Einschlafbegleitung „kostete“ mich (bisher) 100 Tage meines Lebens

„Langsam müsste sie aber wirklich mal allein einschlafen!“ Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Satz in den letzten 5 Jahren gehört habe. So alt ist meine älteste Tochter nämlich, und ja, wir bringen sie immer noch jeden Abend ins Bett und bleiben bei ihr, bis sie eingeschlafen ist. Wenn wir mal grob alle Stunden zusammenrechnen, haben wir mindestens schon 100 ganze Tage mit der Einschlafbegleitung unserer Großen verbracht – und da sind die Stunden für den kleinen Bruder noch nicht mit eingerechnet. Ganz schön viel, oder? Aber wisst ihr was: Ich würde es immer wieder so machen – auch, wenn es mich noch mal 100 Tage „kostet“.

Zugegeben: Manchmal nervt es mich – und zwar gewaltig

So wie gestern Abend. Gegen 20 Uhr waren beide Mäuse hier bettfertig. Mein Mann und ich wechseln uns täglich ab, jeder von uns bringt ein Kind ins Bett. Während im Nachbarzimmer nach 15 Minuten Ruhe herrschte, wälzte meine Tochter sich neben mir auf der Matratze hin und her. Fing an zu erzählen, zu singen und mit ihren Puppen zu sprechen. Ich hatte eigentlich noch andere Pläne für den Abend, wollte einiges erledigen, was tagsüber liegengeblieben war, und endlich wieder auf den Crosstrainer steigen (die Corona-Kilos müssen ja irgendwie wieder weg *seufz*). Die Uhr tickte unaufhaltsam weiter – und meine Tochter kam einfach nicht zur Ruhe.

Ich merkte, wie es anfing, mich zu nerven. Wie ich immer ungeduldiger wurde und irgendwann auch immer gereizter. Als sie endlich eingeschlafen war, war es fast halb zehn. Und meine Motivation, jetzt noch etwas in Angriff zu nehmen, näherte sich dem Nullpunkt.

Allerdings sage ich mir auch immer wieder: Vielleicht ist die Motte einfach noch nicht müde, obwohl aus unserer Sicht schon „Bettzeit“ ist. Deshalb haben wir jetzt eine neue Abmachung getroffen: Wenn unsere Tochter noch nicht müde ist, kann sie das sagen und in ihrem Zimmer noch leise etwas spielen oder Bücher anschauen – allerdings ohne einen von uns. Wenn sie dann schlafen möchte, sagt sie Bescheid, und mein Mann oder ich gehen zur ihr rüber. So bekommen wir Zeit für uns, und sie muss sich nicht stundenlang im Bett rumwälzen.

Phasenweise saßen wir 1,5 bis 2 Stunden neben dem Bettchen

Ja, ihr habt richtig gelesen. Es gab und gibt immer wieder Phasen, in denen eins der Kinder ewig lange braucht, bis es zur Ruhe kommt und irgendwann einschläft. Bei meiner Tochter waren das zu Hochzeiten gern mal 1,5 bis 2 Stunden. Und ich gebe zu, ich war nicht nur einmal mega-genervt und habe mich gefragt, ob es jetzt nicht doch an der Zeit für sie wäre, allein einzuschlafen. Allerdings endete jeder Versuch damit, dass sie entweder gefühlte 78 Mal wieder aus ihrem Zimmer kam oder irgendwann bitterlich geweint hat. Also war mein Motto: Augen zu und durch – es ist ja „nur“ eine Phase.

Dazu kommt, dass alle Tipps und Hilfsmittel bei uns einfach nicht funktioniert haben. Einen Schnuller mochte meine Tochter von Anfang an nicht. Ihre Spieluhr war zwar tagsüber interessant – aber zum Einschlafen leider völlig ungeeignet. Und das Lieblingskuscheltier ist zwar ein gern gesehener Begleiter, aber es kuschelt sich nun einmal mit niemandem so gut wie mit Mama. Das war von Anfang an so, denn meine Kleine ließ sich schon als Säugling nicht ablegen, ohne zu weinen. Stattdessen schlief sie abends am besten und ausschließlich auf meinem Bauch ein.

