Asthma im Alltag – so hast du deinen Entzündungswert im Blick

Julia kann sich noch ziemlich gut daran erinnern, wann sie das erste Mal gespürt hat, wie sich Luftnot anfühlt. Sie war etwa acht Jahre alt und spielte mit ihrer Mama verstecken in einem Kornfeld. „Plötzlich waren Augen und Nase verschwollen und das Atmen wurde schwer.“ In den Folgejahren wurden nicht nur diverse Allergien, sondern auch „Asthma bronchiale“, die chronisch entzündliche Erkrankung der unteren Atemwege, bei der Hamburgerin diagnostiziert. Inhalationsgerät und Asthmaspray waren fortan ihre ständigen Begleiter – egal ob vor dem Sportunterricht oder während des Übernachtungsbesuchs bei Oma und Opa.

Tatsächlich müssen in Deutschland etwa 5 bis 7 Prozent der Erwachsenen damit leben, dass sich zeitweise die unteren Atemwege verengen. Laut Robert-Koch-Institut sind sogar 10 bis 15 Prozent der Kinder betroffen – darunter auch zwei von Dreifach-Mama Julia. Bei bis zu 80 % der Betroffenen ist die Überempfindlichkeit allergisch bedingt – Julia hat z.B. Probleme mit Heuschnupfen, Tierhaaren und Hausstaub. Pfeifende Atmung, starker Husten, ein Engegefühl in der Brust und Kurzatmigkeit bis hin zu Atemnot sind die typischen Symptome. „Ich hatte mein Asthma über viele Jahre sehr gut im Griff, war nicht sehr häufig beim Arzt“, erzählt Julia. „Doch seit der zweiten Schwangerschaft muss ich die für mich bislang maximale Dosierung an Medikamenten nehmen.“

Besondere Aufmerksamkeit bei Asthma in der Schwangerschaft

Wie Julia geht es vielen Frauen, von denen im Erwachsenenalter übrigens grundsätzlich mehr von Asthma betroffen sind als Männer. Veränderungen des Hormonspiegels, psychischer Stress, eine veränderte antivirale Immunität mit erhöhter Anfälligkeit für Virusinfektionen oder eine gewisse Vernachlässigung der Behandlungsroutine – all das kann sich in der Schwangerschaft auch auf das Asthma auswirken. Tatsächlich kommt es in dieser Zeit bei rund einem Drittel der Asthmatikerinnen zu einer Verschlechterung der Krankheitssymptome, fast die Hälfte erleidet sogar einen Asthmaanfall! Eine Verschlechterung der Symptome belastet natürlich nicht nur die Gesundheit der Mutter, sondern kann auch dem Ungeborenen schaden. Zu den Risiken gehören etwa:

  • Bluthochdruck
  • erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt
  • zu niedriges Geburtsgewicht des Kindes
  • Sauerstoffmangel beim Fötus
  • generell höheres Sterblichkeitsrisiko für Mutter und Kind

Eine Studie aus Australien*hat herausgefunden, dass bei Kindern von Frauen, die in der Schwangerschaft regelmäßig eine FeNO-Messung vorgenommen hatten, um 40 Prozent weniger häufig ein frühkindliches Asthma diagnostiziert wurde.

Mit Asthmaanfällen hatte die heute 44-jährige Julia, die nach ihren Zwillingen noch ein drittes Mädchen erwartete, glücklicherweise nicht zu kämpfen. Sie war dennoch verstärkt auf ärztlichen Rat angewiesen, da sie während der Schwangerschaft zudem zwei Lungenentzündungen durchstehen musste – seither leidet die Dreifach-Mama auch noch unter chronischem Husten. „Auch wenn ich meine Kortison-Präparate inhaliere und daher nur geringe Mengen an Wirkstoffen in den Blutkreislauf gelangen, möchte ich die Dosis gern verringern“, sagt Julia.

Hier findest du mehr zu Asthma in der Schwangerschaft.

10 Sekunden pusten und kurze Zeit später zeigt das Gerät den FeNO-Wert an.

10 Sekunden pusten und kurze Zeit später zeigt das Gerät den FeNO-Wert an. Foto: PR Bosch

Zu Hause selbst den FeNO-Wert überprüfen

Bei der Überwachung des Asthmas kann die sogenannte FeNO-Messung helfen. Dabei wird das Stickstoffmonoxid (NO) im Atem der Patientin gemessen, das bei allergischen Atemwegsentzündungen in den Bronchien entsteht. Bislang bestand lediglich die Möglichkeit, diesen Wert in einer Arztpraxis zu bestimmen. Gerade für Schwangere oft unpraktisch – nicht nur in Corona-Zeiten. Außerdem handelt es sich für gesetzlich Versicherte um eine kostenpflichtige Zusatzleistung. Julia weiß noch gut, dass der höchste jemals bei ihr gemessene Wert bei 90 lag. „Ich hatte keine dramatischen Beschwerden, aber habe einfach gespürt, dass das Asthma nicht gut eingestellt war.“ Ideal ist tatsächlich ein Wert von unter 25. Die Hamburgerin hat beschlossen, das weltweit erste FeNO-Heimmessgerät Vivatmo me von Bosch auszutesten, um den Entzündungsgrad ihrer Atemwege zu bestimmen und möglichst bald mit ihrem Arzt eine Reduzierung der Medikation abzusprechen.

