Einleitung der Geburt: So läuft sie ab!

Es gibt wohl keinen Tag, auf den schwangere Frauen so sehr hin fiebern wie auf den Errechneten Geburtstermin (ET). Neun Monate haben wir unser Baby im Bauch getragen, und an dem Tag können wir es endlich in den Armen halten. Jedenfalls theoretisch. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass ein Baby tatsächlich am ET zur Welt kommt, ist relativ gering. Wenn ein Baby einfach nicht aus Mamas Bauch raus möchte, obwohl der ET schon überschritten ist, kommt es irgendwann zu einer Einleitung der Geburt. Was du darüber wissen solltest, haben wir hier für dich zusammengefasst.

1. Wann und warum kommt es zur Einleitung der Geburt?

Den so genannten Errechneten Geburtstermin (ET) berechnet deine Frauenärztin bei den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen. Allerdings ist es nur ein voraussichtlicher Termin, an dem du dich orientieren kannst. Denn wann dein Baby sich wirklich dazu entscheidet, auf die Welt zu kommen, kann niemand mit Sicherheit sagen. Die Mehrheit der Babys kommt nämlich innerhalb von zehn Tagen vor oder nach dem ET zur Welt. Bei nur 4 % stimmt der ET wirklich mit dem Tag der Geburt überein.

Deshalb gilt auch erst einmal: Wenn der ET überschritten ist, und dein Baby noch nicht da ist, ist das grundsätzlich noch kein Grund zur Sorge. Trotzdem werden Ärzte und Hebammen dich von jetzt an engmaschiger untersuchen und betreuen. Es ist nämlich wichtig, zu beobachten, ob dein Baby nach wie vor ausreichend versorgt wird. Dazu überprüft die Ärztin die Plazenta, das Fruchtwasser sowie die Bewegungen und den Herzschlag deines Babys. In bestimmten Fällen kann sie dir dann dazu raten, die Geburt künstlich einzuleiten. Das kann zum Beispiel aus folgenden Gründen der Fall sein:

  • Vorzeitiger Blasensprung ohne Wehen
  • Plazentainsuffizienz
  • Zu wenig Fruchtwasser
  • Entwicklungsverzögerungen
  • Kind ist vor der 38. SSW körperlich sehr groß
  • Mutter ist im höheren Alter schwanger (älter als 40)
  • Starke Schwangerschaftsbeschwerden der Mutter
  • Krankheiten der Mutter oder des Babys

Eine Terminüberschreitung von ein paar Tagen ist in den meisten Fällen nicht schlimm. Heutzutage versucht man, der werdenden Mama möglichst viel Zeit zu lassen – vielleicht startet die Geburt in den nächsten Tagen ganz von allein.

Lässt das Baby allerdings länger als eine Woche auf sich warten, könnte der Arzt dir eine Einleitung der Geburt empfehlen. Experten raten, spätestens nach 14 Tagen die Geburt einzuleiten. Auch viele Schwangere wünschen sich die Einleitung, weil sie nicht länger auf das Baby warten möchten. Ca. 20 % der Geburten werden künstlich eingeleitet, es kommt also gar nicht selten vor.

2. Einleitung der Geburt: natürlich oder mechanisch

Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Geburt einzuleiten. Welche Methoden sich anbieten, wird dein Arzt mit dir besprechen. Viele Frauen möchten bei der Einleitung der Geburt auf Medikamente verzichten. Sie wünschen sich lieber eine natürliche oder mechanische Einleitung. Dazu gehören:

Eipollösung

Die Eipollösung bietet sich für Schwangere an, bei denen der Muttermund sich bereits leicht geöffnet hat. Bei dieser Methode massieren die Hebamme oder der Arzt mit ihren Fingern sanft den inneren Muttermund, damit sich die Fruchtblase von der Gebärmutter löst. Für viele Schwangere ist dieser Vorgang unangenehm oder tut sogar weh, doch er gilt auch als eine der effektivsten natürlichen Methoden für die Einleitung der Geburt.

Fruchtblasenöffnung

Wenn die Wehen schon eingesetzt haben, aber der Geburtsvorgang stillsteht oder sehr langsam verläuft, können die Hebamme oder der Arzt die Fruchtblase künstlich öffnen. Das soll den Geburtsvorgang anregen. Da diese Methode zu Geburtskomplikationen führen kann, wird sie jedoch nur relativ selten angewendet.