Mit zwei Jahren musste unsere Große „ausziehen“

Natürlich nicht aus der Wohnung, aber zumindest aus unserem Schlafzimmer. Denn als der kleine Bruder unterwegs war, wollten wir das Babybett bei uns hinstellen, und für ein zusätzliches Kinderbett war einfach nicht genug Platz. Mit viel Geduld haben wir versucht, unsere Tochter daran zu gewöhnen, dass ihr Bett jetzt im Kinderzimmer steht. Jeden Abend saß oder lag einer von uns daneben, hat seine Hand durch die Gitterstäbe gesteckt und versucht, sie zu beruhigen. Wir haben Händchen gehalten, Bücher vorgelesen, Schlaflieder gesungen.

Irgendwann hat sie dann auch immer geschlafen. Bis sie nachts aufgewacht ist, und ich sie oft dann wieder mit zu uns ins Bett genommen habe. Dort hat es in den meisten Fällen keine zwei Minuten gedauert, bis sie wieder tief und fest geschlafen hat. Sie brauchte einfach die Sicherheit, Geborgenheit und Nähe – und braucht sie teilweise auch heute noch.

Ich bring mal eben „schnell“ die Kinder ins Bett

Wenn Freunde von uns diesen Satz sagen, stimmt er meistens tatsächlich. Denn sie können ihr Baby ins Bett legen, nach ein paar Minuten ohne Protest rausgehen, und das Kind schläft friedlich allein ein. Und nein, sie haben es ihm nicht „antrainiert“, es schreien lassen oder verschiedene Tricks ausprobiert. Es hat einfach geklappt und war für beide Seiten in Ordnung. Und ja, es gab diese Momente, in denen ich die beiden wirklich darum beneidet habe. Denn von „schnell“ kann bei uns oft Fällen keine Rede sein.

Trotzdem genieße ich es an den meisten Abenden, neben meinen Kindern zu liegen. Ihre Hand zu halten oder ihren Kopf zu streicheln, während sie mir von ihrem Tag erzählen und ihnen langsam die Augen zufallen. Meistens bleibe ich dann noch ein paar Minuten liegen, bis sie wirklich tief schlafen. Beobachte sie, wie sie so friedlich daliegen, und stelle immer wieder fest, wie klein sie eigentlich noch sind.

Klar wäre manchmal einiges einfacher, wenn meine beiden allein einschlafen würden

Wir könnten uns auch abends wieder entspannter mit Freunden treffen. Das ist jetzt nur selten möglich. Denn wenn wir zwischendurch „mal kurz“ für eine halbe Stunde oder länger verschwinden, macht das nicht so wirklich Sinn. Zumal ich auch gern mal mit einschlafe und erst deutlich später wieder aufwache – kennt ihr bestimmt auch, oder?

Auch das Thema Babysitter gestaltet sich etwas schwierig. Mit Oma und Opa klappt es zum Glück prima, denn dann bringt jeder von ihnen ein Kind ins Bett. Ein einziger Babysitter hätte vermutlich seine Schwierigkeiten. Denn wenn man versucht, beide gleichzeitig ins Bett zu bringen, halten sie sich leider mit größter Ausdauer gegenseitig wach. Deshalb schläft die Große in ihrem eigenen Zimmer ein, und wir haben die Abmachung, dass sie rüberkommen kann, wenn sie aufwacht. Das macht sie auch mit schöner Regelmäßigkeit fast jede Nacht – und ich genieße es. Der kleine Bruder schläft mit einem von uns in unserem Bett ein, dann legen wir ihn in sein Bettchen.

Das bedeutet für uns auch: Wenn einer von uns mal abends etwas vorhat, braucht der andere mehr als gute Nerven – und jede Menge Geduld. Aber ich hoffe (und bin mir sicher!), dass auch diese Phase vorbeigeht, und wir uns irgendwann mit dem Ins-Bett-Bringen abwechseln können.

