Geburtstrauma: „Meine Gebärmutter musste entfernt werden.”

Mein Geburtsbericht ist sehr traurig, während ich darüber schreibe, kommen mir immer wieder die Tränen. Aber ich hoffe, dass es da draußen andere Frauen gibt, die etwas Ähnliches durchmachen mussten und die mich verstehen. Vielleicht hilft es ihnen auch, von mir zu lesen…

Es war meine erste Schwangerschaft und sollte meine letzte sein.

Wir waren natürlich sehr glücklich darüber, dass es nach einem Jahr Kinderwunsch funktioniert hat. Doch die Schwangerschaft wurde gegen Ende sehr herausfordernd. Ich hatte Schwangerschaftsdiabetes, dadurch musste ich oft zur Feindiagnostik. Das Schöne daran war, dass ich meinen kleinen Mann oft sehen konnte.

Bei der Feindiagnostik wurde erkannt, dass ich noch eine weitere Plazenta hatte, dies ist sehr selten. Die Ärzte versicherten mir, dass es nicht schlimm war. Ich hatte aber schon da das Gefühl, dass ein Kaiserschnitt für mich besser wäre. Zusätzlich war der kleine Mann sehr groß und ich bin sehr klein und ich hatte Angst, dass ich es auf natürlichem Weg nicht schaffe.

Aber mir wurde gesagt, ‚doch natürlich schaffen Sie das!‘

Bei der Einverständniserklärung für einen Notfallkaiserschnitt stand, dass es bei 2% der Patientinnen sein kann, dass die Gebärmutter entfernt wird… wieder beschlich mich dieses mulmige Gefühl. Durch den Schwangerschaftsdiabetes musste ich am Entbindungstermin eingeleitet werden. Die Information war, dass es zwischen fünf Stunden und fünf Tagen dauern kann, bis die Geburt beginnt.

Am selben Abend begonnen schon die ‚künstlichen Wehen‘ und ich habe mich schon sehr gefreut, dass ich meinen kleinen Mann schon bald im Arm haben kann. Die Nacht verging , ich hatte wenig Schlaf und weiterhin Wehen. Aber immer bekam ich ein Vaginalzäpfchen, Salbe, Infusionen und weitere Medikamente, damit die Einleitung erfolgreich ist. Die Wehen wurden stärker, aber mein Muttermund wollte nicht.

In der Nacht habe ich eine Infusion erhalten, damit ich wenigstens gut schlafen kann und nochmal Kräfte sammeln konnte. Doch am nächsten Tag passierte immer noch nichts, außer die künstlichen Wehen, die weiterhin sehr stark waren. Die Hebammen waren super, ich durfte baden und sie halfen mir, so gut es ging, um es erträglicher zu machen.

Meine Familie besuchte mich ein letztes Mal und da merkte ich, dass die richtigen Wehen losgingen.

Es war so heftig, dass ich dachte, ich überlebe es nicht – und ich wusste, die Geburt wird noch schlimmer… Ich hatte Angst und hatte immer noch dieses mulmige Gefühl. Mein Mann stand mir immer zur Seite und half mir so gut es ging. Die Fruchtblase platzte endlich und wir kamen im Kreißsaal an. Mein Muttermund war bei 3 cm und es dauerte eine Stunde , bis es weiterging. Erst ab fünf cm durfte ich eine PDA erhalten.

Mein Körper fühlte sich sehr komisch an, mein Baby wollte wohl noch in seiner geschützten Umgebung bleiben. Die Schmerzen waren sehr heftig. Nach der PDA, die etwas höher gesetzt wurde, habe ich meinen Mann gebeten, mir am Rücken Gegendruck zu machen. Ich spürte: irgendetwas stimmt doch nicht. Der Muttermund ging nicht weiter auf als sechs cm.

Immer wieder bat ich um einen Kaiserschnitt, weil ich solche Schmerzen hatte.

Aber alle sagten, es sind eben Wehen und das sei normal. Abends um 22 Uhr entwickelte ich Fieber. Nach dem Geburtsstop und Fieber wurde endlich der Oberarzt angerufen und es wurde alles vorbereitet für den Kaiserschnitt. Als ich auf dem Tisch lag , bemerkte ich, dass ich keine Luft bekam, weil sie die PDA zu hoch gesetzt haben. Ich habe nicht gemerkt, wie mein Brustkorb sich hebt und hatte Panik. Mein Mann fragte mich, ob alles in Ordnung sei, ich schüttelte nur mit dem Kopf.

Ich lag, konnte mich nicht bewegen und habe gerade noch so das Wort ‚Luft‘ sagen können. Dann ging es los: Ich habe Druck am Bauch gespürt, hatte aber keine Schmerzen. Als ich den Schrei meines Sohnes gehört habe, konnte die Augen mit letzter Kraft öffnen und habe meinen Sonnenschein das erste Mal gesehen. Im Hintergrund hörte ich die Ärzte reden, ob ich vorher eine Fehlgeburt hatte. Danach ist alles weg.

Vier Stunden musste mein Mann mit unserem Sohn warten, bis ich endlich im Bett an ihm vorbeirollte.

Intubiert, überall Infusionen und Kabel. Ich hatte 4,9 Liter Blut verloren, weil meine Plazenta verwachsen war. Sie mussten die Gebärmutter entfernen, sonst wäre ich innerlich verblutet und hätte nicht überlebt. Acht Blutbeutel mussten transfundiert werden. So wachte ich morgens auf der Intensiv auf, ohne Kind, ohne Mann und ohne Gebärmutter. Zum Glück kam mein Mann sofort mit unserem Sohn, als ich wach wurde.

Im Nachhinein weiß ich, dass ich auf dieses Gefühl hätte hören sollen, das ich die ganze Zeit hatte, und einen Kaiserschnitt planen sollen. Aber ich habe einen wunderschönen, gesunden Sohn zur Welt gebracht und bin mächtig stolz darauf!

Manchmal bin ich eine Helikoptermama.

Ich weiß schließlich, dass er mein einziges Kind bleiben wird, weil ich keine weiteren Kinder mehr bekommen KANN. So ist es nun mal und ich werde meinen Sohn immer beschützen. Ob die Fragen nach einem weiteren Kind noch weh tun? Oh ja! Aber ich kann nichts daran ändern. Die Gebärmutter ist einfach weg, aber die Ärzte haben mein Leben gerettet und somit hat mein kleiner Sonnenschein eine Mutter, die für immer für ihn kämpfen wird.”


Liebe Mama (Name ist der Redaktion bekannt), vielen Dank, dass du uns deine Geschichte anvertraut hast. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

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Lena Krause
Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und übe mich als Patentante (des süßesten kleinen Mädchens der Welt, versteht sich). Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert. Schon als Kind habe ich das Schreiben geliebt – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit so einem schönen Thema befassen. Das passt einfach!

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