„Junge oder Mädchen – ist das nicht total egal?”

„Was ist wohl die häufigste Frage, die mir seit meiner Schwangerschaft gestellt wird? Wahrscheinlich die nach dem Geschlecht des Babys. ,Junge oder Mädchen` ist für die meisten Menschen in meinem Umfeld offenbar ganz normales Smalltalk-Material.

Aber ist die Antwort wirklich so wichtig?

Auf Social Media bekomme ich es ständig vor die Nase gehalten: Dort gehört es mittlerweile zum guten Ton, das Geschlecht seines Babys pünktlich der Community zu verkünden und zwar nicht einfach so – auf keinen Fall! Am besten mit einer zünftigen „Gender Reveal Party“. Bei diesem amerikanischen Trend, der auch in meinem Bekanntenkreis immer beliebter wird, eröffnen die Eltern ihren Gästen das Geschlecht des Kindes ganz feierlich – bunte Luftballons, Luftschlangen und Konfetti inklusive. Selbstverständlich farblich passend, was in dieser Logik bedeutet: Entweder in Blau oder in Rosa.

Aber wieso ist das eigentlich so, dass uns das Geschlecht unseres Kindes so wichtig ist? Ich konnte mir selbst darauf keine zufriedenstellende Antwort geben und habe einfach beschlossen, mich überraschen zu lassen. Anfangs habe ich mir nicht viel dabei gedacht und es einfach für eine lustige Idee gehalten, doch mit den heftigen Reaktionen auf diese Entscheidung habe ich nicht gerechnet. Ich hatte ja keine Ahnung, wie sehr es die Menschen in um mich herum offenbar verwirrt, dass ich das Geschlecht meines ungeborenen Kindes während der Schwangerschaft eben einfach nicht wissen will.

Für Mädchen alles in rosa

Die Reaktionen von Freunden und Bekannten reichten dabei von völligem Unglauben bis hin zu Unverständnis. Besonders merkwürdig kam mir vor, welche eindeutigen Vorstellungen mit dem Geschlecht des Kindes verknüpft sind. So unterstellten mir viele, dass ich mir als Frau bestimmt ein Mädchen wünschen würde. „Du bist doch schon ganz wild darauf, alles in rosa zu dekorieren“, war nur einer der nervigen Kommentare aus meiner Familie. Mit solchen Sätzen kann ich nichts anfangen, ich bin schließlich auch eine Frau und interessiere mich null für die Farbe Rosa. Also, warum sollte ich mir unbedingt ein Mädchen wünschen? Nur, weil wir dann die gleichen Geschlechtsmerkmale aufweisen würden? Ich wünsche mir in erster Linie ein gesundes Kind – das ist doch nachvollziehbar, oder?

Trotzdem können sich Freunde und Familie ihre Kommentare nicht verkneifen. So wünscht sich der Opa unbedingt einen ,Stammhalter` und Schwiegermutti weiß ganz genau, dass ein kleines Mädchen viel besser in unsere Familie passen würde. Irgendwo in mir regt sich bei solchen ,harmlosen` Äußerungen Widerstand: Soll ich mich dann etwa entschuldigen, wenn es doch nicht das gewünschte Geschlecht wird? Für mich als Fast-Mama steht fest, dass ich mich über jedes Geschlecht gleichermaßen freue. Viel entscheidender als ,Junge oder Mädchen` ist in meinen Augen sowieso die Persönlichkeit, die mein kleiner Schatz entwickeln wird.

,Sorry, dass es nun doch ein Junge geworden ist`

Besonders Freundinnen taten sich am Anfang schwer damit, dass ich dem Geschlecht des Babys so wenig Bedeutung beimesse: Wie würde ich das denn bei der Ausstattung des Kinderzimmers machen? Entschuldigung, ich verstehe die Frage nicht! Es gibt so viele neutrale Farben, die zu jedem Baby passen. Dem Neugeborenen ist das doch außerdem völlig schnuppe. Genauso unproblematisch sehe ich die Namensuche. Mir macht sie Spaß und dann halte ich eben zwei Namen parat. Außerdem gibt es auch echt tolle Unisex-Namen, die für beide Geschlechter funktionieren.

Am schmerzhaftesten jedoch empfand ich die Frage, ob ich denn gar nicht wissen wolle, was für ein kleiner Mensch da in mir heranwächst. Ich beobachte mein kleines Wunder nun schon seit Monaten ganz genau: Ich weiß, welche neuen Fähigkeiten es gerade entwickelt oder wie viel es inzwischen wiegt. Die wichtigste Info für uns werdende Mamas ist doch, dass sich unser Baby gut entwickelt, oder? Nur weil für mich das Geschlecht nicht so ausschlaggebend ist, heißt das nicht, dass ich mich nicht für mein Kind interessiere!

Hauptsache gesund!

Trotzdem liegt es mir fern, jemanden zu verurteilen, der erfahren will, ob in seinem Bauch ein Junge oder ein Mädchen heranwächst. Das Geschlecht seines Kindes erfahren zu wollen, ist für mich ein völlig nachvollziehbarer Wunsch. Vielleicht hilft die Antwort auf die Frage ,Junge oder Mädchen` manchen werdenden Eltern, sich die Zukunft mit dem neuen, kleinen Menschen schon mal auszumalen.

Mir ist es nur wichtig, dass ich für meine Entscheidung ebenso akzeptiert werde. Und wer weiß, vielleicht animiere ich ja doch die eine oder andere Mama über ihre Vorstellungen zum Thema ,Junge oder Mädchen` nachzudenken. Aber das Wichtigste ist, dass das kleine Wesen gesund auf die Welt kommt. Und das ist ein Wunsch, der wohl alle Mamas vereint!“

Vielen Dank, liebe Anja, für deine Meinung! Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe.

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Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und bin dort immer gerne im Grünen unterwegs.

Auch wenn ich selbst noch keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Seit ich denken kann, liebe ich es, zu schreiben – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit dem schönsten Thema der Welt auseinandersetzen. Das passt einfach!

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