Neue Studie: Smartphones machen unsere Kinder depressiv

Tief in unserem Inneren wissen wir es doch alle schon längst: Es tut unseren Kindern nicht gut, zu viel Zeit am Handy, Tablet oder PC zu verbringen. Ab einem gewissen Alter geht es schon gar nicht mehr ohne. Und auch bei den Kleineren haben wir doch alle – Hand aufs Herz – schon ein Auge zugedrückt und sie ein Youtube-Video gucken lassen, um mal eben in Ruhe die Spülmaschine auszuräumen.

Das führt auch sicherlich nicht gleich zur Verwahrlosung oder seelischen Verkümmerung unserer Kinder, aber eine Studie aus den USA macht jetzt doch Erschreckendes über die psychische Entwicklung von Kindern seit der Einführung des iPhones deutlich.

Dr. Jean Twenge forscht seit über 25 Jahren über Generationenunterschiede und hat darüber das Buch „iGen“ geschrieben. In den Jahren 2011 und 2012 stellte sie etwas Erschreckendes fest. (In diesen Jahren knackte die Zahl der iPhone-Besitzer in den USA die 50% Marke.)

Und in diesem Jahren sagten erstmals deutlich mehr Kinder und Jugendliche als vorher,

  • dass sie sich „traurig, hoffnungslos, nutzlos“ fühlten
  • dass sie nichts richtig machen konnten
  • dass sie sich einsam und verlassen fühlten

Die Zahl der Depressionen auf klinischem Niveau stieg zwischen 2011 und 2015 um 50 Prozent. Dr. Jean Twenge spricht sogar von der schlimmsten Krise der psychischen Gesundheit seit Jahrzehnten. Aber warum ist das so? Warum machen uns elektronische Geräte traurig?

Naja, wenn wir uns mal an unsere Kindheit erinnern: Wir wussten nicht über jede Party, die ohne uns stattfand, Bescheid. Vielleicht hatten wir davon gehört, wurden aber nicht mit so vielen Fotos von Leuten, die ohne uns Spaß haben, konfrontiert. Seit Facebook, Instagram, Snapchat und Co. hat sich das massiv verändert.

Wenn wir mit unseren Freunden abhingen, war es uns egal, wie wir aussahen. Wir machten es uns in Jogginghosen gemütlich, blieben auch mal ungeschminkt und unfrisiert. Es lauerte ja nicht die ständige Gefahr, fotografiert zu werden und so im Internet zu landen.

Wenn wir in der Schule geärgert wurden, konnten wir nach Hause fliehen. Heute verfolgen Mobber ihre Opfer über die sozialen Medien bis in ihr Kinderzimmer, einen Ort, der eigentlich sicher sein sollte.

Cybermobbing: Auch im eigenen zu Hause ist die böse Außenwelt nicht mehr ausgeschlossen. Foto: Bigstock

Victoria Prooday, Verhaltenstherapeutin und Autorin auf yourot.com, schreibt dazu: „In unseren Häusern entwickelt sich gerade eine stille Tragödie, die  unsere wertvollsten Juwelen trifft: unsere Kinder“.

Forscher haben alarmierende Statistiken über einen scharfen und stetigen Anstieg der psychischen Erkrankung von Kindern veröffentlicht, der nun epidemische Ausmaße erreicht:

  • jedes fünfte Kind hat psychische Probleme
  • die Rate der ADHS-Diagnosen ist um 43% gestiegen
  • die der Teenager mit Depressionen um 37%
  • die Selbstmordrate unter 10 bis 14 Jährigen um katastrophale 100%

Ihrer Meinung nach liegt das daran, dass Kinder heute den Grundlagen einer gesunden Kindheit beraubt werden. Dazu gehören:

  • Emotional verfügbare Eltern
  • Klar definierte Grenzen und Richtlinien
  • Verantwortlichkeiten
  • Ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf
  • Bewegung und frische Luft
  • Kreatives Spiel, soziale Interaktion, unverplante Freizeit und Langeweile

Stattdessen bekommen sie:

  • Eltern, die digital abgelenkt sind
  • Zu nachsichtige Eltern, die Kinder die Welt regieren lassen
  • Anspruchsdenken statt Verantwortung
  • Unzureichender Schlaf und unausgewogene Ernährung
  • Endloses Entertainment, technologische Babysitter, sofortige Befriedigung und das Ausbleiben langweiliger Momente.

Wie wahr… und wie traurig.

