Eisige Temperaturen: Diese Kälte-Fehler machen Eltern viel zu oft

Minusgrade, eisiger Wind und gefrorene Spielplätze sorgen bei vielen Eltern für dieselbe Frage: Ist mein Kind warm genug angezogen – oder vielleicht schon zu warm?

Orientierung geben zwei Expertinnen: Wir haben die Kinderärztin Dr. med. Snježana-Maria Schütt gefragt, worauf es bei Kälte wirklich ankommt und welche Fehler sie im Alltag besonders häufig beobachtet. Zusätzlich spricht die Kinderärztin Dr. Soraya Seyyedi spricht im Spiegel über typische Unsicherheiten von Eltern im Winter.

Fehler 1: Kinder sind grundsätzlich zu warm angezogen

Wenn es draußen friert, neigen viele Eltern dazu, lieber noch eine Schicht draufzulegen. Doch genau das ist oft kontraproduktiv. Kinder, vor allem im Kita- und Grundschulalter, bewegen sich viel und produzieren dabei schnell Wärme. Dr. Soraya Seyyedi sagt dazu: „Meine Erfahrung ist: Eltern neigen dazu, ihre Kinder zu warm anzuziehen.“

Schwitzen Kinder, kühlen sie danach umso schneller aus. Dr. Schütt rät deshalb klar zum Zwiebellook. „Nutze die Zwiebelschalen, das heißt, ziehe mehrere dünnere Schichten übereinander“, erklärt sie. So könne man Kleidung jederzeit anpassen, wenn das Kind zu warm wird oder sich nicht mehr wohlfühlt. Wichtig seien außerdem geeignete Materialien. „Die Kleidung sollte wärmend, aber auch atmungsaktiv sein. Gut geeignet sind zum Beispiel Wolle oder Wolle-Seide“, sagt Schütt. Die äußere Schicht sollte zusätzlich wind- und wasserabweisend sein.

Fehler 2: Die Bewegungsfreiheit wird zu sehr eingeschränkt

Viele Kinder sind begeistert vom Schnee

Viele Kinder sind begeistert vom Schnee. Foto: Unsplash

Dick eingepackt heißt nicht automatisch gut geschützt. Wenn Kinder ihre Arme kaum heben können, nicht richtig in die Hocke gehen oder sich schwerfällig bewegen, ist das ein klares Warnsignal. Dr. Schütt betont, wie wichtig Beweglichkeit ist: „Ein Kind sollte die Arme gut heben, in die Hocke gehen und natürlich auch gut laufen können.“ Ist das nicht möglich, sei die Kleidung zu dick oder zu eng.

Auch Dr. Seyyedi macht im Spiegel deutlich, dass Bewegung ein zentraler Faktor ist, um warm zu bleiben. Kinder, die spielen, rennen und toben, regulieren ihre Körpertemperatur oft besser als Erwachsene.

Fehler 3: Säuglinge im Kinderwagen kühlen schnell aus

Während ältere Kinder sich warm laufen, verlieren Babys deutlich schneller Wärme. Darauf weist Dr. Seyyedi im Spiegel ausdrücklich hin. Säuglinge hätten im Verhältnis zu ihrer Körpermasse eine große Körperoberfläche und gäben deshalb besonders viel Wärme ab.

Das bedeutet konkret: Ein gut isolierter Fußsack, Mütze, Handschuhe und Schutz vor Wind sind wichtig. Eltern sollten sich außerdem nicht nur an der Temperaturanzeige orientieren, sondern auch die gefühlte Temperatur berücksichtigen. Wind und Feuchtigkeit können es deutlich kälter machen, als es das Thermometer vermuten lässt.

Fehler 4: So kannst du die Körpertemperatur deines Kindes erkennen

Viele Eltern prüfen Hände oder Füße, um festzustellen, ob ihrem Kind kalt ist. Verlässlicher ist jedoch der Nackentest. Dr. Schütt empfiehlt: „Mit dem Nackentest kannst du gut kontrollieren, ob deinem Kind warm genug ist. Der Nackenbereich sollte warm und trocken sein.“

Dr. Seyyedi ergänzt im Spiegel, dass rote Hände zunächst kein Warnsignal seien. Kritisch werde es erst, wenn Haut sehr blass oder bläulich wird oder das Kind deutlich friert.

Fehler 5: Kälte für Erkältungen verantwortlich machen

„Zieh dir was an, sonst wirst du krank“ gehört zu den Klassikern unter den Elternsätzen, ist aber ein Mythos. Medizinisch ist das jedoch nicht korrekt. Dr. Seyyedi stellt im Spiegel klar: „Erkältungen entstehen nicht durch Kälte, sondern durch Viren.“

Im Winter seien diese schlicht häufiger im Umlauf, zusätzlich trocknet Heizungsluft die Schleimhäute aus und mache sie anfälliger. Zehn bis zwölf Infekte pro Jahr seien bei Kita- und Kindergartenkindern völlig normal. Weder extra dicke Kleidung noch permanentes Drinnenbleiben könnten das verhindern.

Fehler 6: Kinder sind bei Kälte zu lange draußen

Wie lange Kinder bei Minusgraden draußen bleiben können, lässt sich nicht pauschal sagen. Entscheidend sind Temperatur, Wind, Sonne und ob sich das Kind bewegt.

Für kleine Babys könne ein Tragesystem unter der Jacke der Eltern sinnvoller sein, da sie dort besser vor Kälte geschützt seien. Eltern sollten weniger auf die Uhr und mehr auf ihr Kind schauen und bei ersten Anzeichen von Frieren reagieren.

Der Winter kann auch Spaß machen!

Der Winter kann so viel Spaß machen! Foto: Unsplash

Fehler 7: Autofahrten mit dicker Jacke

Ein besonders wichtiger Punkt betrifft die Sicherheit im Auto. Dr. Schütt betont: „Wenn ihr im Auto unterwegs seid, zieht die dicke Jacke aus. Schnallt euer Kind an, denn nur so kann der Gurt eng am Körper anliegen und euer Kind im Notfall schützen.“ Die Jacke könne anschließend einfach über das angeschnallte Kind gelegt werden.

So kommen Kinder warm und sicher durch den Winter

Extreme Kälte verunsichert viele Eltern, oft mehr als nötig. Entscheidend ist nicht die Anzahl der Kleidungsschichten, sondern ob ein Kind warm, trocken, beweglich und sicher ist. Wer sein Kind beobachtet, auf seine Signale achtet und flexibel bleibt, kommt auch bei Minusgraden gut durch den Winter.

Hast du ein Winterbaby? Schreib uns gerne in die Kommentare, was dein Tipp ist, damit dein Baby im Winter nicht friert.
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Für Eltern, die sich mehr Wissen rund um Kinder, Gesundheit und Alltagstipps wünschen, lohnt sich ein Blick auf den Blog von Dr. Schütt: www.die-kinderherztin.de, wo sie medizinisches Wissen praxisnah erklärt.

Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und übe mich als Patentante (des süßesten kleinen Mädchens der Welt, versteht sich). Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert. Schon als Kind habe ich das Schreiben geliebt – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit so einem schönen Thema befassen. Das passt einfach!

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