„Es gibt eine Sorte Mütter, die ich wirklich hasse…”

„Vor der Geburt meiner wunderbaren Kinder war ich mir sicher, dass ich die perfekte Mama sein werde. Klar, es würde sicherlich anstrengend werden, aber nur weil ich  Mutter bin, müsste das ja nicht heißen, dass plötzlich alles anders ist, oder?

Natürlich wurde alles anders!

Meine Partnerschaft, unsere Wohnung, meine Einstellung zum Leben: einfach alles hat sich durch meine beiden Kinder verändert. Früher haben mein Mann und ich manchmal stundenlang geredet vorm Einschlafen, von unserem Liebesleben will ich gar nicht anfangen. Heute schlafe ich noch in der Sekunde ein, in der mein Körper die Matratze berührt, denn die Tage sind lang und die Nächte kurz.

Während ich früher immer geschminkt und frisiert aus dem Haus ging, bin ich heute froh, wenn sich auf meiner Kleidung keine Essensreste befinden.Vor den Kindern war ich mir sicher, dass ich alles ganz locker angehen würde, stattdessen schießen mir jetzt die Tränen in die Augen, wenn ich daran denke, dass ich meine Kinder nicht vor allem beschützen kann.

Diese Aufzählung könnte ich noch um einige Punkte ergänzen, doch wozu?

Ich liebe mein Leben als Mutter sehr. Für nichts in der Welt würde ich meine Familie wieder hergeben – und meinem Mann geht es genauso. Außerdem habe ich gehört, dass Kinder nicht ewig so klein sind. Irgendwann kommt bestimmt wieder die Zeit, in der mehr Raum für mich und für meinen Mann bleibt.

Doch obwohl ich das eigentlich alles weiß, gibt es eine Sache, die mich nervt. Nicht die Trotzanfälle, nicht die vielen vollen Windeln, nicht der Schlafmangel, sondern die perfekten Mütter sind es, die mich in den Wahnsinn treiben. Immer wenn ich auf eine dieser Sorte treffe, muss ich mir eingestehen: Offenbar gibt es sie doch, diese Bilderbuch-Mamas, von denen ich gehofft habe, mal eine zu sein.

Es fängt schon damit an, wenn ich einen Blick in meine Instagram-App werfe.

Ganz oben auf meiner Startseite prangen die Vorher-Nachher-Bilder einer dreifachen Mami, die ihren ultraflachen Bauch zeigt. Dazu der Text: ‚Wow, ich bin stolz auf mich und meinen Körper. Sport hat mein Leben verändert.‘ Unwillkürlich wandert mein Blick vom Handybildschirm auf meine eigene Körpermitte und ich habe ein schlechtes Gewissen. Wieso kriege ich das einfach nicht hin mit dem Sport?

Doch vor den perfekten Müttern bin ich nirgends sicher, die nächste treffe ich spätestens morgens an der Kita. Komplett gestylt warten sie schon auf mich, um mich in meiner Jogginghose in unangenehmen Smalltalk zu verwickeln. ‚Hast du schon gehört, dass eine der Mütter ihrem Kind einen Keks mit in die Brotdose gelegt hat? Finn-Luis hat noch nie in seinem Leben einen Keks gegessen.‘

Ich verzichte darauf, ihr zu erklären, dass die Übeltäterin gerade vor ihr steht.

Ich hasse sie wirklich, diese perfekten Mamas, die nie das Tablet oder Smartphone zücken, um mal fünf Minuten Ruhe auf dem Klo zu haben. Die perfekten Kinder haben sie offenbar auch – oder sie lügen einfach besser als ich. Wo sind die anderen Mütter, die ihren Kindern Cornflakes zum Frühstück geben, die nie frische Blumen auf dem Esstisch stehen haben und die, die sich nicht erinnern können, wann die Fenster zuletzt geputzt wurden?

Manchmal fühle ich mich wie eine Versagerin, wenn ich mich mit anderen vergleiche. Jedes Mal, wenn diese perfekten Mamas Bilder auf Instagram posten, mir mit ihren gebügelten Markenklamotten entgegenkommen oder mir Fotos von ihrer perfekten Einhorn-Geburtstagstorte schicken, die sie die ganze Nacht gebacken haben, könnte ich schreien.

Meine Kinder lernen gerade noch keine Fremdsprache, auch kein Instrument, sie hassen Gemüse und streiten sich ständig.

