“Wenn deine Kinder mich dick nennen – entspann Dich!“

Sind sie nicht süß, unsere lieben Kleinen? Wenn sie sich in unsere Arme werfen, sich an uns schmiegen und voller Überzeugung ein „Mama, Du bist die Beste!“ in unser Ohr flüstern. Da macht das Mama-Herz direkt einen Hüpfer. Kinder sagen eben einfach die niedlichsten Dinge!

Und leider manchmal auch die gar nicht so niedlichen. Die, bei denen wir uns am liebsten unsichtbar machen würden. Oder pfeifend die Straßenseite wechseln und so tun, als würden wir das Kind gar nicht kennen. Ist mir neulich gerade erst passiert: Ich war mit meinen beiden unterwegs, als der Kleine plötzlich auf eine Frau zeigt und sagt:

„Guck mal Mama, die ist aber dick!“

Oh man, wie peinlich! Ich wusste erst gar nicht, wie ich reagieren soll. Also habe ich die Frau entschuldigend angesehen, mich zu meinem Kleinen hingehockt und ihm erklärt, dass es nicht nett ist, das zu sagen.

Aber wisst ihr was? Genau das sollte man nicht machen – sagt zumindest Katie Cloyd bei Scary Mommy. Und dafür hat sie viele gute Gründe:

Kinder sind ehrlich – und denken sich nichts dabei

Die Situation, in der ich am liebsten im Boden versunken wäre, hat Katie nämlich auch erlebt. Ihr Sohn ging zu einer etwas korpulenteren Frau und sagte unverblümt: „Du bist dick, aber nur mittel dick, nicht so richtig dick wie meine Mama.“ Katie ging es erst einmal wie mir (und wohl fast jedem): Sie wäre am liebsten im Boden versunken.

Aber dann, sagt sie, war sie auch stolz. Denn offensichtlich kam ihr Sohn gar nicht auf die Idee, dass es schlecht sein könnte, dick zu sein. Schließlich sei er mit einer dicken Mama aufgewachsen. Und die würde er über alles auf der Welt lieben und sie großartig finden.

Für Katies Sohn war es also einfach nur eine Tatsache, um eine Person zu beschreiben. Ganz ohne Wertung.

Natürlich bemerken Kinder es, wenn jemand „anders“ aussieht

Wenn wir als Erwachsene jemanden sehen, der in unseren Augen „anders“ ist, behalten wir unsere Gedanken oft lieber für uns, anstatt sie auszusprechen. Macht man ja auch nicht. Oder? Denn eigentlich gehen wir damit automatisch davon aus, dass der- oder diejenige sich schlecht fühlt, wenn wir ihn bzw. sie darauf ansprechen. Das wiederum heißt doch, dass wir automatisch eine Wertung abgeben. Wir verbinden zum Beispiel „Dicksein“ mit etwas, für das man sich schämt.

Genau das ist bei unseren Kindern nicht der Fall. Natürlich bemerken sie es auch, wenn jemand anders aussieht, egal, auf welche Weise. Aber anstatt verschämt zu schweigen, sagen sie es einfach geradeheraus. Und das in den allermeisten Fällen ohne jegliche Hintergedanken.

Wie wir als Eltern am besten reagieren

Was wir als peinlich empfinden (und ja, das ist es oft auch, da müssen wir uns nichts vormachen), ist für unsere Kinder also völlig normal. Deshalb macht es für Katie auch keinen Sinn, panisch zu versuchen, die Situation zu „retten“.

Stattdessen hat sie einige Tipps für alle Eltern parat, die von ihrem Nachwuchs in so eine Situation gebracht werden:

1. Bleibt ruhig – und keine Panik!

Euer Kind hat jemanden als dick bezeichnet? Ich verstehe, wenn euch das peinlich ist. Denn wie Katie schreibt: „Wir als Erwachsene wissen, dass es als unhöflich gilt, die Körpergröße eines anderen Menschen zu kommentieren. Deshalb zucken wir innerlich zusammen, wenn unsere Kinder genau das tun. Wir wissen aber ebenfalls, dass Kinder ständig dabei sind, zu lernen. Das heißt, dass kein vernünftiger Erwachsener ausflippen wird, weil unsere Kinder sein Aussehen kommentiert haben.“

Klingt doch ganz logisch, oder? Katie selbst hat diese Erfahrung übrigens auch schon gemacht. Ein Kind fragte sie sehr offen, warum sie ein „Kreis“ sei. Aber anstatt sich zu ärgern, musste sie lachen. Sie empfiehlt allen Eltern, in so einer Situation ruhig zu bleiben. Denn das einzige Mal, als sie sich wirklich beschämt gefühlt habe, sei gewesen, als die Eltern eines Kindes sich übermäßig oft entschuldigt hätten.

