Ingwer in der Schwangerschaft? Auf die Dosierung kommt´s an!

Ingwertee oder Ingwer als Shot gilt als Geheimwaffe für ein starkes Immunsystem. Leider steht der Immun-Booster in Verruf, für Schwangere gefährlich sein zu können. Dabei ist die scharfe Wurzel auch für werdende Mamas erlaubt und gesund – allerdings kommt es tatsächlich auf die Menge an! Wie viel Ingwer in der Schwangerschaft okay ist und wann die Knolle gefährlich werden könnte, verraten wir dir hier.

1. Das Wichtigste auf einen Blick

Ernährungsexpertin Lydia Wilkens von essenZ Hamburg hat diesen Artikel inhaltlich geprüft.

  • Ist Ingwer in der Schwangerschaft schädlich? Grundsätzlich erst einmal nicht – es kommt auf die Dosierung an.
  • Es gibt Aussagen, nach denen die scharfe Knolle wehenfördernd und durchblutungsanregend wirken und deshalb von Schwangeren gemieden werden sollte. Die wissenschaftlichen Studien dazu sind allerdings nicht sehr aussagekräftig und deshalb umstritten.
  • Beweise, dass Ingwer Wehen anregt, gibt es nämlich nicht.
  • Achtung unter anderen bei Blutungen oder Gerinnungsstörungen: Wenn du darunter leidest, solltest du während der Schwangerschaft auf Ingwer verzichten.
  • Wie viel Ingwer okay ist, unterscheidet sich je nach Schwangerschaftswoche (SSW).
  • Das Naturheilmittel enthält viele gesunde Stoffe, die z. B. auch gegen Übelkeit helfen.
  • Ob als Ingwer Shot, in der Suppe oder im Tee: Gönn dir etwas vom Immun-Booster!

2. Darum ist Ingwer (auch in der Schwangerschaft) so gesund

Ingwer ist eine Pflanze, die ursprünglich aus China und Indien kommt und schon seit tausenden Jahren für ihre Heilkraft bekannt ist. Genauer gesagt, enthält die Knolle bzw. Wurzel der Ingwerpflanze viele gesundheitsfördernde Stoffe.

Inhaltsstoffe: Ingwer ist reich an

  • ätherischen Ölen (machen ca. 3% aus),
  • Harzen oder Gingerolen (welche auch für den scharfen Geschmack verantwortlich sind) und
  • Vitamin C, Kalzium, Eisen, Natrium und Phosphor.

Wirkung: Geheimwaffe bei Erkältungen und Übelkeit

Die antibakterielle Knolle: 

  • unterstützt bei Erkältungen,
  • trägt zu einem gesunden Verdauungssystem bei und verbessert die Darmflora.
  • kann in gewissem Maße gegen Übelkeit und Erbrechen helfen und regt die Durchblutung an.
  • Ingwer wird sogar „natürliches Aspirin“ genannt, weil es leichte Schmerzen lindert und entzündungshemmend ist.

Kurz gesagt: Ingwer ist eine hervorragendes Naturheilmittel, wie Studien zeigen.

Und dabei ist er auch noch sehr günstig, hält sich über mehrere Wochen und ist leicht zuzubereiten. Es gibt Ingwer frisch als Knolle zu kaufen oder als Pulver, Tee, Kapsel oder Lutschbonbon. Mittlerweile findest du unzählige Produkte mit Ingwer, die auf der ganzen Welt gekauft und verzehrt werden.

Pur ist die Knolle natürlich am gesündesten, da unverarbeitet die meisten Vitamine und Mineralstoffe enthalten sind.

3. Warum kann Ingwer in der Schwangerschaft gefährlich sein?

Über die positiven Wirkungen von Ingwer haben wir bereits gesprochen, aber wenn du Ingwer zu dir nimmst,  solltest du auch über mögliche Nebenwirkungen informiert sein.

Bitte beachte, dass diese Nebenwirkungen vor allem bei einer Überdosierung vorkommen – und das ist sehr, sehr selten.

1. Vorsicht bei Blutgerinnungsstörungen

Der Ingwer-Knolle wird nachgesagt, dass sie die Blutgerinnung hemmen kann. Wenn du unter Gerinnungsstörungen leidest oder ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten hast, verzichte also lieber. Das gilt auch für den Fall, wenn du unter Blutungen leidest. Ob nun schwanger oder nicht, ist dabei übrigens ganz egal!

2. Magenreizungen

Ingwer kann sich nicht nur positiv auf den Verdauungsapparat auswirken, sondern auch die Magenschleimhäute reizen. Magenschmerzen, Durchfall oder Blähungen können die Folge sein. Auch kann der Scharfstoff der Knolle starkes Sodbrennen hervorrufen. Du wirst aber sicherlich merken, wenn das bei dir der Fall sein sollte!

