„Wie erklärt man seinem Kind, dass Oma nichts von ihm wissen will?”

„Liebe Mamas, ich möchte mir heute etwas von der Seele schreiben, was mich schon länger belastet.

Ich bewundere immer diese harmonischen Großfamilien, in denen sich alle gut verstehen und gegenseitig unterstützen. Gerade mit kleinen Kindern stelle ich mir das hilfreich vor. Seit vier Jahren bin ich selbst Mama, mein Mann und ich sind sehr stolz auf unsere kleine Tochter Marie. Wir versuchen alles dafür zu tun, dass sie glücklich ist, aber leider können wir ihr keine Großeltern bieten.

Die Eltern meines Mannes sind sehr früh verstorben und ich habe meinen Vater leider nie kennengelernt. Meine Mutter lebt noch, sie wohnt nur 20 Kilometer von uns entfernt, aber sie will nichts von ihrer Enkelin wissen.

Mein Verhältnis zu meiner Mutter war schon immer eher kühl.

Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich sie als Kind oft vermisst habe. Als Alleinerziehende musste sie viel arbeiten und war oft beruflich unterwegs. Je älter ich wurde, desto mehr fiel mir auf, dass unser Verhältnis anders war als das meiner Freundinnen zu ihren Mamas. Zwischen mir und meiner Mutter gab es einfach nie diese Herzlichkeit. Ich hatte auch nicht das Gefühl, dass sie sich sonderlich für mein Leben interessieren würde.

Trotzdem machte ich ihr nie einen Vorwurf. Ich tröstete mich damit, dass sie eben nach wie vor beruflich sehr eingespannt wäre. Als ich dann aber meinen Mann kennenlernte und wir darüber nachdachten, Kinder zu bekommen, hoffte ein Teil von mir, dass das auch mich und meine Mutter näher zusammenbringen würde.

Ich malte mir aus, wie mein Kind bei ihr auf dem Schoß sitzen, wie die beiden zusammen spielen und wir die Nachmittage miteinander verbringen würden.

Aber als ich meiner Mutter von meiner Schwangerschaft erzählte, fiel die Reaktion ganz anders aus als ich es mir vorgestellt hatte. Sie sah nicht sonderlich begeistert aus, bald Oma zu werden und sagte nur: ‚Ich hoffe, du hast dir vorher überlegt, was das für dein Leben bedeutet.

Ich lächelte meine Enttäuschung weg, aber innerlich war ich total verletzt und verwirrt. Wieso freute sie sich nicht für mich? Wieso gab sie mir das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben? Trotzdem blieb natürlich noch ein bisschen Hoffnung, dass sie ihre Meinung noch ändern wird, wenn das Enkelkind erst einmal da ist.

Dann wurde unsere wunderbare kleine Tochter geboren.

Mein Mann und ich waren so unfassbar glücklich, dieses Wunder in den Armen halten zu dürfen, wir hätten Marie am liebsten der ganzen Welt gezeigt. Während meine Freundinnen es kaum abwarten konnten, Marie endlich kennenzulernen, ließ meine Mutter sich Zeit. Mehrere Einladungen sagte sie ab, erst Monate nach der Geburt konnte sie es einrichten, vorbeizukommen und ihre kleine Enkelin kennenzulernen.

Ich war zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich irritiert von ihrem Verhalten, aber fest entschlossen, mir mein Glück nicht kaputt machen zu lassen. Außerdem hielt ich immer noch an der Idealvorstellung fest, dass meine Mutter eine gute Oma sein könnte, wenn sie Marie erst einmal kennengelernt hätte.

Tja, was soll ich sagen, der Tag war eine Katastrophe.

Meine Mutter wirkte schon beim Reinkommen genervt. Sie warf nur einen kurzen Blick auf die schlafende Marie im Wohnzimmer und setzte sich dann an den gedeckten Tisch, um mir von ihrer letzten Geschäftsreise zu erzählen. Dabei ließ sie es sich nicht nehmen, mehrfach zu erwähnen, wie wichtig der Beruf wäre und wie erfüllend eine Karriere sein könnte. Völlig unpassend für mich, da ich gerade entschieden hatte, meine Elternzeit auf zwei Jahre zu verlängern und es toll fand, mich auf meine Tochter zu konzentrieren.

