet.

Abgesehen von meiner Familie liebe ich den Hafen, fotografiere gern und gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Texte und Social Media ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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