Elterngeld erhöhen: So gibt‘s beim 2. Kind genauso viel

In der Elternzeit wird das Geld nicht selten knapp. Wenn dann das zweite Kind unterwegs ist, und du in der Zwischenzeit in Teilzeit gearbeitet hast, bekommst du beim zweiten Kind oft weniger als beim ersten. Das muss aber nicht sein! Wir verraten euch, wie ihr das Elterngeld erhöhen könnt – damit ihr auch beim zweiten Kind den vollen Satz bekommt. Mit einem einfachen Trick.

Aus Erfahrung wird man klug – leider zu spät

Als ich zum zweiten Mal schwanger war, haben mein Mann und ich uns alles so schön überlegt. Da ich nach meiner ersten Elternzeit in Teilzeit gearbeitet habe, dachten wir, dass mein Elterngeld dieses Mal niedriger ausfallen würde. Deshalb haben wir die Steuerklassen gewechselt. Statt Steuerklasse IV hatte ich dann Klasse III und mein Mann Klasse V. Dadurch hat sich mein Nettoverdienst erhöht, mein Mann bekam während dieser Zeit etwas weniger ausgezahlt. Im Lohnsteuerjahresausgleich hätte sich das aber wieder ausgeglichen.

Soweit unsere Theorie. Als es dann um die Berechnung des Elterngeldes ging, und ich mit dem Antrag beim Amt saß, folgte allerdings die (für uns) böse Überraschung. Denn weil ich vor meiner ersten Elternzeit eine ganze Zeit freiberuflich gearbeitet habe, wurde das Elterngeld automatisch auf dieser Basis berechnet. Das heißt, ich bekam das gleiche Elterngeld wie bei meiner Tochter – nur mein Mann hatte im Endeffekt während seiner zwei Monate dann weniger Elterngeld. Dumm gelaufen!

Was bei uns nach hinten losgegangen ist, kann euch aber helfen! Denn sowohl ein Wechsel der Steuerklassen als auch eine (zumindest kurzfristige) Selbstständigkeit kann euch dabei helfen, das Elterngeld beim zweiten Kind zu erhöhen – oder sogar den gleichen Satz wie bei Kind Nummer eins zu bekommen.

Elterngeld: So viel gibt’s beim ersten Kind

Wie viel Elterngeld du beim ersten Kind bekommst, hängt davon ab, was du in den 12 Monaten vor Beginn deines Mutterschutzes verdient hast – bei Vätern gilt das Einkommen 12 Monate vor der Geburt. Für die Berechnung wird dein Brutto-Einkommen des letztens Jahres zusammengerechnet. Davon wird dann eine Pauschale von 1.000 € als Arbeitnehmer-Pauschbetrag abgezogen. Von diesem errechneten „Brutto-Monatseinkommen“ werden dann noch pauschal Steuern und Sozialabgaben abgezogen. Herauskommt dann ein „Netto-Einkommen“, von dem du 65 bis 67 % als Elterngeld bekommst. Generell bekommst du mindestens 300 € Elterngeld im Monat und maximal 1.800 €.

Beim 2. Kind gibt’s oft weniger Elterngeld

Viele Mütter fangen nach der Elternzeit wieder an, zu arbeiten – und zwar meistens in Teilzeit. Wenn sie vor der Elternzeit einen Vollzeitjob hatten, verdienen sie jetzt also deutlich weniger. Ist dann Kind Nummer zwei unterwegs, berechnet sich das Elterngeld wieder nach dem Verdienst der letzten 12 Monate. Und fällt durch den geringen Verdienst oft niedriger aus als beim ersten Kind. Um das zu vermeiden, kannst du zu einem relativ einfachen Trick greifen – wenn du schnell genug bist:

Elterngeld beim zweiten Kind erhöhen – mach dich selbstständig

Meine Freiberuflichkeit hat unseren Plan für mehr Elterngeld zwar zunichte gemacht. Beschweren konnte ich mich aber trotzdem nicht. Denn durch die Regelung habe ich tatsächlich genauso viel Elterngeld bekommen wie bei meiner Tochter. Der Grund ist, dass sich durch die Selbstständigkeit die Berechnungsgrundlage für das Elterngeld verändert. Das heißt, es gelten jetzt nicht mehr die 12 Monate vor Beginn des Mutterschutzes, sondern das letzte „abgeschlossene Steuerjahr“. Die Elternzeit wird bei der Berechnung grundsätzlich ausgeklammert. Das heißt, wenn zwischen der Geburt von Kind eins und Kind zwei nicht mehr als zwei Jahreswechsel liegen, gilt für die Berechnung der gleiche Steuerbescheid.

