„Bis heute konnte ich meinen Notkaiserschnitt nicht richtig verarbeiten.”

„Als ich mit meinem zweiten Wunder 2020 schwanger war, war die Freude riesengroß und auch unsere Tochter konnte es kaum abwarten, endlich ein Geschwisterchen zu bekommen. Doch leider verlief diese Schwangerschaft nicht so problemlos wie meine erste Schwangerschaft 2013.

Dieses mal hatte ich mit jeder Menge gesundheitlicher Probleme zu kämpfen:

extreme Übelkeit, Kreislaufprobleme, starke Schmerzen beim Laufen und, und, und. Dazu kam noch Homeschooling und Homeoffice, also kaum Zeit für Erholung. Scherzend sagte ich noch zu meinem Mann ‚Pass auf, zum Schluss wird es bestimmt noch ein Kaiserschnitt.‘ Obwohl das meine Albtraumvorstellung war, da ich nach der Geburt so schnell wie möglich fit sein und heim wollte. Durch die Corona-Situation war es den Geschwisterkindern ja nicht erlaubt, ins Krankenhaus zu kommen.

Naja, schlussendlich kam der Tag des errechneten Termins und ich musste routinemäßig zur Frauenärztin. Als ich unsere Große deswegen zu meiner Mama brachte, fragt sie mich noch, ob ich schon was merke, aber das verneinte ich. Wenig später wurde mir bei der Frauenärztin allerdings gesagt, dass das CTG Wehen aufzeichnet. Nun gut, die Ärztin meinte, der Muttermund ist 2-3 cm geöffnet und sie hilft mal nach, wodurch es in ein paar Stunden los gehen sollte.

Gesagt, getan.

Meine Mama machte mir danach extra einen starken Kaffee, um weitere Wehen anzuregen. Mein Mann hatte wegen des Kaffees schon Angst, es nicht rechtzeitig von der Arbeit Heim zu schaffen (die Große hatte ich fünf Stunden nach der ersten Wehe auf meiner Brust liegen, daher war die Sorge begründet). Ich spürte allerdings weiterhin nichts.

Unsere Große blieb zur Sicherheit trotzdem über Nacht bei den Großeltern. Schon ein komisches Gefühl, Wehen zu haben und sie nicht zu spüren. Trotz allem hat es dann noch bis kurz vor 22 Uhr gedauert bis ich die ersten Wehen gespürt habe, welche alle 5 Minuten kamen. Wir wollten eigentlich gerade schlafen gehen, aber ich sagte zu meinem Mann, dass er gar nicht versuchen muss einzuschlafen, weil sich das nicht lohnt.

Also ging er entspannt duschen und machte sich einen Kaffee.

Wir fingen an, die Abstände zu messen und haben uns um 23.30 Uhr dazu entschlossen, uns auf den Weg ins Krankenhaus zu machen, da es immer heftigere und länger anhaltende Wehen wurden. Als wir dort ankamen, waren es nur noch Abstände von zwei Minuten. Wir lachten noch darüber, dass ich den kurzen Moment zwischen den Wehen abwartete, um dann, so schnell es als Schwangere geht, zum Eingang zu laufen.

Während ich am CTG hing und danach bei der Ärztin im Zimmer war, musste mein Mann dank Corona anderthalb Stunden bei acht Grad vor der Krankenhaustür warten, bis er um 01.30 Uhr endlich mit mir in den Kreißsaal durfte. Der Muttermund sei bei 3-4 cm sagte man mir. Oooh man, da hat sich ja nichts getan, dachte ich noch. Und das obwohl der kleine Mann schon so doll drückte.

Nach weiteren 20 Minuten ist die Fruchtblase geplatzt.

Ich hörte nur wie jemand sagte, dass der Muttermund jetzt bei 9 cm ist. Meine Hoffnung stieg, dass wir es bald geschafft haben, denn ich hatte gefühlt keine Pausen zwischen den Wehen, was mir das Atmen unheimlich erschwerte. Langsames Ein- und Ausatmen? Fehlanzeige! Immer wieder wurde gesagt, dass ich nicht pressen darf, aber schafft das mal mit extremen Presswehen!

Erst nach der Geburt erfuhr ich, dass ich einen sogenannten Wehensturm durchgemacht habe und ich mir das alles nicht eingebildet habe. Durch den enormen pausenlosen Schmerz war ich wie in einer eigenen Welt, viele Mamas kennen das bestimmt. Doch aus dieser wurde ich schlagartig rausgerissen und plötzlich musste alles ganz schnell gehen. Von meinem Mann habe ich im Nachhinein erfahren, dass es auf einmal bei uns im Zimmer anfing zu piepen und rot zu blinken.

