Sternengucker Baby: Ist eine natürliche Geburt möglich?

Normalerweise drehen Babys sich zum Ende der Schwangerschaft im Bauch der Mutter automatisch in die bestmögliche Lage für die Geburt. Allerdings klappt das nicht immer: Etwa 0,5 bis 1 Prozent aller Kinder sind sogenannte Sternengucker. Was genau das bedeutet, und ob auch mit einem Sternengucker Baby eine natürliche Geburt möglich ist, erklären wir dir hier.

1. Was ist ein Sternengucker Baby?

Als ich bei der Geburt meiner Tochter im Kreißsaal war, sagte die Hebamme, im Moment sähe es noch etwas nach einem Sternengucker Baby aus – deshalb durfte ich noch nicht pressen. Mir war ehrlich gesagt nicht ganz klar, was das bedeutet. Zwar hatte ich den Begriff schon gehört und wusste, dass meine Kleine dann wohl mit dem Gesicht nach oben liegt, aber das war es auch schon.

Die meisten Babys kommen in der „vorderen Hinterhauptslage“ zur Welt. Das bedeutet, der Kopf des Babys liegt in deinem Becken, sein Gesicht zeigt zu deinem Rücken und sein Rücken zu deinem Bauch. Diese Lage ist für die Geburt am günstigsten. Dein Baby legt seinen Kopf während der Geburt automatisch in den Nacken und kommt mit seinem Hinterkopf zuerst und dem Gesicht nach unten zur Welt. Dadurch hat der Kopf den kleinstmöglichen Durchmesser und passt am besten durch den Geburtskanal.

Ein Sternengucker Baby kommt bei einer natürlichen Geburt mit dem Gesicht nach oben zur Welt. Es liegt zwar auch mit dem Kopf nach unten in deinem Becken, schaut aber mit seinem Gesicht zu deinem Bauch und mit seinem Rücken zu deinem Rücken. Deshalb wird diese Lage auch als „hintere Hinterhauptslage“ bezeichnet. Während der Geburt legt dein Kind seinen Kopf auf die Brust statt in den Nacken, was den Durchmesser seines Köpfchens größer macht. Dazu kommt, dass für ein Sternengucker Baby der Weg durch das Becken schwieriger ist.

2. Warum heißt es Sternengucker Baby?

Wenn ein Baby in hinterer Hinterhauptslage zur Welt kommt, wird es mit dem Gesicht nach oben geboren. Es schaut also zur Decke oder im weitesten Sinne in Richtung Himmel – zu den Sternen. Eigentlich eine schöne Vorstellung, oder? Trotzdem kann ein Sternengucker Baby eine natürliche Geburt schwieriger machen.

3. Sternengucker Baby: Ist eine natürliche Geburt möglich?

Grundsätzlich: Ja! Auch bei einem Sternengucker Baby spricht theoretisch erst einmal nichts gegen eine natürliche Geburt. Trotzdem wird Schwangeren häufig zu einem Kaiserschnitt geraten, wenn ihr Baby in hinterer Hinterhauptslage liegt. Das liegt daran, dass die Geburt durch die Lage des Kindes etwas schwieriger sein kann als bei einem Kind in vorderer Hinterhauptslage. Dadurch ist das Risiko größer, dass das Kind letztendlich per Saugglocke, Geburtszange oder Notkaiserschnitt geholt werden muss.

Aber ganz wichtig: Das kann zwar passieren, muss aber nicht! Zwar kann sich dein Baby durch seine Kopfhaltung schwieriger durch den Geburtskanal schieben, und zusätzlich ist der Durchmesser des Köpfchens größer. Trotzdem ist in vielen Fällen auch mit einem Sternengucker Baby eine natürliche Geburt möglich.

Bitte zum Beispiel deine Hebamme, dich besonders zu unterstützen und eine Position zu finden, die dir die Geburt erleichtert. Bei einer Geburt im Liegen auf dem Bett hat es dein Baby zum Beispiel noch schwerer, sich durch dein Becken zu schieben, als wenn du stehst oder hockst.

