Frühe Fehlgeburt: Das war ja noch gar kein Kind? Für mich schon!

„Das Baby wäre sicher krank gewesen. War bestimmt besser so“. „Immerhin weißt du jetzt, dass du schwanger werden kannst. Es klappt noch mal.“ Und: „Es war ja noch sehr früh, das Kind war ja kaum entwickelt.“ Sätze, die viele Frauen als Reaktion auf eine Fehlgeburt zu hören bekommen. Auch ich, als das Herz von meinem Baby in der 11. Woche plötzlich aufgehört hatte zu schlagen.

Sicher, die Worte sind in dem Moment gut gemeint. Den großen Schmerz und die Trauer können sie aber nicht lindern. Im Gegenteil. Denn auch wenn meine Schwangerschaft zu dem Zeitpunkt noch nicht sehr weit fortgeschritten war: Für mich war mein Baby kein „Zellhaufen“. Sondern ein Mensch. Außerdem wollte und konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht an eine neue Schwangerschaft denken. Ich war zu beschäftigt damit, mein Sternenkind gedanklich gehen zu lassen…

Wir hatten schon einen Namen ausgesucht

Mein Mann und ich mussten länger am Nachwuchs „basteln“. Wegen einer Endometriose-Erkrankung hatte ich Schwierigkeiten, schwanger zu werden. Erst nach zwei Operationen klappte es. Als wir den positiven Schwangerschaftstest in den Händen hielten, waren wir überglücklich. Wir schmiedeten Pläne: Wie richten wir das Zimmer ein? Wie soll unser Kind heißen? Wir legten eine Liste mit Namen an und markierten unsere Favoriten für das jeweilige Geschlecht.

Dass ich das Baby verlieren könnte, damit rechneten wir nicht. Mir war nicht bewusst, wie häufig so etwas passiert – es redet ja kaum jemand darüber. Die Statistik dagegen spricht eine deutliche Sprache: Schätzungen nach müssen 30 bis 40 Prozent der Frauen eine Fehlgeburt im ersten Drittel der Schwangerschaft verkraften. Das ist jede dritte bis vierte werdende Mama.

Der Moment, in dem alles zusammenbrach: „Ich sehe keinen Herzschlag mehr“

In der 11. SSW hatte ich einen Kontrolltermin bei meinem Gynäkologen. Ich freute mich: Endspurt! Bald schon wäre die 12. SSW erreicht und mein Mann und ich könnten es endlich allen erzählen. Die Heimlichtuerei ging mir auf die Nerven. Bisher war alles prima verlaufen. Der Arzt war sehr zufrieden damit, wie sich das Baby entwickelte. Ich fühlte mich gut. Schwangerschafts-Wehwehchen wie Übelkeit hielten sich in Grenzen.

Ich war also unbesorgt, als ich das Untersuchungszimmer betrat. Ich freute mich darauf, mein Kleines im Ultraschall zu sehen. „Das Baby ist gut gewachsen…aber…Hm, ich schaue noch mal…“ Murmelte der Gynäkologe. Dann die Worte, die mir den Boden unter den Füßen wegzogen: „Ich muss Ihnen leider sagen, dass ich keinen Herzschlag mehr sehe.“ Alles fing an, sich zu drehen. Ich fühlte mich wie im falschen Film, schluchzte: „Das muss ein Alptraum sein“. Seine Worte drangen nur noch wie durch Watte an mein Ohr: „Kann Sie jemand abholen?“

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Hatte ich wirklich eine Fehlgeburt? Ich konnte es einfach nicht glauben

Der Arzt empfahl mir eine Ausschabung. „Möglichst bald, damit es keine Komplikationen gibt. Es könnte zu einer Infektion kommen.“ Um ganz sicher zu gehen, dass mein Baby wirklich nicht mehr am Leben ist, holte ich am gleichen Nachmittag eine zweite Meinung ein. Ich hatte in Foren gelesen, dass der Herzschlag manchmal nicht zu sehen ist, obwohl das Kind noch lebt. Doch auch der andere Gynäkologe hatte keine besseren Nachrichten für mich.

