Dieser eine Vergleich fällt im Familienalltag ständig – und bringt selbst entspannte Eltern an ihre Grenzen. Warum er so viel Druck erzeugt, ist kein Zufall.
„Aber alle anderen dürfen das – warum ich nicht?“ Ein Satz, der Eltern zuverlässig ins innere Schleudertrauma schickt. Eben noch war man sich der eigenen Regeln ganz sicher – und dann kommt dieser eine Vergleich. Denn Kinder haben ein erstaunlich feines Gespür dafür, wer was darf, wie lange, wie oft und warum überhaupt.
Ob Nachbarskind, Kita-Freundin oder der große Bruder: Kinder vergleichen sich ständig. Und sie merken sofort, wenn Regeln bei anderen lockerer sind. Genau dieses Phänomen wird als AADDA-Syndrom beschrieben – eine Abkürzung für: „Alle anderen dürfen das aber!“ Wie kürzlich auch die Frankfurter Rundschau schrieb, bringt dieser Satz viele Eltern regelmäßig in einen echten Loyalitätskonflikt.
Ein besonders klassisches AADDA-Schlachtfeld: die Bildschirmzeit
Viele Eltern wissen ziemlich genau, dass stundenlanges Scrollen, Zocken oder Tablet-Gucken für kleine Kinder keine gute Idee ist. Das Problem beginnt oft erst dann, wenn das eigene Kind sagt: „Aber Paul darf jeden Tag!“ – und man plötzlich zwischen pädagogischer Überzeugung und sozialem Frieden steht.
Dabei ist die Fachlage recht eindeutig. Eine neue Leitlinie besagt: Kinder unter drei sollten eigentlich nie am Bildschirm sitzen. „Kleinkinder brauchen keine Bildschirme, sondern echtes Leben – Sinneseindrücke, Kontakt zu Bezugspersonen. Bildschirmnutzung entzieht den Kindern letztlich Lebenszeit, die für reale Erfahrungen fehlt“, erklärt Paula Bleckmann, Professorin für Medienpädagogik an der Alanus Hochschule, gegenüber der Frankfurter Rundschau.
Klingt logisch – hilft aber nur bedingt, wenn das Kind mit verschränkten Armen vor einem steht und auf sein persönliches AADDA-Recht pocht. Was also tun?
So reagierst du am besten auf das AADDA-Syndrom
Erklären statt einfach verbieten
Kinder akzeptieren Regeln eher, wenn sie den Sinn dahinter verstehen. Ein „Nein, weil ich das sage“ eskaliert meist schneller als ein: „Dein Gehirn wächst gerade richtig viel – und dafür braucht es Bewegung, Spielen und echtes Erleben.“
Alternativen anbieten
Wer nur wegnimmt, erzeugt Frust. Wer ersetzt, schafft Optionen. Basteln, Bauen, Lesen, Rollenspiele oder kleine Experimente helfen, den Fokus weg vom Bildschirm zu lenken – ohne das Gefühl, etwas zu verpassen.
Feste Zeiten vereinbaren
Klare Bildschirmzeiten – zum Beispiel nur am Wochenende oder nach dem Mittagessen – nehmen dem Thema den Dauerzündstoff. Dann geht es nicht mehr um Willkür, sondern um Struktur.
Routinen statt täglicher Diskussionen
Je verlässlicher Regeln sind und je konsequenter du bist, desto weniger muss täglich neu verhandelt werden. Das spart Nerven – auf beiden Seiten.
Vergleiche entschärfen
Ein ehrliches: „Bei anderen Familien gelten andere Regeln“ ist oft wirksamer als lange Rechtfertigungen. Kinder dürfen lernen, dass Unterschiede normal sind – auch wenn sie sie doof finden.
Das AADDA-Syndrom zeigt vor allem eines:
Kinder testen Grenzen nicht, um Eltern zu ärgern, sondern um Orientierung zu bekommen. Wer empathisch bleibt, erklärt, begründet und Alternativen anbietet, hilft seinem Kind zu verstehen, dass Regeln sinnvoll sein können – selbst dann, wenn „alle anderen“ angeblich mehr dürfen.
Und mal ehrlich: Dass „alle anderen“ wirklich alles dürfen, stimmt ja sowieso selten.