4. Ist bei einem Sternengucker Baby eine natürliche Geburt schmerzhafter?

Diese Frage lässt sich nicht so einfach beantworten, weil es bei jeder Frau verschieden ist. Im Normalfall geht eine Geburt schneller und ist weniger schmerzhaft, wenn das Baby in der normalen Ausgangsposition liegt und der Durchmesser seines Köpfchens möglichst klein ist.

Dieser Umfang ist bei einem Sternengucker Baby größer, weil es seinen Kopf nicht so stark beugen kann. Das kann dazu führen, dass die Geburt länger dauert und auch schmerzhafter ist – muss aber nicht. Wenn der Kopf deines Babys geboren ist, gibt es in Bezug auf die Schmerzen nahezu keinen Unterschied mehr zu einer „normalen“ Geburt.

Schwangere mit Rueckenschmerzen, die bei einem Sternengucker Baby oft vorkommen

Bei der natürlichen Geburt eines Sternengucker Babys leiden viele Schwangere an starken Rückenschmerzen.
Foto: Bigstock

5. Sternengucker Baby: Welche Risiken hat eine natürliche Geburt?

Auch wenn mit einem Sternengucker Baby eine natürliche Geburt grundsätzlich möglich ist, gibt es doch einige Dinge, die du wissen solltest. Denn die besondere Lage deines Kindes kann den Geburtsverlauf beeinflussen:

Starke Rückenschmerzen

Der Kopf eines Sternengucker Babys liegt sehr dicht an der Wirbelsäule der Mutter. Dadurch kann es während der Geburt zu sehr starken Rückenschmerzen kommen.
Ein Tipp: Der Vierfüßlerstand kann helfen, den Druck von deiner Wirbelsäule zu nehmen und die Schmerzen zu lindern.

Unregelmäßige Wehen

Durch die hintere Hinterhauptslage deines Babys kann es sein, dass die Wehen eher unregelmäßig bleiben oder nicht stark genug sind, um dein Kind in der Austreibungsphase durch den Geburtskanal zu schieben. In diesem Fall wirst du vermutlich ein Medikament bekommen, das die Wehentätigkeit fördert.

Früher Drang zu pressen

Dadurch, dass der Hinterkopf eines Sternengucker Babys mehr auf den Darm drückt, setzt bei vielen Schwangeren der Pressdrang deutlich früher ein. Wenn der Muttermund zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig geöffnet ist, darfst du trotzdem nicht pressen, da es sonst zu Rissen und Blutungen kommen kann. Du kannst versuchen, die Presswehen zu veratmen, und am besten fragst du deine Hebamme nach weiteren Tipps.

Austreibungsphase dauert länger

Die hintere Hinterhauptslage macht deinem Baby den Weg durch den Geburtskanal schwerer. Zum einen hat das Köpfchen durch seine Lage einen größeren Durchmesser als bei einer „normalen“ Geburt und kann schwieriger durch das Becken treten. Dazu kommt, dass – wie schon erwähnt – bei einem Sternengucker Baby die Wehen häufig unregelmäßig und zu schwach sind. Das hat zur Folge, dass die Austreibungsphase sich verlängert.

Geburtsstillstand

Im schlimmsten Fall kommt es nicht nur zu einer verlängerten Austreibungsphase, sondern zu einem kompletten Geburtsstillstand. Entweder, weil die Wehen einfach nicht ausreichen, um dein Baby weiter zu schieben, oder weil es aufgrund seiner Lage feststeckt. In diesem Fall entscheiden die Ärzte, was notwendig ist, um die Geburt schnell wieder voranzubringen.

Saugglocke, Zange oder Kaiserschnitt

Bei einem Geburtsstillstand muss meistens schnell gehandelt werden, um das Leben deines Kindes nicht zu gefährden. Bei einem Sternengucker Baby wird die natürliche Geburt deshalb häufiger als sonst durch den Einsatz von Saugglocke oder Geburtszange unterstützt.

Das bedeutet, die Ärztin legt eins der beiden Instrumente so um den Kopf des Kindes, dass sie bei der nächsten Wehe von außen mitziehen kann, während du presst. Sobald der Kopf deines Babys geboren wurde, werden Saugglocke oder Geburtszange entfernt: Leider können beide Methoden relativ schmerzhaft für die Schwangere sein.