3. Reizungen im Mund

Die Schärfe der Knolle kann deine Mundschleimhaut reizen. Falls du nach dem Ingwer-Verzehr stark schwitzt, ist dies ein deutliches Zeichen, dass das Essen zu scharf für dich ist.

4. Gallenflüssigkeit

Wer viel Ingwer isst, bildet vermehrt Gallenflüssigkeit aus. Diese kann unter Umständen, solltest du Gallensteine haben, Gallenschmerzen verursachen.

Nicht nur Ingwer kann in der Schwangerschaft gefährlich werden, auch andere Lebensmittel sind tabu. Unser kostenloser Ratgeber 125 Lebensmittel, die du in der Schwangerschaft meiden solltest verrät dir, welche es sind.

4. Dosierung: Wie viel Ingwer ist in der Schwangerschaft erlaubt?

Zu aller erst: Grundsätzlich ist Ingwer auch in der Schwangerschaft nicht schädlich. Es gibt dazu allerdings bisher nur wenig Studien, die auch nicht langfristig und sicherheitshalber nicht im ersten Trimester durchgeführt wurden.

Wenn du ab und zu einen Ingwer-Tee trinkst, dann ist das vollkommen in Ordnung. Und zwar in jeder Phase deiner Schwangerschaft. Es sei denn natürlich, es gibt Gründe, die dagegen sprechen – siehe oben.

Die Info-Seite „Embryotox“ des Berliner Universitätsklinikum Charité schreibt dazu: „Ingwer kann in allen Phasen der Schwangerschaft in üblicher Dosierung eingenommen werden.“ 

Übliche Dosierung: Wie viel Ingwer in der Schwangerschaft okay ist

Natürlich kommt es immer darauf an, wie groß und schwer du bist. Aber allgemein liegt die empfohlene Tagesdosis für Erwachsene ungefähr bei 1,5 bis 2 Gramm Ingwerpulver.

Das sind ca. 5 Gramm frisch geriebener Ingwer – für den Shot, die Suppe oder den Tee!

In Restaurant-Gerichten wie Currys und Limos ist übrigens weitaus weniger von der gesunden Knolle enthalten.

Ingwer im 1. Trimester

Auch hier zitieren wir Embryotox: In der ersten Phase der Schwangerschaft gibt es kein Risiko, Ingwer einzunehmen. Es gibt kein erhöhtes Fehlgeburtsrisiko und die Einnahme von Ingwer hat sogar viele Vorteile – für dich und dein Baby. Wie oben schon geschrieben, kann Ingwer bei Schwangerschaftsübelkeit helfen und dich vor Erkältungen schützen.

Kontraindikationen können Bluthochdruck, Blutungen, Gerinnungsstörungen, empfindlicher Magen oder eine Risikoschwangerschaft sein. Im Zweifel sprichst du das am besten mit deinem Frauenarzt oder deiner Frauenärztin ab. Geringe Mengen, wie 1 Tasse Ingwertee am Tag, sind aber auch in diesem Fall normalerweise unproblematisch.

Meine Erfahrung: Auch meine Hebamme empfahl mir damals, gegen die Übelkeit, auf frischem, geschältem Ingwer zu kauen – und sagte nichts von einer Gefahr!

Ingwer im 2. Trimester

Auch hier gibt es laut Embryotox keine Hinweise auf fetotoxische Wirkungen. Unter „fetotoxisch“ wird die Summe aller mittelbaren und unmittelbaren Wirkungen auf dein Baby verstanden.

Auch im 2. Trimester bzw. in den mittleren SSW ist Ingwer also unbedenklich für werdende Eltern.

Ingwer im 3. Trimester der Schwangerschaft

Laut Embryotox gibt es auch im 3. Trimester keine Bedenken, Ingwer zu sich zu nehmen. Und zwar wieder mit dem Zusatz: im normalen Maße.

Obwohl es nicht auf Embryotox steht, raten einige Gynäkologen und Hebammen aus verschiedenen Gründen Schwangeren in den letzten Wochen vor der Geburt von Ingwer ab.

Deswegen solltest du im Zweifelsfall zunächst mit deinem Arzt sprechen, ehe du in den letzten SSW Ingwerpräparate einnimmst oder größere Mengen Ingwertee trinkst.

Der Hauptgrund ist, dass Ingwer eine wehenfördernde Wirkung nachgesagt wird, weil die Knolle die Durchblutung anregt. Bewiesen ist das jedoch nicht!

