An alle Mütter, deren Männer (zu) viel arbeiten: Ihr seid nicht allein

Vielleicht wusstest du schon von vornherein, dass dein Mann wegen seiner Arbeit kaum zu Hause sein würde. Vielleicht habt ihr am Anfang noch darüber geredet, alles gleichberechtigt aufzuteilen. Doch jetzt verbringst du die meiste Zeit mit deinen Kindern alleine zu Hause – und fühlst dich vor allem unendlich erschöpft und viel zu oft einsam.

Auch Britta aus unserer Community weiß, wie es ist, wenn der Mann viel zu oft abwesend ist. Nicht unbedingt, weil er nicht bei seiner Familie sein möchte, sondern weil sein Job ihn so fordert.

Sie hat einen Brief an alle Mütter geschrieben, denen es wie ihr geht:

„Was meint ihr, wie oft ich das schon gehört habe: ‚Du hast doch vorher gewusst, dass dein Mann keinen Nine-to-five-Job hat.‘ Stimmt! Trotzdem habe ich mich in ihn verliebt, trotzdem haben wir uns (gemeinsam!) für unsere drei Kinder entschieden. Auch weil ihm immer wieder in Aussicht gestellt wurde, bald kürzer treten zu können. Doch leider wurde nie etwas daraus. Und gerade jetzt, in Corona-Zeiten, wirft man einen unbefristeten Job nicht einfach so weg.

Und auch wenn es für manche naiv klingt: So ganz wusste ich  doch nicht, wie es sein würde, drei Kinder (fast) alleine großzuziehen. Wie erschöpft und einsam ich mich fühlen würde, obwohl ich doch nie einen Moment für mich alleine habe. Weil unser drittes Kind gerade ein halbes Jahr alt ist, bin ich noch in Elternzeit. 12 Stunden am Tag bin ich allein für unsere Kinder verantwortlich, treffe alle wichtigen Entscheidungen, habe im Kopf, was in KiTa und Schule gerade anliegt, und wann der nächste Arzttermin fürs Baby ansteht. Nebenher fülle ich den Kühlschrank und versuche auch sonst, im Haushalt soviel wie möglich zu schmeißen, weil ich das meinen Mann am Ende seines langen Arbeitstages nicht mehr zumuten möchte. Vor kurzem sagte eine Freundin zu mir: ‚Ich beneide dich darum, den ganzen Tag nur für deine Kinder da sein zu müssen!‘  ‚Wenn du nur wüsstest‘, habe ich gedacht.

Der Zoff darum, wer es besser (oder schlechter) hat

Eine Weile haben mein Mann und ich uns oft gestritten. Ich war sauer, weil er mir die ganze Verantwortung für den wertvollsten Schatz in unserem Leben überließ: unsere Kinder. Er war verärgert, weil ich meckere, obwohl er doch so hart ackerte. Weil ich in seinen Augen den Luxus genoss, gemütlich mit den Kindern zu Hause bleiben zu dürfen.

Eine Weile stand es schlecht um uns. Doch nach einem weiteren heftigen Streit, an dessem Ende wir uns heulend in den Armen lagen, begriffen wir etwas: Jeder von uns arbeitet auf seine Weise beinhart. In Abwesenheit gibt auch er alles für die Familie. Ich weiß, dass er auch gerne mehr Zeit mit uns verbringen würde und wie sehr er unsere Kinder liebt. Und sie ihn! Sie juchzen, wenn er sie am Wochenende, umherwirbelt, knuddelt oder auf dem Fußballplatz bejubelt. Das möchte ich nicht missen und deshalb würde ich alles nochmal genauso machen. In der Zeit, in der er da ist, könnte er kein besserer Vater sein. Umgekehrt ist ihm aufgegangen,  dass auch mein Anteil an unseren Familienleben nicht immer das reinste Zuckerschlecken ist.

Was mir an schlechten Tagen hilft

Die Situation ist wie sie ist. Daran lässt sich gerade kaum etwas ändern. Trotzdem möchte ich bisweilen sagen dürfen, wie erschöpft ich bin, ohne dafür verurteilt zu werden. Falls es dir so geht wie mir, lass dir gesagt sein: Du hast jede Wertschätzung verdient. Dein Einsatz für die Familie lässt sich womöglich nicht in einem üppigen Gehalt aufwiegen und vielleicht würde sich die Welt auch ohne dich weiterdrehen, aber du bist es, die EURE Welt am Laufen hält. Was könnte wichtiger sein?

Mein Mann und ich wissen inzwischen: Auch wenn wir die Herausforderungen unseres jeweiligen Alltags getrennt meistern, sind wir doch nicht alleine! Wir ackern uns für das gleiche Ziel ab – das macht es nicht weniger anstrengend. Aber zu wissen, dass wir am Ende doch ein Team sind, in dem jeder das Beste beiträgt, was ihm möglich ist, hilft mir sehr.“

Jana Seidel

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