In manchen Fällen ist bei einem Geburtsstillstand auch ein Kaiserschnitt notwendig, damit dein Baby gesund auf die Welt kommt.

Häufigere Dammrisse

Dadurch, dass ein Sternengucker Baby mit seinem Hinterkopf nach unten geboren wird, entsteht ein größerer Druck auf den Damm. Durch die höhere Belastung kommt es häufiger zu Damm- und Scheidenrissen als bei einer Geburt, bei der das Baby in vorderer Hinterhauptslage zur Welt kommt.

6. Kann ich mein Baby in hinterer Hinterhauptslage während der Geburt noch drehen?

Erst einmal die gute Nachricht: Bis zu 20 % aller Babys sind laut eines Lehrbuchs für Hebammen zu Beginn der Geburt noch Sternengucker. Wenn es dann richtig losgeht, sind es nur noch 5,5 %. Das heißt, sehr viele Kinder drehen sich während der Geburt noch von selbst in die richtige Position.

Wenn du versuchen möchtest, dein Sternengucker Baby bei der Drehung zu unterstützen, um die natürliche Geburt leichter zu machen, gibt es einige Dinge, die du ausprobieren kannst:

Bleib so lange wie möglich stehen

Dadurch gibst du deinem Baby die größtmögliche Bewegungsfreiheit und den nötigen Raum, den es braucht, um sich zu drehen. Andersherum gilt: Wenn es irgendwie geht – lege dich nicht hin. Wenn du auf dem Rücken liegst, wird dein Baby automatisch nach unten an deinen Rücken gedrückt. Das macht ihm die Drehung besonders schwer, wenn nicht sogar unmöglich.

Wenn eine Wehe kommt – beuge dich nach vorn

Durch diese Position wird dein Baby von deinem Rücken weg in deinen Bauch hinein bewegt. Und wenn es sich drehen möchte, hat es jetzt genug Platz dafür.

Teste den Vierfüßlerstand

Auch im so genannten Vierfüßlerstand, das heißt, du stützt dich auf Arme und Knie, steigen die Chancen, dass dein Sternengucker Baby sich noch in die richtige Geburtsposition dreht. Gleichzeitig wird in dieser Stellung dein Rücken entlastet, der bei Babys in dieser Lage häufig schmerzt.

Wechsle häufiger die Seite

Wenn du dich zwischendurch ausruhen möchtest, leg dich am besten auf die Seite, und zwar abwechselnd links und rechts. Das kann dein Sternengucker Baby dazu animieren, sich ebenfalls zu drehen.

Lasse dein Becken kreisen

Wenn es geht und du während der Geburt mobil genug bist, lasse so oft wie möglich dein Becken kreisen. Die Bewegungen können ebenfalls dazu beitragen, dass dein kleiner Sternengucker sich noch dreht.

Äußere Wendung

So lange deine Wehen noch nicht allzu stark sind, kann deine Hebamme oder ein anderer Geburtshelfer mit ausreichend Erfahrung (wichtig!) versuchen, dein Baby mit der Hand am Köpfchen zu drehen.

7. Kann ich vermeiden, dass mein Baby ein Sternengucker wird?

Ein Patentrezept, das dein Sternengucker Baby dazu bringt, sich für die natürliche Geburt zu drehen, gibt es leider nicht. Trotzdem kannst du während der Schwangerschaft einige Dinge versuchen, um es deinem Bauchzwerg leichter zu machen:

Möglichst viel stehen

Die meisten Zeit des Tages verbringen wir im Sitzen, und zwar nicht unbedingt aufrecht, wenn wir ehrlich sind. Dabei ist das Becken durch den krummen Rücken automatisch nach hinten geklappt. Deshalb solltest du versuchen, entweder möglichst aufrecht zu sitzen oder noch besser, viel zu stehen. Dein Becken ist dann aufgerichtet, und dein Baby hat mehr Platz, um in die richtige Position zu kommen.

