Kinderzuschlag für Familien: „Wir haben jetzt über 600 Euro mehr im Monat“

Besonders für kinderreiche Familien ist der Kinderzuschlag ein echter Segen! Jenny aus unserer Community hat eine große Familie: Sie ist Mama von fünf Kindern (10, 4, 3, 2 und 1 Jahr alt ), darunter ein Sohn mit Handicap. Vor drei Jahren hat sie ihren Job aufgegeben, um sich in Vollzeit um ihn zu kümmern. Da die Familie von einem Einkommen nicht leben konnte, hat sie den Kinderzuschlag für Familien mit knappem Einkommen beantragt. Seitdem stehen ihrem Mann und ihr 640 Euro monatlich mehr zur Verfügung.

Was das im Alltag ausmacht, was das Extra-Geld eigentlich ist und wie auch du und deine Familie den Kinderzuschlag (kurz KiZ) mit wenig (bürokratischem) Aufwand beantragen kannst, das erzählt sie hier:

Familie mit fünf Kindern: Wir hatten immer viel zu wenig Geld

„Mein dritter Sohn kam als Frühchen zur Welt. Während der Geburt kam es leider zu einer Hirnblutung. Er ist Autist mit noch ein paar anderen „Extras“. Da er besonders viel Liebe, Zuwendung und Pflege braucht, habe ich nach seiner Geburt vor drei Jahren meinen Job aufgegeben. Leider wurde das Geld bei uns dadurch sehr knapp. Wir hatten nur das Gehalt von meinem Mann, Elterngeld und Kindergeld zur Verfügung. 2.300 Euro – für eine fünfköpfige Familie!

Ich war verzweifelt: Wie sollen wir damit über die Runden kommen? Wie kann ich meinen Kindern ein gutes Leben ermöglichen? Wie soll ich ihre Hobbys bezahlen, wie beispielsweise Fußballspielen im Verein? Mit Tränen in den Augen schilderte ich einer Kundenbetreuerin bei der Familienkasse unsere Situation. Die Dame war wirklich sehr freundlich und konnte mir schnell Hoffnung machen: Sie riet mir dazu, für unsere Familie den Kinderzuschlag zu beantragen.

Kinderzuschlag?! Du hast auch noch nie davon gehört?

Vom Kinderzuschlag (kurz KiZ) für Familien hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie etwas gehört. Und ich bin offenbar nicht die Einzige, der es so geht. Nur wenige Familien beantragen den Obulus vom Staat, selbst wenn er ihnen eigentlich zusteht. Weil sie, wie ich, nicht wissen, dass es diese Förderung für Familien gibt. Oder weil sie annehmen, sowieso nicht berechtigt zu sein.

Beim Kinderzuschlag handelt sich um eine Leistung für Familien, bei denen die Eltern zwar ausreichend Geld für sich selbst verdienen, aber nicht genug, um die ganze Familie versorgen zu können. Bei rund einer Million von uns liegt das Einkommen nur minimal über der Arbeitslosengeld II-Grenze. Heißt: Zu viel für Sozialleistungen, zu wenig zum Leben mit Kindern.

Wie viel Geld bekommt eine Familie, wenn sie den Kinderzuschlag beantragt?

Der Bedarf bzw. die Höhe des Kinderzuschlags richtet sich nach dem Einkommen der jeweiligen Familie. Der Kinderzuschlag kann bis zu 185 Euro pro Monat und Kind betragen und wird zunächst für 6 Monate gezahlt – und zwar zusätzlich zum Kindergeld. Verdienst du mehr, als du für dich und deine Kinder benötigst, verringert sich der Kinderzuschlag. Darüber hinaus wird Kindeseinkommen zu einem Teil auf den Kinderzuschlag angerechnet. Das heißt, dass zum Beispiel bei Patchwork-Familien der Unterhaltsvorschuss oder der Kindesunterhalt vom leiblichen, aber getrennt lebenden Elternteil den Kinderzuschlag um 45 Prozent mindert. Ist der Bewilligungszeitraum von sechs Monaten abgelaufen, kannst du den Kinderzuschlag erneut beantragen.

Obendrauf kommen noch Leistungen für Bildung und Teilhabe, wie z. B. die kostenlose Teilnahme am Mittagessen in Kita und Schule oder Fahrkarten für Schülerinnen und Schüler. Und: Wer den Kinderzuschlag erhält, muss keine Kita-Gebühren zahlen! Gerade bei Familien mit vielen Kindern ist der Kinderzuschlag also eine große Erleichterung. Wie hoch genau Einkommen und Vermögen sein dürfen, damit du Anspruch auf den KiZ hast, lässt sich nicht pauschal sagen. Das hängt von unterschiedlichen Faktoren wie Wohnkosten, Anzahl der Kinder und Alter ab.

Ist es kompliziert, den KiZ zu beantragen?