Embryotox schreibt dazu: „Mehrere klinische Studien mit über 900 Schwangeren ergaben keinen Hinweis auf ein erhöhtes Fehlbildungs- oder Abortrisiko. Ingwer kann in allen Phasen der Schwangerschaft in üblicher Dosierung eingenommen werden.“

Schaden kann so ein Tässchen frischer Ingwertee also definitiv nicht. Und vielleicht ist es – wenn man fest daran glaubt – in den letzten SSW doch förderlich, um die lang ersehnten Wehen auf natürlichem Wege anzukurbeln.

5. Unsere Erfahrungen – und Fazit

Du hast Ingwer zu dir genommen und fragst dich, ob das jetzt okay war? Da können wir klare Entwarnung geben! Du kannst Ingwer essen bzw. trinken, die Vorteile sind nämlich groß.

Ich selbst habe im 1. Trimester den Hebammen-Tipp erhalten, Ingwer gegen die bleierne Übelkeit zu kauen und irgendwann Pastillen gelutscht – die Wirkung war ganz gut, wenn auch nicht überragend. Meine Kollegin hat morgens Ingwer-Kapseln genommen und war von der positiven Wirkung überrascht. Am Ende der Schwangerschaft, also im letzten Drittel, war ich etwas erkältet und hab mir hin und wieder ein Tässchen Ingwer-Tee gegönnt. Das tat so gut.

Im Grunde kommt es – wie bei allen Heilpflanzen – auch bei Ingwer eben auf die Dosis an. Ein Tässchen ab und zu ist nicht verkehrt, außer du leidest unter Blutgerinnungsstörungen oder generellen Blutungen. Dann bitten wir dich, lieber zu verzichten. Doch auch wenn es jetzt „zu spät“ ist, ist alles gut gegangen, wenn du dich weiterhin recht wohl fühlst.

Sprich doch am besten noch einmal mit deinem Frauenarzt bzw. deiner Frauenärztin. Das solltest du als Schwangere sowieso bei allen Naturheilmitteln machen. Sicher ist einfach sicher. Aber gegen einen ganz normalen Ingwer-Tee oder Ingwer Shot, der deine Abwehrkräfte stärkt, ist überhaupt nichts zu sagen.

Es gibt nämlich keine Studien, die zeigen, dass Ingwerwurzeln Wehen anregen würden.

Mein Rezept für einen Ingwer Shot

Für den schnellen Immunkick brauchst du einfach nur frischen Ingwer, Zitrone und etwas Honig. Alles wahre Stärker fürs Immunsystem. Der Vorteil am Shot: Die Zutaten werden nicht erhitzt, wodurch keine wertvollen Inhaltsstoffe verloren gehen.

Allerdings kann zu viel von dem rohen Zaubermittel tatsächlich auf den Magen schlagen. Ein Shot alle paar Tage sollte also reichen.

Für 1 Shot benötigst du:

  • max. 5 Gramm Bio-Ingwer, lieber etwas weniger
  • 1/2 Bio-Zitrone
  • Honig oder Agavendicksaft nach Geschmack

So geht´s: 

  1. Schäle das Stück Ingwer und schneide es in grobe Stücken.
  2. Presse den Saft einer halben Zitrone aus.
  3. Nun gib den Ingwer und ca. 1/3 des Zitronensaftes in den Mixer.
  4. Füge etwas Honig oder Agavendicksaft nach Geschmack hinzu.
  5. Püriere alles für einige Sekunden.
  6. Wenn dir die Flüssigkeit zu dick erscheint, kannst du gern etwas Wasser hinzugeben.

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Mehr Infos und Tipps zum Thema „Ernährung in der Schwangerschaft“ gibt’s hier >>>

Und welche Lebensmittel für Schwangere grundsätzlich tabu sind, liest du in unserem kostenlosen Ratgeber 125 Lebensmittel, die du in der Schwangerschaft meiden solltest

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Unsere Ernährungsexpertin

Ernährungsexpertin Lydia Wilkens von essenZ Hamburg hat diesen Artikel inhaltlich geprüft.Dieser Text wurde inhaltlich geprüft von Ernährungswissenschaftlerin Lydia Wilkens. Die Diplom-Ökotrophologin hat 14 Jahre Erfahrung im Bereich der Ernährungskommunikation und -beratung. Als zweifache Mutter liegt einer ihrer Schwerpunkte im Ernährungsteam von essenZ, Dr. Heike Niemeier in Hamburg und der Schule des Essens in der Ernährungsberatung und -therapie von Familien und Kindern.

Außerdem führt sie Ernährungsprojekte für Kinder, Eltern und Multiplikator:innen in Kitas und Schulen durch. Als Expertin rund um das Thema Mütter- und Kinderernährung unterstützt sie die Redaktion von Echte Mamas mit praxisnahem Fachwissen.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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