„Ich wusste nicht, dass ich schwanger bin, und wäre fast gestorben“

Die Schwangerschaft ist häufig eine unglaublich schöne Zeit für uns Frauen. Wir tragen stolz unseren Babybauch vor uns her, genießen jede Bewegung, die wir spüren, und freuen uns auf unser Baby. Manchmal wird die Freude leider durch eine Schwangerschaftsvergiftung getrübt. Wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird, kann sie für Mutter und Kind lebensgefährlich werden. Was aber, wenn man gar nicht weiß, dass man schwanger ist – und deshalb die Symptome nicht erkennt? Genau das ist Janina aus unserer Community passiert.

Die 24-Jährige wusste nichts von ihrer Schwangerschaft und wäre fast an einer Schwangerschaftsvergiftung gestorben.

Erst im Krankenhaus entdecken die Ärzte das Baby in ihrem Bauch und kämpfen um das Leben von Mutter und Kind. Als sie aus der Narkose aufwacht, ist Janina plötzlich Mutter. Und obwohl sie ihre Tochter über alles liebt, hat sie große Probleme, mit dem Erlebten klarzukommen. Ihre ganze Geschichte hat sie uns hier erzählt:

„Mir wurde ein neues Leben geschenkt – und zwar auf doppelte Weise.

Ich bin gelernte Zahnmedizinische Fachangestellte und war zu der Zeit zwei Monate vor Ende meiner Ausbildung. Ich habe und mache diesen Job immer noch wahnsinnig gern. Am 2. Dezember 2015 war ich noch arbeiten. Eine lebensfrohe junge Frau, die sich auf ihre Prüfungen vorbereitet hat.

Am 3. Dezember kam dann der Tag in meinem Leben, der mich bis heute prägt. Ich habe mehr als ein Jahr gebraucht, um die Geschehnisse in irgendeiner Form psychisch zu verarbeiten.

An dem Morgen fühlte ich mich nicht gut. Ich war komplett schlapp und habe mich bei meinem Arbeitgeber krankgemeldet. Als ich ins Bad ging und in den Spiegel schaute, war das ein echter Schock.

Mein Gesicht war kaum noch zu erkennen, weil ich plötzlich so viele Wassereinlagerungen im Körper hatte.

Ich dachte damals, dass ein heißes Bad mir vielleicht hilft. Als ich die Tür zum Badezimmer zumachen wollte und nach der Türklinke griff, verlor ich komplett die Kontrolle über meinen Körper. Mein Arm tanzte Samba, und ich konnte es nicht mehr kontrollieren. Dann kippte ich zur Seite, weil plötzlich alle Kraft aus meinem Körper wich.

Ich wollte nach meinem Mann rufen, der zum Glück an diesem Tag zu Hause war, aber selbst das war nicht mehr möglich. Stattdessen lag ich vor der Badewanne auf den Fliesen, konnte meinen Mund nicht mehr öffnen und verlor das Bewusstsein. Nach einer Weile kam mein Mann ins Bad.

Er dachte, ich hätte vielleicht zu heiß gebadet und legte mich aufs Bett.

Kurz darauf kam ich wieder zu Bewusstsein und hatte plötzlich eine Art epileptische Anfälle, bevor ich wieder bewusstlos wurde. Mein Mann telefonierte mit meiner Familie, um zu fragen, ob solche Anfälle in der Familie bekannt wären. Waren sie aber nicht.

Nach dem dritten Anfall fuhr er mich direkt ins Krankenhaus. Auch im Auto krampfte ich und verlor das Bewusstsein. In der Rettungsstelle wurde ich bewusstlos entgegengenommen. Die Ärzte wussten natürlich nicht, was es war, und woher es kommt.

Sie meinten, es könnte ein Gehirntumor oder ein Schlaganfall sein.

Sie müssten erstmal ein paar Tests machen, das könnte jedoch ein paar Stunden dauern. Als ich dann kurz wieder zu mir kam, hatte ich eine Ärztin über mir, die gerade meinen Bauch abtastete und meinte, dass sich dieser nicht normal anfühlen würde. Es war ein riesiger Kreis aus Ärzten und Schwestern um mich herum, und sie haben plötzlich so schnell reagiert, dass ich erst im Krankenwagen wieder wachgeworden bin – weil ich notverlegt wurde.