Ballon-Katheter

Ist der Muttermund noch nicht reif und hat es noch keinen Blasensprung gegeben, kann der Arzt einen Ballon-Katheter einführen. Er soll Wehen auslösen, er auf den Muttermund drückt. Wenn die Frau ihn nicht als unangenehm empfindet, kann er bis zu 24 Stunden an Ort und Stelle bleiben.

3. Geburt mit Medikamenten einleiten

Wenn die natürlichen Methoden nicht ausreichen, muss die Geburt mit Medikamenten eingeleitet werden. Sie sind in der Regel nicht gefährlich und dienen nur dazu, die Geburt zu starten. Bleibende Auswirkungen haben sie nicht. Folgende Medikamente kommen bei einer Einleitung der Geburt zum Einsatz:

Oxytocin

Oxytocin wird über einen „Wehentropf“ in das Blut der Schwangeren gegeben. Es ist ein Hormon, das im Körper gegen Ende der Schwangerschaft vorkommt und unter anderem die Gebärmutter stimuliert. Oxytocin gilt als sehr wirkungsvoll, um die Wehen auszulösen, und kommt daher bei der Einleitung der Geburt häufig zum Einsatz.

Prostaglandin

Prostaglandin gibt es als Gel, Tablette oder Scheidenzäpfchen. Es handelt sich dabei ebenfalls um ein Hormon. Im Gegensatz zu Oxytocin kann es jedoch passieren, dass es keine Reaktion auslöst, oder die Wirkung erst sehr verspätet eintritt. Es gibt mehrere Medikamente mit Prostaglandinen, die zum Einsatz kommen. Besonders häufig verwenden Ärzte jedoch Cytotec (Misoprostol). Es ist eigentlich nicht als Mittel zur Einleitung der Geburt zugelassen, da es im Verdacht steht, schwere Komplikationen zu verursachen. Da es jedoch wirkungsvoll ist und günstiger als viele Alternativen, verwenden es manche Ärzte trotzdem.

Wichtig zu wissen: Die Ärzte müssen dich darüber informieren, welches Medikament sie dir geben, und sie benötigen dein Einverständnis. Bei beiden Medikamenten kann es mehrere Stunden oder sogar einen ganzen Tag dauern, bis die Geburt schließlich losgeht. Daher werden Schwangere für die Einleitung der Geburt stationär aufgenommen.

4. Geburt einleiten mit Hausmitteln und Tricks

Nicht immer ist ein ärztliches Eingreifen notwendig, um den Geburtsvorgang zu stimulieren.. Mit einigen Tricks und Mitteln kannst auch du selbstständig versuchen, die Geburt einzuleiten und Wehen zu fördern. Dazu gehören:

  • Heißes Bad
  • Massagen mit Zimt-, Nelken- oder Ingweröl oder -aromen
  • (Moderate) Bewegung
  • Scharfes Essen
  • Brustwarzen stimulieren
  • Geschlechtsverkehr

Hebammen haben ebenfalls bestimmte Methoden, um die Geburt einzuleiten. Wenn du zum Beispiel in einem Geburtshaus entbindest, können Aromaöle, Akupressur, Fußreflexzonenmassage, Yoga oder Wannenbäder zum Einsatz kommen. Besonders Akupressur hat sich bei vielen Schwangeren als sehr hilfreich erwiesen.

Mit diesen Methoden solltest du es jedoch nicht übertreiben und dich unbedingt an die Anweisungen deines Arztes halten. Helfen die Hausmittel nicht, wird der Arzt die Geburt einleiten. Das ist nicht weiter schlimm und auch nicht selten. Du kannst also ganz beruhigt sein.

5. Vorsicht: diese Methoden zur Einleitung der Geburt sind gefährlich!

Früher wurden Schwangeren Mittel zum Einleiten der Geburt geraten, die heute nicht mehr zu empfehlen sind und sogar gefährlich werden können. Diese sind:

Treppensteigen

Zwar kann Bewegung den Geburtsvorgang starten, allerdings ist Treppensteigen oft zu anstrengend für Schwangere. Deshalb raten Ärzte davon genauso ab wie von anderen intensiven Sport- und Bewegungsarten. Du solltest dich vor der Geburt nicht zu sehr körperlich anstrengen, schließlich brauchst du all deine Energie für die Entbindung.

