Alltag einer Erzieherin: „Kranke Kinder gehören ins Bett, nicht in die Kita“

Sie wickelt 15 Kinder in einer Stunde, spielt, malt, bastelt, kocht – und kommt dabei oft an ihre Grenzen. Hier erzählt eine Erzieherin, wieso sie trotzdem den schönsten Beruf der Welt hat. Und was sich ändern müsste, damit ihr Arbeitsalltag einfacher wird. 

Liebe Eltern, ich habe den schönsten Beruf der Welt: Ich kann mit kleinen Menschen zusammensein, sie dabei begleiten, wie sie jeden Tag die Welt neu entdecken. Aber in meinem Arbeitsalltag komme ich oft an meine Grenzen, obwohl ich für eure Kinder jeden Tag mein bestes gebe. 

Kranke Kinder gehören ins Bett, nicht in die Kita

Ich wünsche mir vor allem, dass Eltern ihre kranken Kinder zuhause lassen. Ich sehe die Not der Eltern. 20 Kind-Krank-Tage im Jahr reichen einfach nicht aus, um das Kitajahr zu überstehen. Gerade die Kleinen in der Krippe sind oft wesentlich häufiger krank. Aber wenn die Kinder mit Fieber und Rotznase in der Krippe sind, leiden sie sehr und stecken auch noch alle anderen an. 

Erst vor ein paar Tagen musste ich mittags die Mama eines meiner Schützlinge anrufen. “Ihr Kind hat Fieber”, erklärte ich am Telefon. “39,2. Bitte kommen Sie.” Als die Mutter völlig durchgeschwitzt durch die Tür eilte, druckste sie nur etwas von “Gestern war es nicht mehr so hoch. Ich dachte, das geht schon.” Ich habe ihr ihre Tochter mitgegeben und nichts gesagt. Denn sie hatte sicher selbst schon ein schlechtes Gewissen. 

Von allen Arbeitgebern wünsche ich mir mehr Verständnis für Familien. Denn immer wieder Kinder betreuen zu müssen, die eigentlich mit einer Wärmflasche ins Bett und nicht in eine Kita gehören und damit gegen das Kindeswohl zu handeln macht wirklich keinen Spaß.

Alltag einer Erzieherin: Traumjob mit Hindernissen

Seit fünf Jahren arbeite ich in einer Kita in einer deutschen Großstadt. Dabei bin ich erst seit ein paar Monaten eine voll ausgebildete Erzieherin. Vorher habe ich als sozialpädagogische Assistentin gearbeitet – und genauso gewickelt, gefüttert, Angebote organisiert und Elterngespräche geführt, wie meine Kollegen mit Erzieherausbildung. Eigentlich sollte eine ausgebildete Erzieherin eine Gruppe leiten und von der Assistentin nur unterstützt werden. Aber in der Praxis ist das wegen des Personalmangels oft gar nicht möglich.

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Dabei wurde ich im Team stets mit dem gleichen Respekt behandelt wie alle Kollegen und auch die Eltern nehmen mich schon immer als vollwertige Erzieherin wahr. Der einzige Unterschied ist mein Gehalt. Seitdem ich Erzieherin bin, verdiene ich mehrere Hundert Euro mehr im Monat. Das ist eigentlich sehr unfair, denn die sozialpädagogische Assistenten machen genau die gleiche Arbeit. Allerdings dauert diese Ausbildung nur zwei Jahre, die einer Erzieherin insgesamt fünf und da es sich um eine schulische Ausbildung handelt, ist diese nicht vergütet. Erzieherin zu werden muss man sich also auch leisten können. 

Ich hatte großes Glück: Die Einrichtung, in der ich arbeite, hat es mir ermöglicht, meine Ausbildung zur Erzieherin zu beenden. Für die Kitas ist diese Ausbildung eigentlich ungünstig – denn als Arbeitskraft fiel ich mindestens einen vollen Tag in der Woche aus, den ich in der Schule verbrachte. Einen Ersatz gab es für mich nicht. 

Ein stressiger Tag

Mein Arbeitstag beginnt um acht Uhr. Die ersten Kinder treffen um zehn nach acht ein, um neun ist die Gruppe vollständig. Ich betreue mit zwei Kollegen 15 Kinder zwischen einem und drei Jahren. Um neun machen wir Frühstück, danach einen Morgenkreis mit Singen und Fingerspielen. Für die Zeit danach haben wir uns jeden Tag ein Programm überlegt: Ausflüge auf den Spielplatz, Bastelangebote, Turnen oder Backen. Aber die Angebote können leider nicht immer stattfinden. Denn es kommt nicht selten vor, dass ich oder einer meiner Kollegen krank wird. Dann müssen zwei Erzieher die Arbeit allein schaffen, denn eine Vertretung bekommen wir nicht immer. Und auch für die Eingewöhnung neuer Kinder fehlt uns oft Unterstützung. In unserer Kita gibt es nur einen Springer, und der deckt den Krankenstand bei weitem nicht ab. Also, liebe Eltern, bitte habt ein bisschen Verständnis. Wir geben für eure Kinder immer unser Bestes.

Sarah Wiedenhoeft

Hamburger Deern, Journalistin, Mutter eines Sohnes. Immer auf der Suche nach besonderen Menschen und dankbar, ihre Geschichten zu erzählen.

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