Ich habe mir erst große Sorgen gemacht, dass ich die Formulare nicht verstehe oder Dinge unabsichtlich falsch angeben könnte. Aber der Antrag ist wirklich gut erklärt und recht simpel gehalten. Und: Du kannst dir auch Hilfe holen, wenn du dich damit überfordert fühlst. Ich habe den Antrag zum Beispiel zusammen mit einer Beraterin vom Deutschen Roten Kreuz ausgefüllt.

Die Unterlagen stehen online zur Verfügung, müssen allerdings (noch) ausgedruckt und per Post an die zuständige Familienkasse gesendet oder persönlich abgegeben werden (hier deine Kasse finden). Ich habe mir den Antrag von der Familienkasse zuschicken lassen, da wir keinen Drucker besitzen. Die gute Nachricht: Ab Ende Februar 2020 kann man den Antrag online stellen, so jedenfalls die Planung.

Das sind die Pflicht-Unterlagen, die von jeder Familie für den Kinderzuschlag-Antrag ausgefüllt und unterschrieben werden müssen:

Wir mussten unseren Wohngeldbescheid, den Mietvertrag, Kontoauszüge von allen Einkommen und Bescheide wie zum Beispiel über Elterngeld und Unterhalt sowie die letzten sechs Lohnabrechnungen von meinem Mann einreichen. Alles in allem ging das recht schnell. Diese Unterlagen hat man ja meistens gut sortiert. Wir haben sie zum Beispiel in einem Ordner abgeheftet, somit hatte ich sie schnell zur Hand.

Kinderzuschlag: Jeder Euro hilft unserer Familie

Bei der nächsten Kindergeldzahlung war der Kinderzuschlag schon mit drauf. Ich war so erleichtert und glücklich! Die Bearbeitung hat ungefähr drei Wochen gedauert. Seitdem haben wir monatlich 640 Euro mehr zur Verfügung. Das ist sehr viel Geld, das merkt man im Alltag natürlich enorm. Selbst wenn es nur 20 Euro monatlich mehr wären, wäre das schon eine große Hilfe.

Wir müssen nicht mehr jeden Cent zwei Mal umdrehen. Wir können unseren Kindern außerdem ihre Hobbys bezahlen. Ich bin so stolz: Meine Kinder tanzen, spielen Fußball im Verein und lernen Schlagzeug. Auch das dazu nötige Equipment und z.B. Sportoutfits können wir ihnen jetzt kaufen. Sie müssen wirklich auf nichts verzichten. All das wäre unserer Familie ohne den Kinderzuschlag nicht möglich. Viele andere Familien aus meinem Bekanntenkreis, denen ich davon erzählt habe, haben den Antrag jetzt auch gestellt.“

Sonnigere Aussichten für viele Familien dank Kinderzuschlag.

Sonnigere Aussichten für viele Familien dank Kinderzuschlag. Foto: Bigstock (Symbolbild)

Du willst den KiZ auch beantragen? Hier noch mal die wichtigsten Fakten im Überblick:

Um das Antrags-Prozedere zu erleichtern, gilt bereits seit 01.07.2019 das Starke-Familien-Gesetz: Der KiZ wurde auf 185 Euro pro Kind und Monat erhöht, der Aufwand bei der Beantragung verringert, ein einheitlicher Bewilligungszeitraum von sechs Monaten festgelegt und die monatlichen Überprüfungen wurden gestrichen. Und Alleinerziehenden trotz Unterhaltszahlungen oder -vorschuss wurde ein Anspruch auf den KiZ ermöglicht!

Doch das war noch nicht genug. Deshalb kamen zum Jahresbeginn 2020 weitere Änderungen hinzu, die auch Mamas mit mittlerem Einkommen unterstützen. Rund 1,2 Millionen Kinder sollen davon profitieren – wenn der Antrag gestellt wird!

Änderungen für 2020 – das sind deine Vorteile

  1. Bislang wurde das Einkommen der Eltern zu 50 Prozent angerechnet. Ab Januar 2020 sinkt dieser Satz auf 45 Prozent.
  2. Die obere Einkommensgrenze entfällt, wodurch auch Familien bis in mittlere Einkommensbereiche hinein noch einen geminderten Kinderzuschlag beziehen können.
  3. Familien aus dem SGB II-Bereich (Arbeitslosengeld II oder Hartz 4) erhalten einen erweiterten Zugang.

Die Verbesserungen bedeuten z. B. für dich: Wenn du aufgrund eines zu hohen Einkommens abgelehnt wurdest, lohnt es sich, deine Voraussetzungen nochmal überprüfen zu lassen.

KiZ Anspruch: Bedingungen & Voraussetzungen

Leider hat nicht jede Familie Anspruch auf das zusätzliche Geld. Du kannst aber schnell überprüfen, ob ihr prinzipiell ins Raster fallen würdet:

  • Das Kind bzw. eure Kinder müssen in eurem Haushalt leben und unter 25 Jahre alt sein.
  • Eure Kinder müssen unverheiratet sein und dürfen nicht in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft leben.
  • Ihr erhaltet Kindergeld.
  • Ihr bezieht kein Arbeitslosengeld II.
  • Euer Bruttoeinkommen beträgt mindestens 900 Euro für Elternpaare (bzw. 600 Euro für Alleinerziehende).
  • Unsicher? Ob du und deine Familie die Voraussetzungen für den Kinderzuschlag erfüllt, kannst du kostenlos online mit dem KiZ-Lotsen prüfen.

