Viele Frauen haben nach der Geburt keine Lust auf Sex
Viele Eltern kennen das Gefühl, dass sie sich einfach nicht richtig aufraffen können und dann lieber nur von Sex träumen, anstatt wirklich welchen zu haben. Andere Paare gehen das Ganze ambitionierter an und haben „Sex nach Plan”. Es ist ja eigentlich auch ganz egal, wie euer Liebesleben aussieht – solange alle daran beteiligten Parteien gut damit leben können.
Das Sexleben vieler Paare erlebt nach der Geburt des Kindes eine Veränderung. Einige Frauen haben dann erst einmal keine Lust auf Sex. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Die Hormone, Schlafentzug, der neue Alltag als Mama, körperliche Veränderungen, an die man sich selbst erstmal gewöhnen muss. Alles eigentlich ganz normal und kein Grund, sich zu stressen, wären da nicht die bescheuerten „Tipps”, die Mütter bezüglich ihres Liebeslebens offenbar immer noch bekommen.
„Was ist, wenn Frauen diese Ratschläge befolgen und sich danach schlecht fühlen?”
Genau das kritisiert Sarah. Sie hat häufig erlebt, dass Mamas, die offen darüber sprechen, aktuell keine Lust auf Sex zu haben, völlig unpassende Ratschläge bekommen: „Mach es trotzdem” und „wenn ihr erstmal dabei seid, wirst du schon in Stimmung kommen”, sind zwei Klassiker aus der Hölle. Sie stellt die Frage: „Was ist, wenn Frauen nicht in Stimmung kommen? Wenn Frauen diese Ratschläge befolgen und sich danach schlecht fühlen?”
Sie sieht darin das Überbleibsel der veralteten Vorstellung, dass ein Ehemann so etwas wie ein Recht auf Sex mit seiner Frau hätte. Besonders deutlich wird das dort, wo die Menschen sich gerne von ihrer schlechtesten Seite zeigen: In den Kommentarspalten im Internet. Da steht dann unter Beiträgen, in denen Frauen darüber schreiben, dass ihr Mann sie betrogen hat, gerne mal „Wahrscheinlich hat sie ihn nicht mehr rangelassen, dann ist doch klar, dass er sich Sex woanders holt.”
Drehen wir das Ganze doch einmal um.
Eine Frau, die ihren Mann betrügt, erhält im Netz keine der „verständnisvollen” Kommentare. Dafür aber jede Menge heftige Beschimpfungen und Vorwürfe. Das nennt man Doppelmoral.
Sarah hat dazu eine starke Meinung: „Ich bin mir nicht sicher, woher wir diese Idee haben, dass einem Ehemann die Vagina seiner Frau gehört. Oder dass er Anspruch auf Geschlechtsverkehr, Oralsex, Streicheln oder Kuscheln hat. (…) Aber ich habe eine Ahnung, dass dieser vermeintliche Anspruch sehr stark auf Frauenfeindlichkeit und männlichen Privilegien beruht.”
Sie hält die oben genannten Ratschläge für gefährlich.
Denn Frauen zu suggerieren, dass sie „es” ungeachtet ihrer eigenen Wünsche „trotzdem tun” sollen, sei letztendlich Nötigung. Ein Partner der weiß, dass seine Frau eigentlich keine Lust hat und trotzdem Sex erzwingt (zum Beispiel mit emotionaler Erpressung) begehe eine Vergewaltigung.
Menschen, die Frauen einen solchen Rat geben, seien der Beweis, dass es in unserer Gesellschaft immer noch primär um die Bedürfnisse des Mannes gehe. Was bei diesen „Ratschlägen” mitschwingt ist: Wie du dich dabei fühlst ist egal, Hauptsache du befriedigst seine Lust.
Natürlich ist es legitim, sich mehr Sex zu wünschen und ein offenes Gespräch mit dem Partner oder der Partnerin darüber zu führen. Ohne Frage ist Nähe und Intimität für viele Menschen wichtig.
Aber genauso legitim ist es, keine Lust darauf zu haben – aus welchen Gründen auch immer.