Auch wenn du vor der Geburt deines ersten Kindes nicht selbstständig gearbeitet hast, kann es sich lohnen, das vor der zweiten Schwangerschaft zu ändern. Wenn du also eine Idee für ein Gewerbe hast, das du anmelden könntest – probier es aus. Für die Anmeldung musst du nur einmal zum Gewerbeamt gehen. Außerdem solltest du deinen Arbeitgeber informieren, weil die Selbstständigkeit als Nebenjob gilt. Und auch die Elternstelle musst du über diesen Schritt informieren. Achtung: Um nachzuweisen, dass es dein Gewerbe wirklich gibt, musst du mindestens eine Rechnung stellen, die natürlich auch bezahlt wird.

Außerdem wichtig: Du musst das Gewerbe anmelden, sobald du von deiner Schwangerschaft erfährst. Wenn möglich auch gern schon etwas früher. Denn damit für die Berechnung des Elterngeldes auch wirklich das letzte abgeschlossene Steuerjahr herangezogen wird, muss die Selbstständigkeit schon ein Jahr vor der Geburt bestehen.

Elterngeld erhöhen: Rechtzeitig die Steuerklasse wechseln

Wenn dir die richtige Idee für ein Gewerbe fehlt, oder dir das Ganze vielleicht einfach zu anstrengend ist, gibt es noch einen zweiten Tipp, um das Elterngeld zu erhöhen. Damit bekommst du höchstwahrscheinlich zwar nicht ganz so viel wie bei Kind Nummer eins, aber trotzdem deutlich mehr, als du sonst bekommen würdest. Klappt allerdings nur, wenn du verheiratet bist.

Im Prinzip lagen mein Mann und ich nämlich gar nicht so falsch mit unserem Wechsel der Steuerklassen. Sobald wir wussten, dass ich schwanger bin, haben wir dem Finanzamt mitgeteilt, dass wir die Klassen wechseln möchten. Vorher hatten wir beide Klasse IV. Durch den Wechsel rutschte ich in Klasse III, mein Mann in Klasse V. Dadurch hat sich mein Netto-Gehalt pro Monat deutlich erhöht. Mein Mann musste zwar während der Schwangerschaft auf Geld verzichten. Das gleicht sich aber häufig bei der Steuererklärung wieder aus.

Diesen Trick könnt ihr natürlich auch schon beim ersten Kind anwenden. Damit er funktioniert, müsst ihr allerdings schnell sein. Denn den Antrag für den Wechsel müsst ihr spätestens sieben Monate vor Beginn des Mutterschutzes stellen. Die neue Regelung gilt erst ab dem nächsten Monat. Dann seid ihr sechs Monate vor dem Mutterschutz in der neuen Steuerklasse, die restlichen sechs wart ihr in der gleichen. Bei „Gleichstand“ wird das Elterngeld immer nach der Steuerklasse berechnet, die ihr direkt vor dem Mutterschutz hattet.

Zu spät dran? Mit diesem Trick klappt’s trotzdem noch

Die Zeit ist also knapp, wenn du die Steuerklasse wechseln möchtest, um das Elterngeld zu erhöhen. Theoretisch müsstet ihr den Antrag schon stellen, wenn ihr noch gar nichts von der Schwangerschaft wisst. Meistens wird sie erst in der 5. oder 6. Woche festgestellt, dann ist es rein rechnerisch eigentlich schon zu spät. Eine Chance habt ihr aber trotzdem noch: Du kannst gegenüber deinem Arbeitgeber auf einige Tage des Mutterschutzes verzichten, damit für diesen Monat dein Gehalt für die Berechnung des Elterngeldes herangezogen wird. Das kann zum Beispiel Sinn machen, wenn es nur um ein paar Tage geht, und du vielleicht noch Resturlaub hast.

Falls ihr in den 12 Monaten vor der Geburt geheiratet habt, kannst du deine Steuerklasse auch rückwirkend ab dem Zeitpunkt der Hochzeit ändern lassen.

Und zum Schluss noch ein „Trick“, der von eurer Familienplanung abhängt: Wenn Kind Nummer zwei direkt nach der ersten Elternzeit zur Welt kommt, also spätestens nach 14 Monaten, gilt automatisch die letzte Berechnnugsgrundlage für das Elterngeld.

Wie sieht‘s bei euch aus: Habt ihr auch zu einem Trick gegriffen, um das Elterngeld für Kind Nummer 2 zu erhöhen? Dann freuen wir uns, wenn ihr ihn uns verratet!

Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Ich liebe den Hafen, fotografiere gern, gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Social Media und Texte ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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