Kinderzuschlag – wie lange dauert die Bearbeitung und wie lange wird gezahlt?

Sobald du deine Unterlagen eingeschickt hast, wird dein Anspruch geprüft. Das kann etwas dauern. Normalerweise solltest du innerhalb von sechs Wochen eine Antwort per Post bekommen. Ist dies nicht der Fall, frag ruhig telefonisch nach: 0800 4 5555 30 (gebührenfrei).

Und keine Sorge: Wenn es mal länger dauert, ändert sich dein Bewilligungszeitraum nicht. Der Kinderzuschlag wird dir für die Monate ab dem Zeitpunkt der Beantragung nachgezahlt. Insgesamt erhält deine Familie den Kinderzuschlag für sechs Monate. Im Anschluss kannst du den Kinderzuschlag erneut beantragen.

Mindesteinkommen und Höchstgrenze – wie hoch darf das Einkommen einer Familie sein, um Kinderzuschlag zu erhalten?

Das Mindesteinkommen für Paare beträgt 900 Euro. Wohngeld, Kindergeld und Kinderzuschlag werden dabei nicht berücksichtigt. Elterngeld jedoch schon.

Bis jetzt gab es eine Höchsteinkommensgrenze, die individuell berechnet wurde. Diese Höchsteinkommensgrenze entfällt seit dem 1. Januar 2020. Seither können also auch Familien mit etwas höheren Einkommen einen reduzierten Kinderzuschlag beziehen.

Muss man den KiZ zurückzahlen?

Sobald sich eure persönlichen Verhältnisse ändern, müsst ihr dies umgehend der Familienkasse mitteilen – sofern diese Auswirkungen auf den Bezug des Kinderzuschlags haben könnten. Dies kann der Fall sein, wenn euer Kind bzw eure Kinder ausziehen. Oder etwa, wenn du oder dein Mann durch einen Jobwechsel deutlich mehr verdient als bislang.

Wenn du unsicher bist, wende dich lieber einmal mehr als zu wenig an das Amt. Es besteht nämlich eine so genannte gesetzliche Mitwirkungspflicht. Das bedeutet, dass jede Familie über relevante Veränderung zeitnah informieren muss. Hat die Familie zu viel Geld bekommen, kann es sein, dass sie etwas zurückzahlen muss. Hier erfährst du mehr über Veränderungsmitteilungen und wie du diese einreichen kannst.

Bekommen Familien den Kinderzuschlag rückwirkend?

Jein. Den Kinderzuschlag bekommst du ab Antragsstellung. Wenn die Bearbeitung länger dauert, wird der Zuschlag für die Monate seit Einreichen der Unterlagen nachgezahlt. Für die Zeit davor gibt es jedoch nichts. Früh kümmern lohnt sich also, um das Geld im Portemonnaie aufzustocken.

Was wird angerechnet? Elterngeld, Kindergeld, Wohngeld & Co.

Beim Antrag muss eine Familie alle Einnahmen angeben – und die meisten davon werden leider auch angerechnet. Gib also all deine Einkünfte an, die dir innerhalb der sechs Monate zufließen.

Diese Einnahmen beeinflussen den Betrag, den du erhalten könntest:

  • Einnahmen aus selbständiger und nicht selbständiger Tätigkeit
  • Einnahme aus (Kapital-) Vermögen
  • Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung
  • Unterhalt
  • Arbeitslosengeld
  • Krankengeld
  • Sozialversicherungsrenten
  • Elterngeld (es gelten jedoch die Freibeträge)

Doch zum Glück gibt es auch einige Ausnahmen: Kindergeld wird nicht angerechnet, das erhält die Familie zusätzlich zum Kinderzuschlag. Auch Wohngeld zählt nicht zum Einkommen.

Und was ist mit Selbstständigen?

Wie so oft ist die ganze Sache beim Thema Selbstständigkeit komplizierter. Generell haben auch Familien, in den Vater oder Mutter (oder beide) selbstständig sind, Anspruch auf Kinderzuschlag. Dieser kann aber nicht einfach über den KiZ-Lotsen geprüft oder berechnet werden. Wende dich also am besten direkt an die zuständige Familienkasse und vereinbare einen Beratungstermin, um zu prüfen, ob der Kinderzuschlag auch für deine Familie in Frage kommt.

Hoffentlich erfahren jetzt noch viel mehr Familien vom Kinderzuschlag und trauen sich, den Antrag zu stellen. Für die Zukunft unserer Kinder!

Corinna Siemokat

Mama und Journalistin aus Leidenschaft. Ich freue mich sehr, bei Echte Mamas Beruf und Berufung miteinander verbinden zu können. Gerade bin ich mit meinem Mann und unserem Sohn (2 Jahre) von Hamburg nach Berlin gezogen.

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