Und Sarah stellt noch eine unbequeme Frage: „Wenn doch eigentlich alle wissen, dass der Sexualtrieb vielen biologischen und äußeren Faktoren unterworfen ist, die Frauen nicht selbst beeinflussen können, warum sind manche Männer dann so verständnislos? Warum reagiert die Gesellschaft mit so wenig Verständnis?”
Sie zieht deswegen das Fazit:
„Anstatt verheirateten Müttern zu sagen, dass sie es trotzdem tun sollten, auch wenn sie nicht in der Stimmung sind, sollten wir Männer ermutigen, etwas zu tun, was zur Erregung einer Frau beitragen würde.” Zum Beispiel ihr mehr von der Care-Arbeit abnehmen, die vermutlich zum Großteil auf ihren Schultern lastet.
„Niemand, ich wiederhole, niemand sollte denken, dass es für eine Frau in Ordnung ist, Sex gegen ihren Willen zu haben. Auch nicht mit einem Ehepartner.”
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Ich denke wir reden hier über ein zweischneidiges Schwert. Ich habe nach der Geburt meiner Kinder gar keine Nähe mehr von meiner (inzwischen Ex-) Partnerin bekommen. Geschlafen wurde mit Abstand, Nähe gab es nicht mehr. Gar nicht. Ich rede hier nicht von Sex. Den hab es natürlich auch nicht. Alle Menschen haben aber gewisse Bedürfnisse, sexuell wie nicht sexuell. Und wenn diese Bedürfnisse bei einem oder vielleicht sogar beiden Partnern nicht mehr bedient werden, führt das zu dem Gefühl unglücklich zu sein. Jetzt wurde oben Carearbeit genannt. Zu mir: wenn nachts etwas mit den Kindern war, bin zuerst immer ich aufgestanden. Ich habe im Haushalt mit gearbeitet, aufgeräumt, Wäsche gewaschen und sortiert, die Küche aufgeräumt und mich morgens darum gekümmert, das die Kinder zur Schule und in den Kindergarten kommen und alles neben der Vollzeitarbeit. Meine damalige Partnerin war zunächst beurlaubt und später in Teil-Zeit. Da sie sich oft überfordert gefühlt hat, hatte ich ihr sogar geraten weniger zu arbeiten. Auch das wollte sie nicht. Ich kann mir also nicht vorwerfen lassen, sie mit den Tätigkeiten zu Hause alleine gelassen zu haben. Dennoch gab es keine Nähe. Und das war irgendwann neben anderen Dingen der Tod der Beziehung. Es wird viel über die Bedürfnisse der Frau in diesem Kontext geschrieben, aber selten über die des Mannes und wenn es dann irgendwann zur Trennung kommt, wird dann auf den Mann gezeigt und ihm die Schuld an allen gegeben. Ja, ich bin irgendwann gegangen. Und ja, ich habe mich weiter um meine Kinder gekümmert und musste sogar dafür kämpfen, um das überhaupt zu dürfen. Das ist eine Kehrseite, die aber zu gerne in diesem Posts vergessen wird.
Hallo Bernhard,
danke dir für deinen offenen Kommentar und dass du uns hier einen Einblick in deine Geschichte gibst.
Du sprichst einen wichtigen Punkt an: Natürlich haben auch Männer Bedürfnisse nach Nähe, Berührung und emotionaler Verbindung. Wenn diese über längere Zeit fehlen, kann das sehr belastend für eine Beziehung sein.
Unser Anliegen im Artikel war jedoch ein anderes: Niemand sollte sich zu Sex verpflichtet fühlen – auch nicht aus Angst, den Partner zu verlieren oder ihm „etwas schuldig“ zu sein. Nähe darf kein Druckmittel sein und keine Erwartung, die erfüllt werden muss.
Gleichzeitig bedeutet das nicht, dass die Bedürfnisse des anderen unwichtig sind. Wenn sich einer dauerhaft zurückgewiesen oder allein fühlt, braucht es Gespräche auf Augenhöhe – nicht Schuldzuweisungen.
Genau diese unterschiedlichen Perspektiven gehören zur Realität vieler Familien dazu.
Liebe Grüße aus der Redaktion 🙂