Wenn Kinder Krieg erleben: „Es brennt sich in die Kinderseele ein.”

„Ich bin Kroatin und mich haben die Balkankriege sehr geprägt. Der Krieg in der Ukraine holt alles wieder hoch: Dinge, von denen ich selbst nicht gedacht hätte, dass sie sich so tief eingebrannt haben.

Als der Krieg in Kroatien losging, war ich vier bis fünf Jahre alt und lebte mit meinen Eltern in Deutschland. Aber weil es meiner Oma nicht gut ging, waren wir damals für eine gewisse Zeit in Kroatien. Ich erinnere mich noch daran, dass wir einmal bei meiner Oma vor dem Haus gespielt haben, als plötzlich Schüsse und Explosionen zu hören waren.

Meine Mutter kam panisch aus dem Haus gelaufen und holte uns sofort rein.

Als wir wieder in Deutschland waren, fuhr mein Papa Hilfskonvois nach Kroatien, um humanitäre Hilfe zu leisten. Einmal hatte er einen schlimmen Autounfall und lag monatelang in einem Krankenhaus mitten im Kriegsgebiet. Ich erinnere mich noch gut an die quälende Sorge, die ich empfand: ‚Kommt Papa zurück?

Auch heute noch, wenn ich durch die ehemaligen Kriegsgebiete fahre, die vielen Einschusslöcher in den alten Häusern sehe und an den Minengebieten vorbeifahre, die seit Jahrzehnten abgesperrt sind, kommt das Gefühl der Bedrohung und Angst wieder hoch.

Damals haben die Erwachsenen nicht mit uns Kindern darüber gesprochen.

Das wurde immer abgetan: ‚Ach, die sind noch zu klein, die bekommen das gar nicht richtig mit.‘ Doch jetzt merke ich, wie sehr mich diese Erfahrungen damals belastet haben und noch immer belasten. Durch die Meldungen zum Krieg in der Ukraine habe ich richtige Flashbacks. Ich fühle mich in die Zeit der extremen Ungewissheit und Unsicherheit zurückversetzt.

Es ist die gleiche Stimmung: Die Angst vor der Zukunft, weil keiner weiß, was passieren wird.

Das alles kommt mir sehr bekannt vor, obwohl ich damals noch so klein war. Deswegen weiß ich heute, wie wichtig es ist, mit Kindern über solche Geschehnisse zu sprechen. Ich bitte alle Mamas: Redet mit euren Kindern und versucht, ihre Sorgen aufzufangen. Ich weiß, dass man selbst Angst hat, aber wir sollten versuchen, sie unseren Kindern zu nehmen.

Auch kleine Kinder haben einen Bedarf darüber zu sprechen, es brennt sich ansonsten ein, in die kleine Kinderseele.”


Liebe Mama (Name ist der Redaktion bekannt), vielen Dank, dass du uns deine Geschichte anvertraut hast. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!
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Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg. Am liebsten erkunde ich mit ihm die vielen grünen Ecken der Stadt.

Auch wenn ich selbst keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Schon als Kind habe ich das Schreiben geliebt – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit so einem schönen Thema befassen. Das passt einfach!

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