Ich kann mich nur wage daran erinnern, wie eine Hebamme ins Zimmer stürmte und rief ‚Sofort Notkaiserschnitt‘.

Die Dringlichkeit war ihr an der Stimme anzuhören. Ich wurde also von der Hebamme und einer Schwester vom Bett gehoben und aus dem Zimmer gebracht. Mein Mann musste sitzen bleiben. Er sagte mir später, dass er einfach nur dasaß, während mir das Blut die Beine runterlief und der Herzschlag unseres Sohnes nicht mehr gefunden wurde. So saß er plötzlich alleine im Kreißsaal und sah wie mehrere Ärzte eilig vorbeiliefen, in die selbe Richtung, in die sie mich brachten. Er war seiner Angst, was nun mit uns passiert, hilflos ausgesetzt.

Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich sagte ‚Ich kann nicht so schnell laufen‘ und das, obwohl ich mir solche Mühe gab. Die zwei Frauen, welche mich stützten, haben mich noch ein Stück höher gehoben und trugen mich fast komplett, so wie in Filmen, wenn sie den Verwundeten stützen und hinter sich herziehen, so könnt ihr euch das vorstellen. An die OP-Türen und den kleinen grünen OP-Tisch kann ich mich auch noch erinnern, jedoch nur ganz entfernt und als wäre ich als Außenstehende dabei gewesen.

Mein letzter Gedanke vor der Vollnarkose war voller Panik, weil ich die kalte Flüssigkeit auf meinem Bauch noch spürte.

Ängstlich sagte ich dem Arzt über meinem Gesicht ‚Ich merke das noch!‘ Woraufhin er entgegnete ‚Gleich nicht mehr‘ und zack war ich weg – ehe ich wirklich realisiert habe, was gerade mit mir, mit uns, passiert.

Als ich langsam wieder zu mir kam, war meine erste Frage ‚Wie geht es meinem Baby?‘Jedenfalls glaube ich das, vielleicht habe ich aber auch gefragt ‚Wo ist mein Baby?‘ Die Antwort weiß ich nicht mehr genau, nur, dass ich ihr entnahm, dass mein Mann bei unserem Kind war. Ich wurde in ein abgedunkeltes Zimmer geschoben und dort saß mein Mann mit unserem Sohn im Arm. Als er mich glücklich anlächelte, wusste ich: Jetzt wird alles gut und wir haben es geschafft!

Ich musste mich zwar noch von der Vollnarkose erholen und bin immer wieder weggesackt, aber unserem Baby ging es gut.

Bis heute, acht Monate nach der Geburt, habe ich seelisch noch nicht alles verarbeitet. Ich hoffe, dass es mir vielleicht hilft, wenn ich meine Geschichte hier erzählen darf und mir immer wieder klar mache, dass alles gut gegangen ist und ich zwei wunderbare Kinder und einen tollen Ehemann daheim habe.

Danke an meine Tochter und an meinen Mann, dass ihr mich seelisch und körperlich so sehr unterstützt habt, um es mir möglichst einfach zu machen. Meinem Mann danke ich besonders dafür, dass ich immer wieder darüber reden darf und die selben Fragen hundertmal fragen darf. Danke auch an unsere restliche Familie und unsere Freunde, für eure Hilfe in dieser Zeit, für die Einkäufe, für die Hilfe beim Umzug, für alles.
Danke!”


Vielen Dank, liebe Isabell, dass Du Deine Geschichte mit uns geteilt hast. Wir wünschen Dir und Deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

WIR FREUEN UNS AUF DEINE GESCHICHTE!
Hast Du etwas Ähnliches erlebt oder eine ganz andere Geschichte, die Du mit uns und vielen anderen Mamas teilen magst? Dann melde Dich gern! Ganz egal, ob Kinderwunsch, Schwangerschaft oder Mamaleben, besonders schön, ergreifend, traurig, spannend oder ermutigend – ich freue mich auf Deine Nachricht an lena@echtemamas.de

Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und bin dort immer gerne im Grünen unterwegs.

Auch wenn ich selbst noch keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Seit ich denken kann, liebe ich es, zu schreiben – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit dem schönsten Thema der Welt auseinandersetzen. Das passt einfach!

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