„Fast hätte ich mein Kind allein auf dem Krankenhausflur bekommen“

Manche Babys haben es eiliger als gedacht, auf die Welt zu kommen. Normalerweise haben wir Mütter ein sehr gutes Gespür dafür, wann es „ernst“ wird, besonders, wenn es nicht unser erstes Kind ist. So war es auch bei Jenny, die zur Geburt ihres zweiten Kindes ins Krankenhaus fuhr. Die Hebamme nahm sie allerdings nicht ernst, und Jennys Tochter wäre um ein Haar auf dem Flur zur Welt gekommen – und zwar ohne Arzt oder Hebamme.

Die Geburt des eigenen Kindes sollte eigentlich der schönste Tag im Leben einer Frau sein.

Leider erzählen uns immer wieder Mütter von unglaublichen Dingen, die sie vor, während oder nach der Geburt im Krankenhaus erlebt haben. Von überfüllten Kreißsälen, überlasteten Ärzten und Hebammen oder anderen Vorfällen, die bei den Betroffenen nicht selten ein Trauma hinterlassen. Auch Jenny (echter Name ist uns bekannt) aus unserer Community hat etwas erlebt, dass sie so schnell nicht vergessen wird. Weil die Hebamme ihr nicht glaubte, dass das Baby gleich kommt, hätte die 32-Jährige ihre Tochter um ein Haar auf dem Krankenhausflur zur Welt gebracht – und zwar allein.

Die ganze Geschichte hat Jenny uns hier erzählt:

„Als ich zum Ende der Schwangerschaft die ersten Wehen bekam, blieb ich zunächst relativ entspannt. Die Geburt meines Sohnes vor zwei Jahren hatte sich über eine gefühlte Ewigkeit hingezogen, und dieses Mal wollte ich so lange wie möglich zu Hause bleiben. Dass es beim zweiten Kind oft schneller geht, hatte ich zwar schon häufiger gehört, aber soviel schneller? Das konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

Dann plötzlich kamen die Wehen allerdings Schlag auf Schlag. Und zwar nicht die leichten, die ich von der Geburt meines Sohnes noch kannte. Nein, diese Wehen hatten es schon nach relativ kurzer Zeit in sich.

Ich rief meinen Mann an und bat ihn, auch seine Eltern zu informieren.

Sie würden als Babysitter für unseren Großen einspringen, während wir ins Krankenhaus fuhren. Nach einer halben Stunde waren die beiden da, und wir machten uns direkt auf den Weg. Auf der Station angekommen, wollte die nette Dame an der Anmeldung erst einmal meine Daten aufnehmen. Ich blieb dabei stehen, lief durch den Raum und veratmete die Wehen, so gut es ging.

Endlich kam eine Hebamme und nahm mich mit zum CTG. ‚Na, die Wehen sind aber noch nicht so stark‘, meinte sie. Dann tastete sie nach meinem Muttermund. ‚Knapp 3 cm, das wird noch dauern. Möchten Sie noch mal nach Hause fahren?‘ Auf meine Beteuerungen, dass es nicht mein erstes Kind sei, und ich sicher wäre, dass es bald kommen würde, antwortete sie nur mit einem mitleidigen Lächeln.

Ich war mir trotzdem sicher: Wir fahren nirgendwo mehr hin!

Statt in den Kreißsaal ging es für meinen Mann und mich dann erst mal auf die Station. Wenn die Wehen stärker werden, sollten wir uns melden und vorn an der Tür zum Kreißsaal klingeln. Man wünschte uns noch eine Gute Nacht – und dann waren wir allein. Inzwischen kamen die Wehen alle drei Minuten. Mir war so übel, dass ich mich regelmäßig übergeben musste. Auch das kannte ich noch von meiner ersten Geburt – als Zeichen dafür, dass es gleich richtig losgehen würde.

Nach einer knappen halben Stunde hielt ich es nicht mehr aus. Auf meinen Mann gestützt schlich ich in Richtung Kreißsaal-Tür. Wir klingelten, warteten, und es passierte – nichts.

