Warum hat mir niemand gesagt, wie hart Stillen ist?

Hattet ihr am Anfang auch so romantische Vorstellungen über das Stillen? Von einem Baby, das sich friedlich an euch kuschelt und zuckersüß an eurer Brust nuckelt? Dann kann die Realität eine harte Überraschung sein – so wie für unsere Echte Mama Melanie (echter Name ist uns bekannt). Melanie will hier eure Gefühle mit euch teilen, damit ihr euch nicht alleine fühlt, falls das Stillen für euch auch oft eher einem Kampf gleicht.

Ich dachte, Stillen sei einfach und praktisch

„Ich wünschte wirklich, jemand hätte mir gesagt, wie hart es ist, zu stillen. Hätte mich jemand vorher gefragt, wie ich mir Stillen vorstelle, hätte ich geantwortet: kuschelig und praktisch! Man steckt dem Baby Brustwarze in den Mund und es saugt – oder? Von wegen! Ich habe hinterher nur von ganz wenigen Mamas gehört, dass sie gar keine Probleme hatten. Manche hatten Schmerzen, weil ihr Kind zu selten von ihren prallen Brüsten trinken wollte. Andere sorgten sich fürchterlich, weil bei ihnen nur wenig Milch kam. Mastitits & Abszesse waren plötzlich keine medizinischen Fremdwörter mehr. Auch bei mir verlief das Andocken alles andere als reibungslos.

Manchmal saß ich stundenlang mit raushängender Brust da.

Als die Hebamme mir nach der Geburt zeigte, wie ich mein Baby anlegen sollte, geschah erstmal… nichts. Meine Kleine wollte nicht trinken. Schon gleich in der ersten Nacht saß ich deshalb mit mehreren anderen Frauen in einem dunklen Raum, in dem wir Milchpumpen anlegten, uns wie im Kuhstall fühlten und zu erschöpft warem, um miteinander darüber zu reden. Etwas besser wurde es, als wir nach Hause durften. Wenn mein Mädchen trank, war ich glücklich, die Stillhormone scheinen ziemlich wirksam zu sein. Doch nach kurzer Zeit taten meine Brustwarzen so doll weh, dass ich wirklich dachte, ich würde ohnmächtig, wenn meine Tochter weiter saugte. Da war es nicht hilfreich, dass unsere Kleine nur phasenweise gut trank. Oft saß ich stundenlang mit raushängender Brust da, weil sie eine Minute lang trank, pausierte und kurz darauf wieder loslegte. Klar, dass ich mich nicht mehr verabredete. Ich hatte deshalb nicht nur Schmerzen, sondern fühlte mich auch einsam.

Unter Tränen hielt ich durch.

Muttermilch ist das Beste, wird uns immer wieder gesagt. Auch meine Hebamme überzeugte mich, nicht aufzugeben. Ich hörte auf sie. Schon allein, weil sie die einzige war, die ich – abgesehen von meinem Mann –  regelmäßig  traf, und mit der ich darüber sprach. Ich habe auf diesem Trip alles kennengelernt, was man als Stillende für seine Brüsten tun kann: Massagen, Stillhütchen, Einlagen aus Seide, Einlagen aus Wolle, Wollfettsalbe, Schwarzteekompressen…  Was soll ich sagen: Ich hatte Glück. Irgendwann funktionierte es einfach – und war genauso praktisch und schön, wie ich es mir ausgemalt hatte.

Mein Fazit: Schön wenn es klappt, aber keine Mutter muss stillen

Für mich hat sich das Durchhalten in jedem Fall gelohnt. Ich wollte wirklich gerne stillen und war froh, es am Ende auch zu können. Die Hebamme hat also Recht behalten – in meinem Fall. Aber ich habe auch Mamas erlebt, die ebenso ermutigt wurde, und bei denen sich die Quälerei dadurch nur länger hingezogen hat. Für diese Mamas würde ich mir wünschen, dass ihnen jemand versichert: „Es ist auch okay, nicht zu stillen.“

Liebe Melanie, vielen Dank, dass Du Deine Geschichte mit uns geteilt hast.

Wie war das bei euch? Konntet ihr „einfach so“ stillen? Oder hattet ihr vielleicht auch mit Problemen zu kämpfen? Erzählt doch mal – in den Kommentaren oder in unserer geschlossenen Facebook-Gruppe „Wir sind Echte Mamas“.

Jana Stieler

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