Hüfte höher als Knie

Auch wenn du darauf achtest, aufrecht zu sitzen, ist es bei vielen (vor allem bequemen) Stühlen so, dass deine Knie auf gleicher Höhe oder sogar tiefer sind als deine Hüfte. Das engt dein Baby ein und drückt es in eine bestimmte Position. Um das zu vermeiden, kannst du zum Beispiel ein Keilkissen benutzen. Es sorgt dafür, dass dein Becken immer in einer höheren Position bleibt.

Kissen beim Autofahren

Wenn du im Auto unterwegs bist, gilt im Prinzip das gleiche wie für das Sitzen. Durch die Lage des Autositzes rutscht dein Becken nach hinten und unten. Deshalb solltest du auch beim Autofahren ein (Keil-)Kissen unter deinen Po legen.

15 Minuten Vierfüßlerstand

Vierfüßlerstand bedeutet, dass du dich auf dem Boden auf Knie und Hände stützt. In dieser Position wird der Hinterkopf deines Babys durch die Schwerkraft automatisch in Richtung deines Bauches gedrückt. 15 Minuten im Vierfüßlerstand täglich können dabei helfen, dein Sternengucker Baby zu drehen. Außerdem ist es eine gute Übung für die Geburt, denn auch da kann der Vierfüßlerstand sehr hilfreich sein.

Knee-Chest-Position

Auch die so genannte Knee-Chest-Position kann helfen. Das bedeutet, dass du deinen Oberkörper tiefer lagerst als dein Becken. Klingt nicht sehr bequem – ist es zugegeben auch nicht, aber ein paar Minuten pro Tage reichen aus.

Gymnastikball nutzen

Wenn du einen Gymnastikball zuhause hast, kann auch der dir helfen. Setze dich so darauf, dass du deinen Po und dein Becken nach hinten schiebst. Deinen Oberkörper beugst du gleichzeitig nach vorn. Dann lässt du langsam dein Becken kreisen.

Auf die richtige Seite legen

Wenn du weißt, auf welcher Seite der Rücken deines Babys ist, kannst du versuchen, dich auf diese Seite zu legen. Und zwar möglichst so weit, dass du fast auf dem Bauch liegst. Falls es nicht zu unbequem ist, kannst du in dieser Position auch schlafen.

Übrigens gibt es eine Legende, nach der ein Sternengucker Baby ein Glückskind ist – ganz egal, ob natürliche Geburt oder Kaiserschnitt. Und das ist dann doch eine schöne Aussicht, oder?

Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Ich liebe den Hafen, fotografiere gern, gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Social Media und Texte ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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Kommentare

  1. Das kenne ich. Meine Große wäre fast eine Sternguckerin gewesen. Meine Hebamme hatte mich zu dem Zeitpunkt mehrfach hin und her drehen lassen. Zum Glück, hatte meine Tochter sich noch richtig gedreht. Meine zweite Maus ist eine Sternguckerin. Die Geburt war viel Schmerzhafter. Gerade auch weil die Hebamme schrecklich war.

  2. Meine Tochter kam als Sterngucker ganz natürlich zur Welt. Nichts von dem was im Artikel steht traf auf mich zu. Für die Kleine war’s stressig, keine Frage. Aber sie kam ganz ohne Hilfsmittel etc. Die Geburt war schnell, null schmerzhaft (und ich bin echt wehleidig)… ich will euch damit nicht widersprechen, sondern vielmehr anderen Mut machen. Wie ihr schon schreibt: es kann, muss aber nicht so sein. Liebe Grüße, Anna

  3. Liebe Anna,

    vielen Dank für deinen Kommentar! Wir finden es toll, dass du anderen Mamas Mut in der Situation machst – und natürlich erst recht, dass deine Geburt so schön war! Ganz liebe Grüße, Laura

  4. Ich habe zwei Sternengucker-Töchter geboren, einmal in 4 und einmal in 3 Stunden ohne Geburtsverletzungen. Es muss nicht immer so kommen, wie in dem Artikel beschrieben. Ob die Geburt nun schmerzhafter war, kann ich nicht beurteilen, ich habe ja keinen Vergleich :-).

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