Ihr könnt es euch sicher denken: Von meiner Mutter bekam ich dafür nur missbilligende Blicke. Ungefähr nach einer Stunde wachte Marie auf und begann zu weinen. Meine Mutter rollte genervt mit den Augen: ‚Ich gehe dann besser mal! Danke für den Kaffee.‘ Und das wars, schon war sie wieder zur Tür raus. Ich war total vor den Kopf gestoßen und alles, was ich mir vorher schön geredet hatte, brach plötzlich wie ein Kartenhaus zusammen.

In mir spürte ich zum ersten Mal eine richtige Wut auf meine Mutter.

Wieso interessierte sie sich nicht für ihr Enkelkind? Schlimm genug, dass sie nie wirklich für mich da war, auch ihr Enkelkind schien ihr herzlich egal. Es kam dann noch zu mehreren erzwungenen, kurzen Besuchen, aber nie konnte ich eine liebevolle Geste an meiner Mutter beobachten, nie ein zärtliches Wort über Marie.

Als Marie etwa ein Jahr alt war, eskalierte die Situation. Ich fragte meine Mutter, ob sie bereit sei, mal für ein paar Stunden auf Marie aufzupassen. Sie war entsetzt, offenbar war ihr der Gedanke kein einziges Mal gekommen, dass sie als Oma auch mal alleine Zeit mit ihrer Enkelin verbringen könnte. Stattdessen wies sie mich zurecht: ‚Du wolltest doch ein Kind, also kümmere dich darum. Ich bin froh, dass ich das hinter mir habe.‘

Dieser Satz war für mich wie ein Schlag ins Gesicht.

Mir schossen die Tränen in die Augen und tausend Emotionen kamen hoch. Mein ganzer Frust bahnte sich plötzlich seinen Weg und übernahm komplett die Kontrolle. Ich weiß gar nicht mehr, was ich alles gesagt habe, nur dass wir uns am Ende angeschrieen haben und sie irgendwann die Tür hinter sich zuschlug.

Und das war es, seitdem haben wir nichts mehr von ihr gehört. Eine zeitlang habe ich viel geweint deswegen. Ich war traurig, dass die Situation mit Maries Oma so ist wie es ist. Außerdem hatte ich ein extrem schlechtes Gewissen meiner Tochter gegenüber. Was würde sie sagen, wenn die anderen Kinder ihr in der Kita von ihren Großeltern erzählen?

Der Streit ist inzwischen schon drei Jahre her.

Zum Glück ist Marie ein richtiger Sonnenschein. Sie weiß, dass es einen Streit zwischen Mama und ihrer Oma gab, der aber nichts mit ihr zu tun hat. So richtig verstehen kann sie die Situation natürlich noch nicht, aber zum Glück scheint es sie auch nicht weiter zu belasten. Oma und Opa von Papa leben im Himmel und Oma von Mama lebt ebenfalls in einer anderen Welt – ich glaube, so ungefähr sieht sie das.

Für mich als Erwachsene ist es schwieriger als für sie. Denn ich weiß, dass es nur eine kurze Autofahrt ist, die meine Mutter und ihre Enkelin trennen. Und ich sehe jeden Tag, was sie alles verpasst, spüre diese unendliche Liebe zu meinem Kind und kann einfach nicht begreifen, wie meine Mutter das alles nicht interessieren kann.”


Liebe Viktoria, vielen Dank für deine Geschichte. Wir wünschen Dir und Deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

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Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und bin dort immer gerne im Grünen unterwegs.

Auch wenn ich selbst noch keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Seit ich denken kann, liebe ich es, zu schreiben – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit dem schönsten Thema der Welt auseinandersetzen. Das passt einfach!

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