Doch was können wir als Eltern dagegen tun? Unseren Kindern das Handy wegnehmen? Nicht wirklich. Neue Medien gehören heute einfach dazu, unsere Kinder müssen nur lernen, richtig damit umzugehen. Und – genau wie wir Erwachsenen auch – vielleicht ein wenig den Konsum reduzieren.

Wir haben ein paar Tipps gesammelt, wie ihr das erreichen könnt und wie ihr eure Kinder mental und körperlich auf ein eigenständiges, selbstbewusstes und gesundes Leben vorbereiten könnt:

  • Tauscht Bildschirmzeit für übernommene Verantwortung. Kinder brauchen das Gefühl, gebraucht zu werden. Und schon die kleinsten können einfache Aufgaben wie das Tischdecken übernehmen. Wenn nicht alle mithelfen, gibt es kein Abendbrot. Die Kinder hier mit einzubinden, stärkt nicht nur ihr Selbstbewusstsein, ihr könnt es auch mit einem Deal verbinden und ihnen so beibringen, dass die Arbeit vor dem Vergnügen kommt. Wer in der Küche hilft, darf nach dem Essen noch etwas fernsehen oder am Handy spielen.
  • Tut das, was vor der Erfindung der Smartphones gemacht wurde: Spielt mit euren Kindern. Vielleicht ja mal wieder ein schönes Brettspiel mit der ganzen Familie?
  • Nutzt das Abendessen, um euch miteinander zu unterhalten. Führt ein Handyverbot bei Tisch ein. Für alle!
  • Das Gleiche könnt ihr auch im Auto einführen. Handy weg – Zeit zu reden!
  • Lasst alles stehen und liegen, wenn eure Kinder nach Hause kommen. Vor allem Handy, PC und Fernseher. Nehmt euch die Zeit, sie zu begrüßen und zu hören, wie ihr Tag war.
  • Lasst sie aber auch mal alleine spielen – ohne Handy. Es ist toll und wichtig, dass ihr euch Zeit für eure Kinder nehmt. Aber sie müssen sich auch mit sich selbst beschäftigen können und selbst einen Weg aus der Langeweile finden. So erfahren sie auch, wer sie eigentlich sind, ganz für sich allein, ohne den Einfluss durch andere. Was macht ihnen Spaß? Worin können sie ganz und gar aufgehen?
  • Rettet eure Kinder nicht aus jeder kleinsten – und selbstverschuldeten – Situation. Wenn sie ihr Pausenbrot selbst machen sollen, dabei aber rumtrödeln, weist sie darauf hin, aber springt nicht mit Essensgeld oder einem fertigen Snack ein, wenn sie es am Ende nicht schaffen. Meist kriegen sie in der letzten Minute doch die Kurve und müssen in der Pause nicht hungern.
  • Sorgt aber dafür, dass sie wissen, dass sie immer zu euch kommen können, wenn sie etwas belastet und dass sie mit euch über all ihre Sorgen sprechen können. Natürlich müsst ihr euch dann auch die Zeit nehmen.
  • Achtet darauf, dass euer Kind genug Schlaf bekommt. Er ist essentiell für die mentale Gesundheit!
  • Ein gesunder Geist lebt in einem gesunden Körper: Verbannt Junkfood und ersetzt es durch frisches Obst und Gemüse zum snacken. Auch mäkelige Esser finden bestimmt ein, zwei Obstsorten, die ihnen schmecken.
  • Seid das beste Vorbild! Versucht selbst, eure Bildschirmzeit einzuschränken. Nehmt euch vor, in der Zeit in der ihr mit euren Kindern zusammen seid, das Handy nicht in die Hand zu nehmen – wenn jemand anruft, dürft ihr natürlich dran gehen 😉 Aber Spiele, Facebook oder Emails sind tabu! Das tut nicht nur euren Kindern gut, sondern bestimmt auch euch selbst!

 

Britta Kunz

Ich bin freie Autorin und Redakteurin und seit meinem Geburtstag vor zwei Jahren auch Mama eines fantastischen Sohnes. Wir leben zusammen mit meinem Freund in Hamburg und werden ab dem kommenden Sommer sogar zu viert sein.
Als echtes Küstenkind liebe ich es am und auf dem Wasser zu sein. Früher waren mein Freund und ich echte Weltenbummler. Momentan besuchen wir eher Traumziele an der Ostsee oder der Lüneburger Heide. Aber wir freuen uns jetzt schon darauf, mit unseren Kindern die große weite Welt ganz neu zu entdecken.

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