„Ich kann die Freundin meiner Tochter nicht ausstehen“

Ob in der Krabbelgruppe, beim Kindersingen oder in der Kita: Irgendwann schließen unsere Kinder die ersten Freundschaften. Und wir Mamas sind in der Regel hin und weg: „Wie süüüüüß!“ Was aber, wenn die beste Freundin der Tochter einfach furchtbar ist? Wenn sie ständig zum Spielen vor der Tür steht, obwohl wir sie überhaupt nicht leiden können? Und dürfen wir Mamas eigentlich andere Kinder nicht mögen? Ja, wir dürfen – und manchmal haben wir damit sogar Recht!

Ich mochte Sophie von Anfang an nicht

Alles fing an, als meine Tochter aus der Krippe zu den Großen wechselte. Als ich sie abholte, fiel mir fast jedes Mal ein Mädchen auf: Sophie. Ein knappes Jahr älter als meine Tochter und ein echter Klugscheißer. Sobald meine Tochter etwas sagte oder machte, verdrehte Sophie die Augen und verbesserte sie altklug. Irgendwann fing es in mir an zu brodeln, aber ich sagte mir, hey, die beiden haben außerhalb der Kita ja nicht miteinander zu tun. Bis, tja, bis meine Tochter mir eines Tages freudig verkündete: „Mama, Sophie hat gefragt, ob sie morgen zu uns zum Spielen kommen kann.

Meine Freude hielt sich stark in Grenzen. Aber zu meiner Verteidigung muss ich sagen: Ich habe wirklich versucht, mich gegen meine Antipathie zu wehren.

Ich hatte ein richtig schlechtes Gewissen

Ich meine, wir sprechen hier von einem damals knapp 5-jährigen Mädchen! Es war ein kleines Kind, das einfach (für mich) etwas nervig war. Sind sie das nicht fast alle in dem Alter? Und immerhin schien sie meine Tochter zu mögen, sonst hätte sie sich wohl kaum mit ihr zum Spielen verabredet. Ich versuchte, meine Abneigung gegen Sophie abzulegen. Redete mir selbst gut zu, dass es doch eigentlich keinen Grund gab, eine Vierjährige nicht zu mögen. Und kam mir selbst unglaublich gemein vor.

Natürlich wollte ich auch meine Tochter nicht enttäuschen, Sie freute sich so, dass sie so schnell eine Freundin gefunden hatte. Also sagte ich Ja zu dem Treffen. Dann stand Sophie mit ihrer Mutter vor der Tür: Ein blondes, kleines Mädchen mit Zöpfen, buntem Kleid und einem breiten Grinsen. Eigentlich so niedlich! Und trotzdem: Ich konnte sie einfach nicht ausstehen.

„Du darfst nicht mitspielen!“

Nachdem Sophies Mutter sich verabschiedet hatte, verschwanden die beiden Mädels im Kinderzimmer. Mein 2-jähriger Sohn lief freudestrahlend hinterher – und kam kurz darauf weinend in meine Arme gelaufen. Normalerweise sind seine Schwester und er ein Herz und eine Seele. Aber jetzt hatte Sophie beschlossen, dass er nicht mitspielen darf. „Du bist noch zu klein und zu dumm dafür!“ Bitte was?

Ich versuchte, das Ganze als Startschwierigkeiten abzutun, aber leider ging es nahtlos weiter. Sobald der Kleine das Zimmer betrat, warf Sophie ihn wieder hinaus. Als er sich sein Lieblingsspielzug holen wollte, bunkerte sie es auf einem Regal – so hoch, dass er nicht rankam. Die Kekse, die ich den Dreien brachte, riss sie ihm aus der Hand mit dem Kommentar „Du bist eh noch zu klein für Schokolade“.

Irgendwann platze mir der Kragen

Ich bahnte mir einen Weg ins Kinderzimmer und machte Sophie relativ deutlich klar, dass meine Kinder hier zuhause sind, und wir bei uns hier andere Regeln haben. Dass sie uns leider nicht mehr besuchen kann, wenn sie meinen kleinen Sohn weiterhin so schlecht behandelt. Und dass sie bitte die Finger von seinem Spielzeug lassen soll, wenn sie nicht möchte, dass er mitspielt. Zu meiner Überraschung folgte auf meine Standpauke keine ellenlange Rechtfertigung – sondern betretenes Schweigen.

Soweit so gut, das hieß nur leider auch: Sophie durfte wiederkommen. Und das tat sie auch regelmäßig. Scheinbar fühlte sie sich dabei nach und nach immer mehr wie zuhause. Denn plötzlich bediente sie sich selbst an dem Schrank mit den Keksen (der eigentlich für meine Kinder tabu ist), verteilte die Krümel großzügig in der ganzen Wohnung – und die Schokocreme auf dem Teppich und an der Tapete.