Das erste Fazit nach zwei Wochen: „Es ist total praktisch, den FeNO-Wert daheim zu messen, da sich der Vorgang leicht in den Alltag integrieren lässt.“ Das Gerät ist sehr einfach zu bedienen: Erst einen Moment warten, bis es betriebsbereit ist, dann für etwa zehn Sekunden in das Einweg-Mundstück hinein pusten und schon erscheint der FeNO-Wert. Bei Julia lag er relativ konstant immer unter 20. „In der Vivatmo app werden meine Werte in einer Art Tagebuch festgehalten, so habe ich den Verlauf im Blick“, sagt Julia. Die kostenlose App aus dem App- oder Play-Store dokumentiert nicht nur Messwerte oder Medikation, sondern informiert Allergiker bei Bedarf auch über den aktuellen Pollenflug.

Asthma: Die wichtigsten Infos auf einen Blick.

Asthma: Die wichtigsten Infos auf einen Blick.

Asthma ist vererbbar – zwei von Julias Töchtern sind auch Asthmatikerinnen

Nicht verwunderlich, dass ihre drei Töchterchen das handliche Gerät, das ein wenig an eine Fernbedienung mit Mundstück erinnert, ziemlich spannend finden. Das liegt an gesunder kindlicher Neugier, aber auch daran, dass zwei von ihnen längst wissen, was es heißt, zu Hause medizinisches Equipment zu benutzen. „Eine meiner Zwillinge hatte schon mit etwa einem Jahr immer wieder Infekte und Lungenentzündungen. Wir waren erst beim Kinderarzt, später beim Lungenfacharzt und dann sogar in der Kinderklinik mit ihr.“ Nach dem Krankenhausaufenthalt wurde irgendwann „frühkindliches Asthma“ diagnostiziert – so wie bei insgesamt 10 bis 15 Prozent der Kinder in Deutschland (weitere Informationen zu Asthma bei Kindern findet ihr hier).

Und obwohl Julia selbst einen medizinischen Hintergrund hat, gab es immer wieder kritische Situationen, die sie bis an die Grenze der Belastbarkeit gebracht haben. „Ich kann nur jedem empfehlen, sich auf die eigene Wahrnehmung zu verlassen. Eltern kennen ihre Kinder am besten. Und wenn man das Gefühl hat, es stimmt etwas nicht, dann muss man manchmal hartnäckig sein.“ Sie ist unglaublich froh, dass die Fünfjährige momentan tatsächlich ohne Inhalation auskommt, die lange zur morgendlichen und abendlichen Routine gehörte. „Bei meiner jüngsten Tochter ging es schon im Alter von fünf Monaten mit Husten los. Und in Absprache mit einem Experten der Lungenambulanz bekam sie dann sehr schnell dieselbe Kortison-Dosis wie ihre ältere Schwester“, erzählt Julia. Sie bewundert, wie schnell die beiden Mädels die Inhalation akzeptiert haben. „Sie haben mich manchmal sogar daran erinnert – und dadurch auch sehr früh zählen gelernt.“

In Absprache mit dem Arzt kontrollieren

Für das neue „Vivatmo me“-Gerät sind die Mädchen jedoch noch etwas zu jung. „Die Altersempfehlung ab sieben Jahre macht absolut Sinn, da das Gerät zwar leicht zu lesen ist, aber man mit einem kontinuierlichen Luftstrom langsam gegen einen leichten Widerstand pusten muss – und das muss man selbst als Erwachsener ein bisschen üben“, sagt Julia. Auch wenn eine farbliche LED-Anzeige den richtigen Luftstrom überwacht – ein bisschen zu schwer für kleine Mäuse. Kennen wir ja vom Luftballonaufblasen. Trotzdem freut sich Julia, dass sie die praktische Unterstützung irgendwann auch für die Mädchen nutzen kann. Natürlich sind die Anschaffungskosten hoch, aber es spart definitiv Zeit, die Kosten für Messungen beim Arzt und gibt eine gewisse Sicherheit. Selbstverständlich alles in Absprache mit dem behandelnden Experten: „Ich finde es sehr gut, dass es immer mehr technische Hilfe für zu Hause gibt“, sagt Julia. „Das macht uns natürlich nicht alle zu Ärzten, aber es ist nützlich für den Austausch mit den Experten.“

* Powell et al. Lancet 2011 / Morten et al. J Allergy Clin Immunol 2018

Alma Ettwig

Ich bin Mutter zweier Söhne (2010 und 2015 geboren) – und oft ist es nicht so einfach, Job und Familie unter einen Hut zu bekommen. Wie gut, dass ich das, was ich tue, so sehr liebe! Schreiben ist immer auch Ausgleich für mich. Für Abwechslung sorgt außerdem unser Labradoodle Kalle, der uns freudig zu Ausflügen an Alster, Elbe und Ostsee begleitet. Der vierte Mann im ohnehin ziemlich lebendigen Haus. Aber ich find’s herrlich!

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