Denn die Ärzte haben nicht nur festgestellt, dass ich in der 31. Woche schwanger war, sondern auch eine Eklampsie diagnostiziert. Eine Schwangerschaftsvergiftung im Endstadium. Ich kam in ein Krankenhaus, das darauf spezialisiert ist, und wurde dort sofort für den OP und einen Notkaiserschnitt vorbereitet.

Die Ärzte sagten, sie würden versuchen, mich und mein Kind zu retten, wüssten aber nicht, ob wir überleben.

Nach der OP kam ich auf die Intensivstation und hatte plötzlich eine Tochter. Erst vier Tage später durfte ich im Rollstuhl zur Frühchenstation und meine Kleine zum ersten Mal sehen. Und was soll ich sagen? Ich habe noch nie so ein kleines, zartes, wunderschönes Mädchen gesehen.

Ich konnte es kaum glauben, dass das plötzlich mein Kind war. Und vor allem war es ein Wunder, dass es kerngesund war. Denn da ich ja nichts von der Schwangerschaft wusste, habe ich geraucht und all das getan, was man eigentlich nicht machen soll, wenn man schwanger ist.

Ich fühlte mich wie in einem Traum.

Da war dieses wunderschöne Kind, was angeblich plötzlich meins war. Und gleichzeitig hatte ich so viele Sorgen. Ich musste von jetzt auf sofort ein Baby versorgen, das nur 1.850 Gramm wog und 41 cm lang war. Ich musste meine Ausbildung pausieren, unsere Wohnung war viel zu klein für drei. Ich hatte überhaupt keine Ahnung, was ich alles an Papierkram erledigen musste. Und natürlich musste ich meinen Arbeitgeber anrufen und ihm sagen, dass ich nicht nur eine Grippe hatte – sondern ein Kind.

Kurz vor Weihnachten durften wir das Krankenhaus verlassen, nachdem wir ein Mutter-Kind-Zimmer zum sozialen Bindungsaufbau und ganz tolle Schwestern und Ärzte zu Unterstützung hatten. Doch für mich kam zu Hause eigentlich erst die richtige Herausforderung, denn plötzlich war ich allein mit meiner kleinen Prinzessin.

Mein Mann musste arbeiten, und ich kam psychisch absolut nicht mit dem zurecht, was alles passiert war. Tagsüber kümmerte ich mich liebevoll um meine kleine Tochter.

Aber abends, wenn mein Mann zuhause war, habe ich mich im Bad eingeschlossen und nur geweint.

Wir hatten Glück, dass wir eine traumhafte Familie zur Unterstützung haben. Denn es musste ja von einem Tag zum anderen auch eine Babyerstausstattung her. Kinderwagen, Babybett, Klamotten, Pflegeprodukte, Kindersitz – all das, was andere Mütter und Familien in neun Monaten machten, machten wir innerhalb von zwei Tagen.

Ich habe ein Jahr gebraucht, bis ich überhaupt darüber sprechen und mit der Situation leben konnte.

Aber kaum zu glauben, jetzt sitze ich gerade hier, habe eine kerngesunde Prinzessin von vier Jahren und das zweite Wunder in der 31. SSW im Bauch. Leider ist auch diese Schwangerschaft wegen der Präeklampsie nicht so schön. Aber dieses Mal werde ich von den Ärzten engmaschig kontrolliert. Und vor allem habe ich Zeit, mich und meine Familie auf unser zweites Wunder vorzubereiten.

Ich habe schon lange überlegt, meine Geschichte zu erzählen. Einfach um zu zeigen, dass so etwas wirklich passieren kann, auch wenn viele es sich vielleicht nicht vorstellen können. Und um zu verdeutlichen, wie schwer es ist, wenn man von jetzt auf sofort plötzlich Mama ist.“

Liebe Janina, wir danken dir sehr, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast, und wünschen dir und deiner Familie alles erdenklich Gute.

Wir freuen uns auf deine Geschichte

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Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Ich liebe den Hafen, fotografiere gern, gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Social Media und Texte ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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