Für meinen Mann und mich ist die Tatsache, dass wir überhaupt Kinder bekommen können, alles andere als selbstverständlich.
Als ich zum ersten Mal schwanger wurde, hatten wir schon einen langen Weg hinter uns. Mein Mann und ich hatten beide einen großen Kinderwunsch, doch jahrelang passierte nichts. Irgendwann führte dann kein Weg mehr daran vorbei, sich bei einer Kinderwunschklinik vorzustellen. Dort stellte sich schnell heraus, dass es für uns ohne medizinische Hilfe so gut wie unmöglich ist, Eltern zu werden.
Es waren drei künstliche Befruchtungen nötig, bis ich endlich schwanger wurde. Wir waren so glücklich, schließlich mussten wir für diese Schwangerschaft sehr hart kämpfen. Wir dachten: Endlich bekommen wir den Lohn für die schweren letzten Jahre. Dann verlor ich das Kind in der 14. SSW. Mein Mann und ich fielen in ein tiefes Loch.
Ich glaube, wir konnten zunächst gar nicht begreifen, was uns passiert ist.
Nach einem halben Jahr unterzogen wir uns erneut einer künstlichen Befruchtung. Von Anfang an hatten wir furchtbare Angst, dass ich dieses Kind wieder verlieren würde. Mein Mann und ich waren sehr vorsichtig und trauten uns lange nicht, unseren Freunden und Familien von der Schwangerschaft zu erzählen.
Schon bei dieser Schwangerschaft hat es mich extrem genervt, dass die Frage nach dem Geschlecht offenbar für alle Menschen in meinem Umfeld so wahnsinnig wichtig ist. Junge oder Mädchen, das ist doch total egal! Hauptsache dieses Kind kommt überhaupt zur Welt.
Zum Glück ging alles gut, die Geburt verlief ohne Komplikationen.
Als wir unseren Sohn zum ersten Mal sahen, waren wir sofort schockverliebt. Er war und ist das größte Geschenk für uns. Wir hatten schon fast die Hoffnung aufgegeben, es jemals zu bekommen.
Nachdem wir solches Glück hatten, dass bei unseren schlechten Voraussetzungen überhaupt ein Kind entstanden ist und den Weg zu uns fand, hatten wir kaum Hoffnung, dass es noch ein zweites Mal klappen könnte. Aber der Wunsch, wenigstens zu versuchen, ein zweites Kind zu bekommen, überwog – und wieder klappte es beim ersten Versuch.
Wir waren super happy, dass wir sogar noch ein Geschwisterchen für unseren Sohn bekommen würden.
Bald wussten wir dann auch, was es wird: Ein kleines Brüderchen. Doch als ich meine Schwangerschaft mit einem zweiten Jungen verkündete, regnete es unpassende Kommentare.
Denn da wir schon einen Sohn haben, scheinen sich die meisten sicher: Insgeheim bin ich entsetzt, dass es wieder ein Junge wird. Viele sehen mich ganz mitleidig an: ‚Du Ärmste, dann bist du alleine mit drei Männern!‘ Für mich ist diese Reaktion eine Frechheit. Natürlich können diese Menschen nicht wissen, dass sie damit bei mir einen wunden Punkt treffen, aber trotzdem bin ich genervt.
Ich bin dankbar, dass wir das Glück haben, dass wir bald sogar ein zweites Kind in unsere Arme schließen dürfen.
Nicht eine Sekunde habe ich darüber nachgedacht, dass es dieses Mal ein Mädchen werden soll. Okay, ich bin schon Jungsmama, aber das heißt doch nicht, dass ich mir nun eine Tochter wünsche. Im Gegenteil: Unser Sohn ist wundervoll, wenn ich noch mal so ein Kind bekomme, dann bin ich die glücklichste Mutter auf der Welt.
Ich weiß, dass viele Frauen gewisse Wünsche und Vorstellungen zum Geschlecht ihrer Kinder haben. Darüber möchte ich nicht urteilen, auch wenn mir das manchmal schwer gefallen ist, als wir einen unerfüllten Kinderwunsch hatten. Doch ich bitte alle, die diesen Text lesen: Seid vorsichtig mit euren Worten, denn sie können verletzend sein. Für mich ist jedes Kind ein Geschenk.”
Liebe Lisa, vielen Dank, dass du uns deine Geschichte anvertraut hast. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!
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Ich finde die geschichten berürend und ich bin erst 12
Hi,
ich bin erst 10 und lese diesen Text hier. Mir fehlen die Worte…Es war so berührend! Man sollte sich glücklich damit schätzen, was man hat
Es ist immer von Vorteil, mehrere Perspektiven zu betrachten, deshalb habe ich den Beitrag mit großem Interesse und Respekt gelesen. Schwieriges Thema.
Ich denke, es ist okay und normal, wenn andere nach dem Geschlecht des ungeborenen Kindes fragen, aber das sollte nicht in einer ungeschickten Be- bzw. Verurteilung enden.
Ich kenne eine Mutter, deren größte Sorge es ist, ob das Kind rote Haare bekommt…
Berichte wie diese hier zeigen, wie wertvoll und oft nicht selbstverständlich das Leben eines Kindes ist, egal ob männlich, weiblich oder rothaarig.
‚@3 fach Mama: Ich denke nicht, dass Smalltalk ein Problem wäre. Vermutlich nicht mal die Frage, was es denn wird. Aber das Geschlecht zu bewerten ist ein Problem. Ich fand es z.B. immer total mies, dass mein Papa bedauert wurde, weil er „nur“ zwei Mädchen hat (ihm war das übrigens egal, er wollte sogar lieber Mädchen) und wir damit als minderwertig betrachtet wurden.
Natürlich hat jeder das Recht auf Wünsche oder Vorlieben, warum auch nicht, aber genauso gut darf einem doch auch egal sein, ob man ein Mädchen oder einen Jungen bekommt. Hauptsache man hat es lieb. Und mit der Geschichte ist das doch wohl auch absolut verständlich.
Und ja, klar, ist das ein „ich habe gelitten, bitte hört mich an“. Nur, was ist daran denn zu viel verlangt? Wenn Sie so wenig Empathie besitzen, ist es auch echt besser, wenn Sie keine Lust auf Menschen haben!
Ich wünsche allen Mamas und ihren Kids hier alles Gute. Leider werde ich nie dazugehören. Und ganz ehrlich, könnte ich Kinder haben, hätte ich am Liebsten von jedem mindestens eins, aber am Ende sind andere Dinge wichtiger und jedes Kind ist ein Wunder und ein Geschenk, umso mehr, wenn man es nicht leicht hat, bis man es im Arm halten darf oder das nie kann.