Geburtstrauma: Ich kann nicht an meine Geburt denken, ohne zu weinen

Liebe werdende Mami, die du gerade ein Baby unter dem Herzen trägst: Dieser Text soll dir keine Angst machen. Ich schreibe hier nur meine ganz persönliche Geburtsgeschichte auf. Ich bin mir sicher, dass es auch anders laufen kann – ohne Geburtstrauma.

Es kann eine tolle Erfahrung sein, ein Kind zur Welt zu bringen, davon bin ich überzeugt. Schmerzhaft, sicherlich. Doch eben auch kraftvoll und überwältigend (im positiven Sinne). Ein Erlebnis, das einen stärkt und stolz macht. Meine eigene Mama hat vier Kinder per Hausgeburt geboren und das immer als etwas Wunderbares geschildert.

Ich war perfekt vorbereitet – doch mein Kleiner wollte nicht kommen

Dementsprechend sah ich der Geburt meines ersten Sohnes relativ entspannt entgegen. Ich bereitete mich so gut darauf vor, wie es ging. Besuchte mit meinem Mann einen Geburtsvorbereitungskurs. Las Bücher zum Thema „natürliche Geburt“. Beschäftigte mich mit „Hypnobirthing“. Hing Zettel mit Affirmationen (empowernde Sprüche wie „Jede Wehe bringt mich näher zu meinem Kind“) in der Wohnung auf. Machte Yoga für den Beckenboden.

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Meine Krankenhaustasche stand gepackt im Flur. Eine Playlist mit Entspannungssongs für den großen Moment war erstellt. Und dann – wollte mein Sohn einfach nicht kommen. Ich probierte sämtliche Tricks aus. Ließ mich von meiner Hebamme mit Akupunkturnadeln pieksen. Stieg Treppen hoch und runter. Aß so scharf, dass ich Ausschlag bekam. Nichts bewegte sich.

Die Ärzte rieten mir zur Einleitung

Zehn Tage nach dem errechneten Geburtstermin (ET) überwies mich mein Gynäkologe ins Krankenhaus. Dort empfahl man mir eine Einleitung mit dem Wehenmittel Misoprostol (Cytotec): „Es besteht die Gefahr, dass die Plazenta nicht mehr richtig arbeitet. Ihr Baby wird dann nicht mehr gut versorgt“. Mein Baby gefährden? Das wollte ich auf keinen Fall. Schweren Herzens stimmte ich der Einleitung zu.

Einleitungen sind umstritten. Zum einen ist der errechnete ET nur ein ungefährer Fixpunkt. Der genaue Zeugungszeitpunkt lässt sich oft gar nicht bestimmen. Außerdem braucht das eine Baby länger im Bauch, das andere kürzer. Zum anderen konnte bisher nicht nachgewiesen werden, dass ein Überschreiten des ET wirklich Ursache für Totgeburten ist.  Obwohl immer mehr Geburten eingeleitet werden, ist die Zahl der Totgeburten nicht gesunken. Einleitungen haben sogar teilweise negative Effekte. Frauen berichten oft von unerträglichen, plötzlichen Wehen.

Der Muttermund hatte sich nach zwei Stunden kaum geöffnet

Tatsächlich kamen die Wehen auch bei mir von einer auf die andere Sekunde, und das gleich in zwei Minuten-Abständen. Bei der natürlichen Geburt steigern sie sich über eine gewisse Zeit. So kann der Körper sich daran gewöhnen. Ich dagegen fühlte mich völlig überrumpelt. Mit Hilfe von Hypnobirthing-Tricks schaffte ich es dennoch zwei Stunden lang, die Wehen in der Wanne gut zu veratmen. Ich war erschöpft, aber stolz auf mich.

Dann die Schock-Nachricht: Am Muttermund hatte sich kaum etwas getan. Wie sollte ich das noch viele weitere Stunden durchstehen? Ich konnte nicht mehr, war demotiviert und zitterte am ganzen Körper. Als die Hebamme mir empfahl, eine PDA zu setzen, konnte ich nur noch erleichtert nicken. Obwohl ich mir vorher vorgenommen hatte, auf die PDA zu verzichten.

Frau in den Wehen

Die Wehen kamen schlagartig und waren sofort sehr heftig. Symbolfoto Foto: Bigstock

Ich fühlte mich wie im falschen Film

An alles, was dann folgte, erinnere ich mich wie an einen Alptraum. Grelles Neonlicht. OP-Atmosphäre. Ein Stich in den Rücken. Um mich herum Weißkittel und mein Mann, der mich hilflos anschaut. Danach wurden die Schmerzen erträglich, vom Nabel abwärts spürte ich nichts mehr. Ich wusste: Die natürliche Wassergeburt, von der ich geträumt hatte, war in dem Moment Geschichte. Durch die PDA waren meine Beine lahmgelegt, Ein- und Aussteigen aus der Wanne war somit unmöglich.

Das Schlimmste aber war: Ich konnte nicht mehr stehen und dadurch bei den Wehen nicht mehr aktiv mitarbeiten. Dabei wusste ich, dass jede Gebärposition besser ist als Liegen. Ich fühlte mich machtlos und ausgeliefert. Nach ein paar Stunden gingen die Wehen zurück. Die Hebamme stach die Fruchtblase auf und hing mich an den Wehentropf, um die Geburt wieder in Gang zu bringen.

Das Baby steckte fest, ein Kaiserschnitt drohte

Stunden vergingen. Der Kleine wollte einfach nicht kommen. Die Hebamme war ruppig. „Du musst dich jetzt anstrengen, sonst endet das hier in einem Kaiserschnitt“, raunzte sie mich an. Ich hatte mir vorgestellt, meinen Sohn in geborgener, liebevoller Atmosphäre auf die Welt zu bringen. Stattdessen herrschte ein Ton wie in der Kaserne. „Pressen, pressen, pressen“, schrie sie. Leider kommt psychische Gewalt im Kreißsaal immer wieder vor.

Dann war mein kleiner Milo endlich da. Ich war überwältigt vor Freude und Glück. Gleichzeitig spürte ich Trauer, dass meine Geburt so anders verlaufen war als erhofft.  Es stellte sich heraus: Durch eine Vorerkrankung meiner Gebärmutter hatte sich die Plazenta ungünstig angesiedelt und versperrte ihm den Weg nach draußen. Außerdem hatte sich die Nabelschnur um seinen Hals gewickelt. Dass ich ein Geburtstrauma haben könnte, daran dachte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht…

Geburtstrauma: So geht es mir heute damit

In den Wochen danach wurde ich öfters auf die Geburt angesprochen. Ich spürte jedes Mal, wie mir die Tränen in die Augen stiegen, gab nur einsilbige Antworten und lenkte ab. Ich hatte und habe ein Geburtstrauma.  Ständig fragte ich mich, ob ich etwas anders hätte machen können. Ob ich mit der Einleitung hätte warten sollen oder die Wehen doch noch etwas länger ausgehalten hätte. Immerhin öffnet sich der Muttermund nicht wie im Lehrbuch, vielleicht wäre es ja plötzlich doch ganz schnell gegangen.

Inzwischen ist die Geburt schon eine Weile her und ich denke nicht mehr allzu häufig daran. Die Erinnerung daran ist zu schrecklich. Doch mir ist klar, dass es nicht gesund ist, schlechte Geschehnisse einfach zu verdrängen. Daher habe ich mir vorgenommen, mein Geburtstrauma irgendwann in einer Traumatherapie aufzuarbeiten.

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