Ruhig bleiben, runterkommen, entspannen – und die Zeit genießen

Genau das ist es, was ich versuche, wenn es abends mal wieder länger dauert. Auch wenn mir so vieles durch den Kopf geht, das ich noch erledigen sollte, müsste oder möchte, versuche ich, es für diesen Moment auszublenden. Das ist nicht immer einfach und auch nicht immer möglich, aber in den meisten Fällen hilft es ja sowieso nichts, wenn man sich aufregt oder genervt ist.

Stattdessen atme ich meistens tief ein und aus und stelle mich irgendwann schlafend. Ich weiß nicht, wie oft ich dabei wirklich selbst eingeschlafen bin, während die Kinder noch putzmunter waren. Aber ganz oft schlafen die Zwerge auch schneller ein, wenn sie denken, dass Mama schläft. Und ganz ehrlich: Endlich mal in Ruhe tief durchatmen kann uns im stressigen Mama-Alltag doch auch nicht schaden, oder?

Meine Kinder brauchen Nähe, Geborgenheit und Sicherheit

Das ist vollkommen natürlich – und auch völlig in Ordnung! Ich verstehe bis heute nicht, warum man Kinder dazu bringen sollte, diese Bedürfnisse aufzugeben oder zurückzustellen. Beide legen zu gern ihre Köpfchen auf meinen Bauch, während sie einschlafen. Der Kleine nimmt auch im Schlaf oft meine Hand und zieht sie auf sein Bäuchlein, damit ich ihn umarme. Und die Große genießt es, wenn ich über ihre Haare streichle und ihr leise etwas vorsinge. Ganz ehrlich: Gibt es etwas Schöneres? Warum sollte ich ihnen diese Wünsche abschlagen? Schließlich genieße ich die Nähe zu den beiden genauso. Und ich bin mir sicher, irgendwann werde ich genau das abends schmerzlich vermissen.

Übrigens erinnere ich mich noch genau daran, wie gern ich im Bett meiner Eltern geschlafen habe. Wie sehr ich es genossen habe, dass sie mich ins Bett gebracht und sich daneben gesetzt haben. Und wie traurig ich beim Gedanken daran war, dass es irgendwann vorbei sein würde.

Deshalb werde ich auch meine Kinder weiter beim Einschlafen begleiten, so lange sie es brauchen. Und wenn es zusammengerechnet noch mal 100 Tage sein werden oder länger – vollkommen egal!

Wie ist das denn bei euch? Begleitet ihr eure Kinder auch in den Schlaf? Schlafen eure Zwerge schon allein ein? Oder wie sehen die Abende bei euch aus? Erzählt doch mal!

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Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Ich liebe den Hafen, fotografiere gern, gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Social Media und Texte ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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Kommentare

  1. Hallo
    Ich begleite meine Prinzessin auch jeden Abend in den Schlaf. Als Baby hat sie bei uns im Bett geschlafen und das auf meinem Bauch. Irgendwann haben wir dann ihr Babybett an unser Bett gebaut und sie ist in meinem Arm oder auf meinem Schoß eingeschlafen. Als sie dafür zu groß war, kam ein Kinderbett im Schlafzimmer und wir sind bei ihr gelegen, was sehr unbequem war. Nun sind wir dazu übergegangen, dass sie mit uns auf unserm Bett einschlafen darf, in meinem Arm oder neben mir und dann tragen wir die in ihr Bett in ihrem Zimmer. Und dort schläft sie dann die ganze Nacht, ganz ruhig. Ab und zu kommt sie in der macht zu uns rüber, aber nur sehr selten.
    Ich genieße es, sie in den Schlaf zu begleiten und ihr die Nähe und Sicherheit zu geben, auch wenn es Mal länger dauert, irgendwann wird diese Zeit vorbei sein….leider

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