Auf einmal machte es ‚knack‘, und der Inhalt meiner Fruchtblase landete auf dem Krankenhausflur.

Wir klingelten noch mal und noch mal – keine Reaktion. Verzweifelt bat ich meinen Mann, schnell schauen zu gehen, ob er eine Hebamme oder eine Ärztin findet. Ich selbst ging zur Toilette, als plötzlich die Presswehen einsetzten.

In dem Moment war ich mir sicher: Meine Tochter wird jetzt und hier auf dem Flur der Klinik zur Welt kommen. Und nicht nur das: Ich war dabei auch noch völlig allein. Panik machte sich in mir breit. Bei meinem Sohn musste ich die Presswehen über mehrere Stunden veratmen, weil die Wehen angeblich noch nicht stark genug waren, und er sich das letzte Stück noch drehen sollte. Was war, wenn meine Tochter auch noch nicht richtig lag? Wenn sie ihre Nabelschnur um den Hals hatte, aber ich es nicht sehen konnte? Wenn irgendetwas schiefgehen sollte, während ich hier komplett allein auf dem Boden lag? Aber es ließ sich leider nicht ändern:

Meine Tochter wollte raus – und zwar hier und jetzt.

Als ich gerade beschlossen hatte, nicht mehr gegen die Wehen anzukämpfen, kam Gott sei Dank mein Mann um die Ecke – mit einer Hebamme im Schlepptau. Die beiden sahen mich auf dem Boden liegen, und die Hebamme reagierte geistesgegenwärtig. ‚Noch nicht pressen!“ rief sie und sagte meinem Mann, dass er mich unterhaken solle. Zusammen verfrachteten sie mich in den Kreißsaal, und die Hebamme prüfte kurz meinen Muttermund.

Wenig überraschend war er komplett geöffnet. Während sie mir sagte, ich dürfe jetzt doch endlich pressen, rief sie meinem Mann zu, er solle SOFORT den gelben Knopf neben der Tür drücken. Als das Köpfchen meiner Tochter geboren wurde, schob sich in letzter Sekunde eine Ärztin mit in den Kreißsaal. Wenige Sekunden später war unser Baby auf der Welt – zum Glück kerngesund. Die Hebamme gratulierte uns und lieferte auch gleich den Grund für meine Fast-Flur-Geburt:

‚Wir hatten gerade Schichtwechsel und waren bei der Übergabe!‘

Ganz ehrlich, ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Meine Tochter wäre fast auf dem Krankenhausflur zur Welt gekommen – wegen eines Schichtwechsels? In dem Moment überwog zum Glück meine Freude darüber, meine Kleine endlich und kerngesund in den Armen zu halten. Im Nachhinein finde ich das Ganze trotzdem unglaublich. Nicht nur den Schichtwechsel, sondern auch die Tatsache, dass uns Mamas so oft nicht geglaubt wird, dass wir unseren Körper am besten kennen. Hätte ich auf die Hebamme beim CTG gehört, und wir wären nach Hause gefahren, wäre meine Tochter wohl entweder dort oder im Auto zur Welt gekommen. Ob das besser ist als ein Krankenhausflur, dürft ihr jetzt selbst entscheiden.

Auch wenn in unserem Fall zum Glück alles gutgegangen ist, werde ich auch heute noch den Gedanken daran nicht los, was alles hätte passieren können. Und ganz im Ernst, liebe Hebammen und Ärzte: Ich weiß, dass ihr viel zu tun habt, und oft überlastet seid. Und ja, ich weiß eure Arbeit sehr zu schätzen. Trotzdem würde ich mir wünschen, dass ihr auch auf uns Mamas hört und uns glaubt. Euch nicht nur auf eure Geräte verlasst, sondern auch auf unseren Instinkt. Und vor allem, dass ihr uns bitte ernst nehmt!

Liebe Jenny, vielen Dank für Deine Geschichte und alles Liebe für Dich und Deine Familie.

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Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Ich liebe den Hafen, fotografiere gern, gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Social Media und Texte ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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