Und so sieht die neue Regelung konkret aus:
„Von Montag bis Freitag läuft unser Fernseher nicht (zumindest nicht, wenn die Kinder wach sind). In unserem Haushalt ist Bildschirmzeit nur am Wochenende erlaubt, eine Regel, die auf dem Wunsch meines Mannes beruht.” Ist das immer einfach? Sicher nicht!
„Ja, mir ist durchaus bewusst, wie viel Frust ich mir ersparen könnte, wenn ich den Kindern erlaube, am Bildschirm zu sein, während ich das Abendessen vorbereite oder (Gott bewahre) ein fünfminütiges Telefonat führe, um einen Arzttermin zu vereinbaren, mich mit meiner Mama treffe oder etwas auf meiner To-Do-Liste in Angriff nehme. Trotzdem bevorzuge ich es, wenn sie draußen spielen und sich schmutzig machen.”
Digitale Endgeräte im Alltag trotzdem präsent
Dass ihre Kinder zuhause eine Auszeit vom Bildschirm bekommen, ist Michelle auch deswegen wichtig, weil sie in ihrem Umfeld immer häufiger damit konfrontiert werden. „Mein Ältester kommt in die erste Klasse, wo es ein eigenes Unterrichtsfach für Technik gibt und die Zeit, die sie mit Tablets und Laptops verbringen, zunimmt.”
Während die dreifache Mama überzeugt von dem Konzept ist, wird sie von anderen Eltern dafür kritisiert. „Ihr Gesichtsausdruck mit großen Augen und offenem Mund sagt eigentlich genug über ihre missbilligende Meinung über unsere Familienregeln.” Doch zusätzlich hört Michelle auch Kommentare wie: „Aber du raubst deinen Kindern doch ihrer Kindheit!“ oder „Komm schon, lass Kinder Kinder sein!“
Und das, obwohl die Forschung der dreifachen Mama Recht gibt:
Eine neue Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und der Uni Witten/Herdecke Tipps für eine angemessene Bildschirmzeit bei Kindern. Vor allem gilt: Je weniger, desto besser. Denn laut Forschungsergebnissen kann übermäßiger Bildschirmkonsum bei Kindern nicht nur zu Kurzsichtigkeit führen und ADHS begünstigen. Er könne auch zu Schlafstörungen führen und in früher Kindheit auch das Erlernen von Sprache und Motorik stören.
Für Kinder unter drei Jahren sollten Bildschirmzeiten noch gar keine Rolle spielen, in diesem Alter empfehlen die Experten, Kinder von Bildschirmen fernzuhalten. Das erste eigene Handy und die erste eigene Konsole sind frühestens ab neun Jahren okay – allerdings mit klaren Regeln und nicht ohne Limit. Mehr dazu HIER >>>
„Es ist anstrengend, das Gefühl zu haben, diese Haushaltsregel immer wieder verteidigen zu müssen.”
„Andere Eltern zu verurteilen, nützt unseren Kindern nichts; Ich denke darüber nach, wenn der Spieß umgedreht wird, und ich treffe auf Eltern, die ihren Kindern erlauben, viel Zeit vor dem Bildschirm zu verbringen. Ich frage mich oft, warum sich Mütter im Allgemeinen so aufregen, wenn sie von den Entscheidungen eines anderen Elternteils hören, die nicht mit ihren eigenen übereinstimmen.”
Für Michelle steht fest, dass alle Eltern ihren eigenen Weg gehen müssen. Sie hat nur eine Bitte: „Mutter zu sein ist schwer genug. Können wir uns nicht alle gegenseitig mehr Unterstützung und weniger Verurteilen anbieten?”
Bildschirm-Verbot: „Ich will meine Kinder draußen spielen sehen.”
Von
Lena Krause
27. Februar 2024