2. Bestätigt die Aussagen des Kindes – auf eine positive Weise.

Dieser Punkt richtet sich eher an diejenigen, die von den Kindern angesprochen werden, und nicht an die Eltern. Denn Katie sagt, wenn ein Kind sie als dick bezeichnet, würde sie einfach antworten „Ja! Ich bin dick! Ist es nicht großartig, dass Menschen so viele verschiedene Figuren und Größen haben?“ Beste Antwort, oder? Denn sie zeigt dem Kind, dass es vollkommen normal ist, wenn jemand anders aussieht. Dass jeder Körper einzigartig und wichtig ist. Gleichzeitig vermittelst du deinem Kind, dass „anders“ nicht automatisch „schlechter“ bedeutet.

3. Verbiete deinem Kind nicht den Mund

Wenn dein Kind zu jemand anderem sagt, er oder sie sei dick – sag ihm nicht, dass es so etwas nicht sagen darf. Denn genau damit vermittelst du ihm, dass Dicksein etwas ist, wofür man sich schämen muss. Nach Katies Ansicht legst du damit den Grundstein für lebenslange Essstörungen und Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper.

Stattdessen, sagt Katie, müssen wir unseren Kindern vermitteln, dass ihre Schönheit und ihr Wert nicht von ihrer Körpergröße abhängen. Dafür müssen sie wissen, dass du auch andere nicht danach beurteilst.

Klingt super, oder?

4. Kindermund tut Wahrheit kund – und das ist gut so

Wenn dein Kind zu jemanden sagt, dass er oder sie dick ist, und es stimmt – dann erzähle ihm nicht, dass es nicht so sei. Denn das ist laut Katie für denjenigen noch beschämender, wenn er die offensichtliche Lüge hören muss, obwohl es offensichtlich ist.

„Ich weiß es. Sie wissen es. Du weißt es. Die Scharade ist ein Desaster“, bringt Katie es auf den Punkt. „Wenn du deinem Kind widersprichst, um mich zu beruhigen, vermittelst du ihm, dass es seinen eigenen Beobachtungen nicht trauen kann. Das ist so verwirrend. Kinder sollten ihren eigenen Augen trauen drüfen. Und Erwachsene müssen abgehärtet genug sein, um den Kindern genug Raum zu geben, ihre Welt zu entdecken – und sich dabei den ein oder anderen sozialen Fehltritt zu leisten.

5. Sprich später in Ruhe mit deinem Kind

Auch wenn es aus Katies Sicht nicht schlimm ist, wenn dein Kind einen Spruch über den Körper einer anderen Person macht: Du solltest es trotzdem nicht einfach auf sich beruhen lassen. Denn schließlich müssen wir unseren Kindern beibringen, welche Regeln innerhalb unserer Gesellschaft gelten. Es ist einfach nicht angemessen, Größe oder Aussehen einer Person zu kommentieren.

Katies Tipp ist deshalb, dass du deinen Kindern vermittelst, dass sie alle Fragen, die sich um das „Anderssein“ einer Person drehen, am besten in einem ruhigen Moment mit Mama besprechen. So zeigst du ihnen gleichzeitig, dass sie die Fragen ruhig stellen dürfen.

6. Erwarte nicht, dass dein Kind besser ist als du

Zum Schluss der vielleicht wichtigste Punkt: Es kommt darauf an, was wir unseren Kindern vorleben. Denn ganz ehrlich: Wenn wir selbst ständig unzufrieden mit unserem Körper sind, Sprüche über die Figur einer anderen Person machen, Witze über jemanden reißen, der einfach anders ist, dann können wir sicher sein, dass unsere Kinder sich genauso verhalten werden.

Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir unseren Kindern zuhause vorleben, wie wichtig es ist, den eigenen Körper und andere Menschen zu respektieren – ganz egal, wie anders sie auch sind. Nur dann können sie es lernen und werden es irgendwann (hoffentlich) als selbstverständlich ansehen. Und wenn wir Eltern dafür die ein oder andere peinliche Situation durchstehen müssen, egal! Denn das ist es auf jeden Fall wert!

Jetzt sind wir gespannt: Wie findet ihr Katies Meinung zum Thema? In welche peinliche Situation haben eure Kids auch schon gebracht? Und vor allem: Wie habt ihr reagiert? Verratet es uns in den Kommentaren –

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Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern.

Seit 2015 sind wir Eltern einer zauberhaften Tochter. Zwei Jahre später kam ihr kleiner Bruder auf die Welt, und unsere Familie war komplett. Zusammen sind die beiden ein unschlagbares Team, das sich nur allzu gern gegen Mama und Papa verbündet.

Abgesehen von meiner Familie liebe ich den Hafen, fotografiere gern und gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Texte und Social Media ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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