Ich rief schweren Herzens in meiner Praxis an und machte einen Termin zur Ausschabung aus. Heute weiß ich, dass ich auch hätte warten können, ob der Körper das Baby von sich aus abstößt. Wahrscheinlich hätte ich mich aber trotzdem zur Operation entschlossen. Der Gedanke, mein totes Baby weiter im Bauch zu haben, war für mich unerträglich. Drei Tage später war es soweit. Der Eingriff dauerte zwanzig Minuten. Danach fühlte ich mich leer und hoffnungslos.

Frühe Fehlgeburt: Hand formt ein Herz ueber dem Bauch

Ich liebte mein Kind, dass da in meinem Bauch heranwuchst, seit ich von ihm wusste. Foto: Bigstock

Ich legte ein Kästchen mit Erinnerungsstücken an

In den Tagen danach hatte ich Unterleibsschmerzen. Dann klangen die körperlichen Symptome ab. Meine Seele brauchte sehr viel länger, um den Verlust zu verkraften. Besonders belastend war, dass ich mit fast niemandem darüber reden konnte. Eine Fehlgeburt ist keine Sache, die man zum Beispiel im Büro an die große Glocke hängt. Meine Arbeitskollegen wunderten sich, was mit mir los ist. Ich antwortete ausweichend: „Ein Trauerfall in der Familie.“ Was ja tatsächlich der Wahrheit entsprach.

Alles, was mir von meiner Schwangerschaft blieb, waren mein Mutterpass, der positive Schwangerschaftstest und die Liste mit den Babynamen. Den Mutterpass zu betrachten, schmerzte sehr. Er war der Beweis: Ich war Mama gewesen – aber ach, viel, viel zu kurz. Ich legte alles in eine Kiste, die ich in meinem Kleiderschrank verstaute. Das Erinnerungskästchen half mir dabei, mit der Trauer umzugehen.

Schwanger nach Fehlgeburt: Ich machte mir ständig Sorgen

Leider konnte ich mir nicht ewig Zeit lassen, um die Fehlgeburt zu verarbeiten. Die Ärzte hatten mir nach der zweiten Endometriose-Operation ein Zeitfenster von sechs bis zwölf Monaten gegeben, um auf natürlichem Wege schwanger zu werden. Danach wäre das Risiko zu hoch, dass sich neue Endometriose bildet. Normalerweise hätte ich einige Monate gewartet. So wurde ich schon im übernächsten Zyklus nach der Fehlgeburt wieder schwanger. Zu früh.

Meine zweite Schwangerschaft konnte ich nicht genießen. Ständig machte ich mir Sorgen, ob alles mit dem Baby okay ist. Es machte mir zu schaffen, dass ich bei meinem ersten Kind nicht bemerkt hatte, dass das Herz aufgehört hatte zu schlagen. Ich war mit meinem toten Baby im Bauch durch die Gegend gelaufen und hatte nichts bemerkt. Darum hatte ich das Gefühl, meinem Körper nicht mehr vertrauen zu können.

Bis heute frage ich mich, was der Grund für die Fehlgeburt war

Als mein Sohn nach neun Monaten gesund und munter auf die Welt kam, war ich unglaublich erleichtert. Der Schmerz über die Fehlgeburt ist seitdem immer mehr verblasst. Trotzdem frage ich mich bis heute, ob ich einen Jungen oder ein Mädchen bekommen hätte. Und was die Ursache dafür war, dass mein Kind nicht leben sollte. Leider wusste ich damals nicht von der Möglichkeit einer Gewebeuntersuchung. In der Hoffnung, trotzdem Antworten auf meine Fragen zu bekommen, schrieb ich meinem Gynäkologen eine E-Mail. Die Antwort war ernüchternd (und ziemlich unsensibel formuliert): Der Embryo sei gemeinsam mit „ähnlichem Material“ verbrannt worden. Das Geschlecht habe man noch nicht erkennen können.

Ich werde es also nie erfahren. Inzwischen habe ich meinen Frieden damit gemacht. Und auch mit der Fehlgeburt an sich. Es war eine schreckliche Erfahrung, ja. Doch am Ende hat mich auch das  nur stärker gemacht. Und ich bin umso dankbarer für meinen wunderbaren Sohn.

Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Ich liebe den Hafen, fotografiere gern, gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Social Media und Texte ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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