Heißt das, dass mit uns etwas nicht stimmt? Dabei will ich doch gar nicht (mehr) perfekt sein, ich möchte kein makelloses Instagram-Leben, sondern eines voller Liebe. Trotzdem verunsichert es mich, dass es Menschen gibt, die offenbar alles unter einen Hut kriegen.

Irgendwann komme ich damit klar. Ich werde aufhören, mich darüber zu ärgern, dass ich keine der perfekten Mamas bin und dankbar für die Frau sein, die ich bin. Meine Kinder werden eines Tages sehr viel Freude daran haben, mir all meine mütterlichen Fehler unter die Nase zu reiben, aber das ist dann eben so. Auch damit werde ich hoffentlich klarkommen, denn ich weiß, dass ich mein Bestes gegeben habe.”


Liebe Theresa, vielen Dank, dass du uns deine Geschichte anvertraut hast. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

Echte Geschichten protokollieren die geschilderten persönlichen Erfahrungen von Müttern aus unserer Community.

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Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg. Am liebsten erkunde ich mit ihm die vielen grünen Ecken der Stadt.

Auch wenn ich selbst keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Schon als Kind habe ich das Schreiben geliebt – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit so einem schönen Thema befassen. Das passt einfach!

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kwiien
kwiien
1 Jahr zuvor

Liebe Theresa,
Wenn vergleichen, dann aber bitte in allem und dann wirst du sehen, warum euer Leben so unterschiedlich ist. Wenn ich dran denke, wie es war, als meine beiden noch in den Kindergarten gingen. Der Vater, mit dem ich damals noch zusammenlebte, war keine große Hilfe. Eher im Gegenteil. Ich arbeitete fast Vollzeit und war denn noch fürs Abholen und Bringen in die Betreuung zuständig. Ich kümmerte mich um alles, organisierte, informierte mich. Wenn ich ihm Aufgaben gab, erledigte er die meist. Aber es gab kaum Eigeninitiative. Großeltern wohnten alle 200km weg. Freunde im Freundeskreis hatten noch keine Kinder. Man hat nur 24h und ca. 7 davon schläft man (ja, ich weiß, auch ich schlaf meist weniger). Dann 7h Arbeit, Fahrerei, einkaufen… ja, dann überlege ich 3 mal, ob ich jetzt sauge oder bei Sonne auf den Spielplatz gehe. Wir haben schon immer eine Wohnung, wenn ich Bewegung für die Kids möchte, müssen wir raus. Also kann ich in der Zeit nichts anderes machen. Wir haben keinen Garten mit Trampolin und Kletterturm, wo die Kids klettern können und die Eltern putzen dann Fenster…
Meine Kids kennen den Fernseher und Tablet. Weil ich abwäge. In den Ferien sind wir viel draußen, ja, dann dürfen sie auch abends mal eine Stunde am Tablet hängen. Wir haben strenge Medienrichtlinien. Aber sie sollen den Umgang lernen. Alles, wovon ich sie fern halte, können sie nicht erproben. Ja, ich gebe auch keinen Süßkram mit, weil ich aber finde, dass sie in der Freizeit genug bekommen (hier mal ein Eis, dort bringt eine Freundin was mit, am Wochenende bäckt man mal einen Kuchen). Das reibe ich doch aber anderen nicht ungefragt unter die Nase. Jeder findet seinen Weg. Und mal ehrlich: mich bei Insta und so beklatschen zu lassen, wie toll ich das alles mache, zeigt auch eine gewisse Unsicherheit. Ich bin bei dem Quatsch nicht angemeldet, weil es in meinen Augen keinen Mehrwert hat. Ich fahre gut damit. Ich merke an den Launen und Wünschen der Kids, was wir so ändern oder beibehalten können. Wir nehmen unseren Weg, der sich richtig anfühlt. Wenn mich etwas verunsichert, informiere ich mich gezielt, wie das andere angehen. Aber dieses ständige wetteifern finde ich panne.
Die Bedürfnisse der Kids sollten im Vordergrund stehen. Leider benutzen viele ihre Kinder als Profilierung ihrer eigenen Werte, egal ob diese denen der Kinder entsprechen oder nicht (mein Kind kann ein weißes Kinderzimmer mit nur 3 Holzspielzeugen und lustigen Dekohinstellerchen auf sonst leeren Regalen einfach total langweilig finden, auf Insta wirkt es aber echt hygge und toll und Bullerbü…)
Und guck hinter die Kulissen. War vor einer Weile im Kino. Dabei beobachtete ich eine Frau, die trotz des Films ständig am Handy tippte, durch Galerien swipte. Dann noch von sich ein Selfie, der ca. 5-Jährige mit drauf und hochladen. Vom Film wird sie kaum was mitbekommen haben, um im Nachhinein mit dem Jungen reden zu können (+ die unterschwellige Botschaft an das Kind, dass sie seine Interessen, also den Kinderfilm, nicht beachtenswürdig findet) Bei Insta sieht es aber nach einem tollen Kinobesuch aus…