Abführmittel

Auch von Abführmitteln raten wir dir dringend ab! Grundsätzlich solltest du die Einnahme während der Schwangerschaft unbedingt mit deiner Ärztin besprechen, um unerwünschte Nebenwirkungen zu vermeiden.

Wehencocktail

Vielleicht hast du schon einmal davon gehört, dass eine Geburt mit einem so genannten Wehencocktail eingeleitet wurde. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um Rizinusöl, das mit Saft oder ähnlichem gemischt wird. Es ist ein starkes Abführmittel, regt die Darmtätigkeit an und verursacht Durchfall. Außerdem kann dir davon auch übel werden, und es kann dich sehr schwächen. Wenn überhaupt solltest du den Wehencocktail deshalb nur zusammen mit deiner Hebamme anmischen und trinken – niemals allein!

6. Welche Risiken gibt es bei der Einleitung der Geburt?

Jede Geburt ist mit Risiken verbunden, genauso wie jeder Eingriff von außen. Der Arzt wird deshalb genau abwägen, ob er die Geburt einleiten sollte oder nicht. Denn es kann zu folgenden Nebenwirkungen kommen:

  • Wehensturm: Starke und lange Wehen, die häufig und intensiv auftreten
  • Gebärmutter-Überstimulation: Können fetalen Stress verursachen
  • Prostaglandin: Möglicherweise verspätete Wirkung, Cytocec könnte zu Gebärmutterriss, Fruchtwasserembolie oder sogar dem Tod von Kind und Mutter führen.

Außerdem wurde beobachtet, dass Babys nach der Einleitung einer Geburt häufiger per Kaiserschnitt geholt werden mussten. Grund dafür sind unter anderem sehr starke Wehen der Frau oder Geburtskomplikationen. In den meisten Fällen kommen die Kinder aber auch nach Einleitung der Geburt auf natürlichem Weg zur Welt, und sie hat keinerlei Auswirkungen auf ihre Entwicklung.

Wenn es um die Gesundheit oder das Leben von Mutter und Kind geht, führt an der Einleitung der Geburt manchmal einfach kein Weg vorbei. Die beste Entscheidung ist dann, auf die Ärzte zu vertrauen und ihrem Rat zu folgen. Natürlich hast du trotzdem jederzeit das Recht, Fragen zu stellen und dir den Ablauf genau erklären zu lassen, damit du weißt, was in deinem Körper passiert.

7. Wie lange dauert eine Einleitung der Geburt?

Es ist schwierig, vorauszusagen, wie lange es zwischen Einleitung und Geburt dauert. Jede Schwangerschaft ist anders, und das gleiche gilt für die Geburt. Wenn du Medikamente einnimmst, kann es sechs Stunden oder länger dauern, bis die Wehen einsetzen. Bis die eigentliche Geburt losgeht, können aber auch noch einmal 24 Stunden vergehen. Etwas schneller geht es, wenn die Ärzte dir die Medikamente über das Blut geben. Allerdings sind die Wehen dann oft länger und stärker.

8. Stimmt es, dass eine eingeleitete Geburt schmerzhafter ist?

Leider ja, zumindest in den meisten Fällen. Es ist generell so, dass eingeleitete Geburten schmerzhafter sind und länger dauern als normale. Der Grund dafür ist, dass der Körper sich noch nicht ganz auf die Geburt einstellen konnte und nicht komplett für die Entbindung bereit ist.

Neben dem Geburtsvorgang selbst können auch einige geburtseinleitenden Methoden schmerzhaft sein. So zum Beispiel die Eipollösung, bei der die Fruchtblase von der Gebärmutter abgelöst wird. Dieser Vorgang kann für einige Schwangere unangenehm sein oder sogar Schmerzen verursachen.

Bei allen Fragen wendest du dich am besten an deine Hebamme oder deinen Arzt. Sie können dir genau erklären, was zu tun ist, und welche Methoden sich für dich anbieten.

Mach dir also keine Sorgen – du wirst immer gut betreut, und es wird bestimmt alles gut gehen! Für die Geburt wünschen wir dir viel Kraft und alles Gute.

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Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Ich liebe den Hafen, fotografiere gern, gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Social Media und Texte ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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