„Keine Minute Ruhe!“ Vater soll sein Kind nach Feierabend betreuen

Das Leben im Spagat zwischen Beruf und Familie ist nicht immer einfach, das wissen besonders die Mamas. Denn in der Regel sind sie es immer noch sie, die neben der Arbeit den Großteil der Kinderbetreuung übernehmen. Deswegen können wohl viele Frauen ein Lied davon singen, wie viel Kraft so ein Alltag mit Kindern manchmal erfordert.

Eine Studie hat kürzlich sogar gezeigt, dass die Durchschnitts-Mama um 6.32 Uhr aufsteht und dann bis 20.30 Uhr Vollgas gibt. Dass dabei Hobbies und andere persönliche Freiheiten für Eltern oftmals auf der Strecke bleiben, ist klar…  Für einen Vater kam diese Info offenbar überraschend, er beschwerte sich anonym bei Facebook, dass er nach der Arbeit keine Zeit „für sich“ hätte, weil er sich um sein Kind kümmern muss.

Vater bittet Facebook-Community um Rat

Während sich viele Väter heute selbstverständlich bei der Kinderbetreuung einbringen, ist dieses Umdenken offenbar noch nicht überall angekommen. So wie wie bei diesem Vater, der unter dem Pseudonym #dadjan die Facebook-Community von „Dad’s Life“ um Hilfe bat.

#dadJAN hat folgendes Problem:
„Hallo zusammen, ich gehe Vollzeit arbeiten von morgens um 6 bis 16 Uhr. Da unser Sohn…

Gepostet von Dad’s Life am Sonntag, 14. April 2019

Wie in dem Post nachzulesen, schildert er zunächst seine Situation: Er gehe Vollzeit arbeiten, der Kindergarten seines Sohnes koste 300 Euro. Nun wolle seine Frau auch arbeiten gehen, um diese Kosten zu finanzieren. Soweit so gut, doch nun kommt das Problem des Vaters: Er soll seinen Sohn deswegen zwei- bis dreimal die Woche direkt nach der Arbeit vom Kindergarten abholen „und ihn dann…“ ACHTUNG: „…auch unterhalten, essen machen etc. und ins Bett bringen“, da der Job seiner Frau bis 20 Uhr ginge.

Okay…

Klingt eigentlich nach einem ziemlich normalen Elterntag, oder? Das scheint dem überforderten Vater allerdings nicht bewusst zu sein: „Mein Problem bei dem Ganzen ist, dass es mir ehrlich gesagt einfach zu viel ist, da ich nach der Arbeit ziemlich kaputt bin und so gesehen keine Minute Ruhe habe! Außerdem will ich auch wieder ein paar Hobbys nachgehen!“ Ihm wäre es daher am liebsten, dass seine Frau sich einen anderen Job sucht, damit er sein Kind nach der Arbeit nicht betreuen muss.

Ääähm ja, bei diesen Ausführungen kann man eigentlich nur den Kopf schütteln. Schon klar, es ist nicht immer leicht, nach der Arbeit auch noch den Kindern gerecht zu werden, aber sollten sich nicht genau deswegen Partner unterstützen und Hand in Hand arbeiten? Hier wirkt es so, als fände der Vater es völlig legitim, die ganze Aufgaben seiner Frau zu überlassen. Er kommt offenbar nicht darauf, dass diese vielleicht auch gerne mal „Zeit für sich“ genießen würde.

Wann dem Vater wohl  dämmert, dass er ein Kind in die Welt gesetzt hat und er jetzt entsprechend Verantwortung übernehmen muss? Kinder sind auf ihre Eltern angewiesen und das kann auch bedeuten, dass Mama und Papa ihre eigenen Bedürfnisse ab und mal zurückstellen müssen. Dem ratsuchenden Mann scheint das offenbar nicht klar zu sein, er setzt noch die Frage hinterher: „Stelle ich mich an oder kann mich hier jemand verstehen, dass es mir einfach zu viel ist nach der Arbeit?“ Nun ja, es braucht nicht viel Fantasie, um die Antworten zu erahnen, die der jammernde Vater kassiert.

Andere Väter haben kein Verständnis für die Beschwerde

Besonders viele Likes bekommt der Kommentar eines anderen Vaters, der schreibt: „Mit dem kleinen Kind muss man halt Abstriche machen. Mein Kleiner ist jetzt fast zwei Jahre und ich arbeite drei Schichten und ich bringe ihn nach der Nachtschicht sogar in den Kindergarten, obwohl ich müde bin und hole ihn auch wieder. Ist halt so, es werden auch andere Zeiten kommen, wenn das Kind älter ist. Was du da schreibst, klingt für mich echt egoistisch und ist deiner Frau gegenüber nicht fair.

So sehen das auch viele andere Mamas und Papas: Die nettesten Reaktionen fallen noch einigermaßen belustigt über die offenkundige Naivität des Vaters aus. Andere Eltern sind wirklich aufgebracht und finden ganz schön drastische Worte. Viele finden es einfach unverschämt, dass der Vater offenbar davon ausgeht, dass es völlig legitim ist, seiner Frau alles aufs Auge zu drücken. Schließlich haben sich beide gemeinsam für die Kinder entschieden.

Gleichberechtigte Kinderbetreuung immer noch nicht selbstverständlich?

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen, oder? Schade, dass es offenbar immer noch nicht in allen Köpfen angekommen ist, dass Frausein nicht bedeutet, dass wir automatisch die alleinige Verantwortung für gemeinsame Kinder haben. Glücklicherweise haben Frauen heute die Wahl, ob sie Mama werden oder nicht und ob sie dann in Teilzeit arbeiten oder doch den Vollzeit-Job behalten möchten. Aber dafür braucht es auch Männer, die sich ebenfalls für ihre Kinder verantwortlich fühlen.

Lena Krause

Als Wahlhamburgerin könnte ich mir keine schönere Stadt vorstellen, um dort zu leben. Gemeinsam mit meinem kleinen Hund Lasse bin ich gerne im Grünen unterwegs und erkunde die vielen tollen Ecken Hamburgs. Das Schreiben hat mir schon immer Spaß gemacht und deswegen war für mich schnell klar, dass ich diese Leidenschaft zum Beruf machen möchte.

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