Serafina Di Bella
Serafina Di Bella
1 Jahr zuvor

Diese „Sorte“ Mütter sind genau diese Menschen, die eine Mutterrolle in der Gesellschaft wahren wollen, die es aber nicht gibt. Nach Außen die Fassade wahren und hinter den vier Wänden, haben sie die gleichen Probleme und Herausforderungen wie wir auch. Es ist schade, dass Mütter nicht einfach ehrlich sind, dann am Ende sitzen wir doch alle in einem Boot und jede Mama macht mehr oder weniger die gleichen Phasen mit den Kindern durch.

Dieses Bild einer Mama, wie sie in Instagram und anderswo gezeigt wird, existiert nicht wirklich. Die Erwartungen und das Rollenbild, welches von der Gesellschaft erschaffen wurde, kann einfach nicht erreicht werden.

Ich hoffe, dass jede Mama dies verinnerlicht und einfach stolz auf ihre eigene Leistung ist – jeden Tag.

Abby
Abby
1 Jahr zuvor

Ist zwar schon eine Weile her, aber: du machst das schon gut, so wie du es machst.

Die vermeintlich perfekt gestylte Mutter beneidet dich vermutlich um deine vermeintliche Lässigkeit.

Die Keksterroristin versucht, sich Bestätigung (ausgerechnet von der Keksschmugglerin ;)) zu holen. Wäre sie selbstsicher in ihren Ernährungsdingen, müsste sie nicht vor anderer Leute Haustür kehren.

Es gibt nicht nur Kinder, die gar nie Fernsehen dürfen oder 24 Stunden vor der Kiste sitzen, sondern auch welche, die eine Folge so und so angucken dürfen, damit Mama etwas erledigen kann. Diese „20 Minuten Kinder“ interessieren aber keinen, denn an Extremen kann man sich besser abarbeiten.

Ich backe auch spektakuläre Geburtstagstorten. Dann hat mein Mann die „Nachtschicht“ mit dem Kind und ich arbeite dann bis nach Mitternacht dran. Aber dein vielleicht gekaufter Kuchen ist mindestens genauso gut. Backen ist mein Hobby und somit ist das auch Zeit, die mich entspannt. Wenn es dich eher entspannt, raus zu gehen, einen Film zu sehen oder zu Töpfern, dann profitieren deine Kinder auch davon, weil Mama entspannt ist. Und der Kuchen schmeckt trotzdem.

Und Sport, ja ne. Hatte ich mir auch vorgenommen. Hab es sogar zweimal geschafft. In zwei Jahren. Wäre schon wichtig. Aber ich backe halt lieber ;).

Du kannst übrigens auch ne tolle Instamom sein, da siehst du selten die ganze Bude. Also ein Zimmer herrichten und ablichten. Und nächste Woche ein anderes. Aber ich glaube, das hast du gar nicht nötig.

In dem Sinne: Liebe Grüße und Girl-Power!

Marina
Marina
1 Jahr zuvor

Hallo Theresa,
„hassen“ ist so ein schweres Wort..
Wenn diese Mütter in dir so ein Gefühl auslösen, hör bitte auf dich mit ihnen zu vergleichen..
Keiner ist perfekt, vieles ist nur Schein..gerade in den sozialen Medien posten Menschen nur das was man sehen darf.
Mein Sohn bekommt auch mal Kornflakes zum Frühstück und der Haushalt bleibt auch mal liegen.
Habe zwei Kinder und man kann oftmals nicht alles schaffen.
Wichtig ist das du mit dem was du tust zufrieden bist.
Das du dein „Leben als Mutter“ liebst sagt mir das du schon sehr viel richtig machst 😉