Kein Wort der Entschuldigung

Ich machte Sophie betont freundlich klar, dass das so nicht geht, und fragte sie, ob sie das zu Hause auch so machen würde. Keine Reaktion. Während meine Kinder sich nach so einer Aktion normalerweise zumindest entschuldigen würden, grinste die Vierjährige nur frech. Und ich beschloss: Das war’s! Keine Besuche mehr von diesem Kind. Ich war fest entschlossen, das durchzuziehen,

Jedenfalls bis zur nächsten Woche. Dann stand meine Tochter nämlich mit bittendem Blick vor mir und fragte, ob ihre Freundin sie „nicht mal wieder besuchen“ könne? Seufzend sagte ich ja. Schließlich wollte ich meiner Tochter ja nicht vorschreiben, mit wem sie befreundet sein darf und mit wem nicht. Wenn ihr soviel an Sophie lag, musste ich mich wohl oder übel damit arrangieren.

Sophie kommandierte meine Tochter nur herum

Als ich meine Tochter ein paar Tage später aus der Kita abholte, beobachtete ich, wie die angebliche Freundin mit meiner Großen umging. Sie kommandierte sie am laufenden Band herum, gab Anweisungen und nörgelte, wenn es nicht nach ihrem Willen ging.

Meine Tochter entdeckte mich irgendwann und kam mir weinend entgegen. „Sophie hat gesagt, sie ist nicht mehr meine Freundin!“, schluchzte sie. Ich versuchte, mir meine freudige Erleichterung nicht anmerken zu lassen, und fragte meine Tochter, was denn passiert sei. Es stellte sich heraus, dass ihre liebe Freundin nicht nur eine große Klugschnackerin war, die ständig über alles bestimmen wollte. Sie erpresste meine Große auch. Wenn sie nicht machen würde, was Sophie sagte, wäre sie nicht mehr ihre Freundin.

Wie kann man noch so klein sein – und schon so ein Biest?

Ich hatte also von Anfang an Recht gehabt mit meinem Gefühl. Wirklich freuen konnte ich mich darüber allerdings nicht. Dazu war meine Tochter einfach zu traurig. Ich nahm meine große Kleine in den Arm und versuchte, sie zu trösten. Erklärte ihr, dass es bei einer Freundschaft darauf ankommt, dass beide Seiten sich wohlfühlen, füreinander da sind und gern Zeit miteinander verbringen. Nicht nur dann, wenn alles nach dem eigenen Willen läuft. Dass es nichts mit Freundschaft zu tun hat, wenn einer den anderen nur herumkommandiert.

Nicht leicht zu verstehen für eine inzwischen Fünfjährige, aber meine Große war tapfer. Und hatte bald selbst keine Lust mehr, sich nachmittags mit Sophie zu treffen. Die versuchte noch einige Male, meine Tochter zum Spielen zu überreden. Und fragte auch mich, ob sie uns nicht mal wieder besuchen dürfe. Aber diesmal blieb ich hart – und meine Tochter zum Glück auch.

Wie sieht es denn bei euch aus: Mögt ihr alle Freunde eurer Kinder, oder gibt es bei euch vielleicht auch eine „Sophie“, und wie geht ihr damit um? Erzählt doch mal!

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Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Ich liebe den Hafen, fotografiere gern, gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Social Media und Texte ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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Kommentare

  1. Mein Sohn ist 3 und hat im
    Kiga einen Freund gefunden der knapp ein Jahr älter ist . Er ist so ein furchtbares Kind 😣😣😣 keine Erziehung wenn ihm was Nichr passt wird rumgeschrien , er war auch auf den Geburtstag meines Sohnes das Benehmen war Fremd schämen pur ! Der kleine war nur am meckern alles war ihm er wollte nicht teilen sagte man was hat er geheult und der Vater ? Der hat nie ein Wort gesagt ! Ich gönne meinem Sohn die Freundschaft echt ! Aber er übernimmt (logischeres ) Verhalten von ihm weil er sieht das er damit durch kommt .
    Mir graut es vor den nächsten treffen Den die Mama von dem kleinen hat auch nicht wirklich was zum Verhalten ihres Sohnes was zu sagen . Und das is mega anstrengend ….

  2. Bei uns liegt es nicht am Kind, sondern mehr an den Eltern. Das Mädchen ist eigentlich nett und meine Tochter redet immer von ihrer „besten Freundin“, wenn sie über sie spricht. Die Beiden sind 8 Jahre alt. Leider hat die Freundin meiner Tochter nie Zeit. Sie muss Hausaufgaben machen, Lernen, Zusatzaufgaben erledigen, zum Reitunterricht ins Turnen… Meine Tochter tut mir richtig Leid. Sie würde sich so gerne mit ihr verabreden, aber es kam in den bald 5 Jahren, die sie sich nun kennen, vier Mal zu einem Treffen ausserhalb von Spielgruppe, Kindergarten und Schule. Ich habe es mittlerweile aufgegeben, bei der Mutter nachzufragen.

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