Was Krieg wirklich bedeutet: „Mama, ich will nicht sterben.”

Triggerwarnung:

Der folgende Text beschreibt den gewaltsamen Tod eines Kindes. Du solltest nur weiterlesen, wenn du dich dem gewachsen fühlst.


Als seine Familie in Kiew ihre Sachen packt, bekommt der sechsjährige Maxym Angst. „Mama”, sagt er, „ich will nicht sterben. Ich bin zu jung.” Seine Mutter versucht, ihn zu beruhigen: „Was redest du denn da? Uns wird nichts passieren.”

Wenige Stunden später war der kleine Maxym tot, dabei hatte er noch sein ganzes Leben vor sich. Der Sechsjährige starb am 26. Februar bei einem der ersten Angriffe russischer Truppen auf Kiew.

Seine letzten Sekunden waren voller Angst, einer Angst, die kein Kind jemals erleben sollte.

Seine Mutter Anna Chechelnytska muss damit den schlimmsten Schmerz durchmachen, den eine Mama erfahren kann. Sie möchte, dass die Welt vom sinnlosen Tod ihres Kindes erfährt, damit die Menschen begreifen, was Krieg bedeutet. Aus diesem Grund erklärt sie sich zu einem Gespräch mit der britischen Daily Mail bereit.

Die Alleinerziehende lebte mit Maxym und seiner großen Schwester Alina in einer kleinen Wohnung in Kiew. Das Geld war immer knapp und die Mutter gezwungen, zwei Reinigungsjobs gleichzeitig anzunehmen, damit die Familie über die Runden kam. Maxyms Kindheit ist also keine sorgenfreie gewesen, seine Mutter glaubt, dass er deswegen so reif für sein Alter war.

„Er war erst sechs, aber er benahm sich wie ein Erwachsener“, sagt sie. „Er hat versucht, mir zu helfen, wann immer es möglich war. Er hat das Geschirr gespült, das Zimmer aufgeräumt, seine Hausaufgaben gemacht, ohne dass ich ihm helfen oder ihn auch nur ermutigen musste. Er war erst im ersten Schuljahr.“

Dann beginnt der Krieg in der Ukraine.

Die kleine Familie floh zunächst zu Verwandten in die Nähe von Irpin, doch die Lage dort spitzte sich immer weiter zu. Also beschlossen die Familien, in den Westen der Ukraine zu fliehen. Zu sechst quetschten sie sich in ein Auto, auf dem Rücksitz saßen Anna, Maxym und Alina. Der Sechsjährige sitzt auf dem Schoß seiner Mutter, hielt seinen kleinen Hamster Bodia fest im Arm.

Auf einer Straße direkt vor dem Ministerium für Infrastruktur geriet das Auto plötzlich unter Beschuss. Annas Cousin, der den Wagen fuhr, war sofort tot. Anna wird am Kopf getroffen, Alina an der Hand und am Knie, doch beide sind bei Bewusstsein und fliehen aus dem Auto. Die Mutter hält dabei den leblosen Körper ihres Sohnes umklammert.

Maxym wurde von sieben Kugeln getroffen

„Ich stieg mit meinem Sohn aus dem Auto und rannte mit ihm herum und schrie, bis ich irgendwann das Bewusstsein verlor”, erinnert sich Anna. Sieben Kugeln hatten den kleinen Maxym getroffen, er war bereits tot, als die Familie aus dem Auto entkam. Nach 25 Minuten brachte ein Krankenwagen die drei in ein nahegelegenes Kinderkrankenhaus.

„Ich verstehe nicht, warum auf uns geschossen wurde. Die Fenster des Wagens waren durchsichtig, man konnte sehen, dass auf dem Rücksitz Frauen und Kinder saßen”, erzählt Anna verzweifelt. Ihr Cousin sei nicht mal zu schnell gefahren. An den ersten Tagen im Krankenhaus habe Anna nicht sprechen können, sie habe sogar ihre Tochter weggeschoben und nur immer wieder geschrieen: „Wo ist mein Sohn?

Der Sechsjährige wird in Abwesenheit seiner Familie beigesetzt

„Ich durfte Maxym mehrere Tage lang nicht sehen, bis ich ins Leichenschauhaus eingeladen wurde, um seine Leiche zu identifizieren. Ich konnte sehen, dass seine Vorderseite unverletzt war. Er wurde in die Seite und in den Rücken geschossen.“

Anna wurde dann in ein Krankenhaus im entfernten Lemberg verlegt, wo sie zehn Tage nach dem Angriff operiert wurde, um die Kugel in ihrem Kopf zu entfernen. Jetzt ist sie mit Alina in Revne, in der Wohnung ihres Bruders. Noch während ihre Kopfwunde behandelt wurde, wird ihr kleiner Sohn beerdigt, ohne dass jemand von seiner Familie dabei sein kann.

„Ich träume von ihm, seitdem er tot ist.”

Anna ist völlig am Boden zerstört, im Gespräch mit der Daily Mail weint sie hemmungslos. Immer wieder sagt sie, dass sie als Mutter ihr Kind hätte beschützen müssen: „Ich habe noch seinen Geruch in der Nase, wenn er nachts manchmal in mein Bett geklettert kam. Ich kann seine Stimme hören. Ich träume von ihm, seitdem er tot ist.”

Ein Krankenhausmitarbeiter machte das letzte Bild von Maxym.

Es zeigt seinen kleinen Körper leblos auf dem Boden des Krankenhauses, bedeckt von einem Stück Pappe. Zwei kleine Füße und eine Kinderhand ragen darunter hervor. Ein unerträgliches Symbol für das Grauen und die Sinnlosigkeit des Krieges.


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Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg. Am liebsten erkunde ich mit ihm die vielen grünen Ecken der Stadt.

Auch wenn ich selbst keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Schon als Kind habe ich das Schreiben geliebt – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit so einem schönen Thema befassen. Das passt einfach!

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