Fürchterliche Schwangerschaftsvergiftung: „Ich wäre fast am HELLP-Syndrom gestorben!“

Das HELLP-Syndrom ist eine der schwerwiegendsten Schwangerschafts-Komplikationen. Etwa eine Schwangere von 150 bis 300 Schwangeren entwickelt es, es ist eine Form der Präeklampsie, die im Volksmund auch Schwangerschaftsvergiftung genannt wird. Die Sterblichkeit der betroffenen Mütter liegt bei 3 bis 5 Prozent, die des Säuglings bei zehn bis 40 Prozent.

Auch die „Echte Mama“ Yvonne war davon betroffen und hat uns ihre Geschichte erzählt:

 

Als ich schwanger wurde, war ich gerade mal 20 und frisch von meinem Partner getrennt. Zwischen den ganzen wilden Gedanken, der Freude und den Ängsten mischte sich irgendwann schließlich auch ein Plan, eine Idee, wie ich meinem Kind ein schönes Leben bieten kann. Gemeinsam mit Vater. Also beschlossen wir, Freunde zu bleiben und während meine Wohnung renoviert wurde, wohnten wir weiterhin zusammen.

Die ersten Ultraschall-Termine nahmen wir gemeinsam wahr und wir waren immer wieder aufs Neue überwältigt!

Als die Schwangerschaft fortschritt, wurde ich trotz Krankschreibung immer aktiver. Sitzen bleiben gab es nicht mehr. Ich hatte ständig das Bedürfnis, etwas zu unternehmen, irgendwo hinfahren, egal ob einkaufen oder nur bummeln.

Ich hätte nie gedacht, dass mir mein Körper damit schon sagen wollte, dass etwas nicht in Ordnung war. Später erklärte mir die Ärztin nämlich, dass man bei hohem Blutdruck unruhig wird.

Diese Erklärung passte, denn bei den Untersuchungen konnte man langsam sehen, dass mein Blutdruck immer mehr anstieg, aber nie bedenklich hoch war.

Kurz nach meinem 21 Geburtstag, als ich in der 27. Schwangerschaftswoche war, begann der Albtraum!

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Die Ärzte stellten fest, dass unser Mäuschen etwa 10 bis 15 Tage unterentwickelt war. Zusätzlich hatte ich in einer Woche fünf Kilo zugenommen, alles Wassereinlagerungen. Die Schuhe passten nicht mehr und die Füße taten nur noch weh. Somit stand gleich der Verdacht auf Präeklampsie, also Schwangerschaftsvergiftung. Die Blutabnahme gab dann Sicherheit und die endgültige Diagnose: HELLP-Syndrom.

Sofort wurde ich ins stationär ins Krankenhaus geschickt – ich war inzwischen in der 29. Woche – und dort gleich an den Tropf gehängt, um den Blutdruck zu senken und das Wasser zu entziehen. Den ganzen Tag hing ich am Tropf, drei Mal täglich wurde der Blutdruck gemessen, zwei Mal täglich musste ich zum CTG. Das einzig Positive an dieser Zeit: Meine Zimmernachbarin war eine ganz liebe Zwillingsmama, ohne die ich bestimmt schnell den Mut verloren hätte. Der Vater meines ungeborenen Kindes kam mich regelmäßig besuchen, wir waren nun wieder ein Paar und ein gutes Team geworden.

Vom ersten Tag an war klar, dass ich bis zur Geburt in der Klinik bleiben würde. Es war auch klar, dass mein Baby – ein Junge, wie wir nun wussten – ein Notkaiserschnitt werden würde und es jederzeit passieren könnte, sobald mein Blutdruck mit den Medikamenten nicht mehr zu händeln war.

So verging Woche um Woche und langsam gewöhnte ich mich an das Leben im Krankenhaus, das Leben als Risikopatient.

Dann schließlich war es soweit: Noch vor dem Frühstück war mein Blutdruck bei 220/110. Zu hoch, und so wurde ich in der 33. Woche noch vor dem Frühstück in den Kreißsaal geschoben und für den Kaiserschnitt fertig gemacht.

Was folgte, sollte der schönste Moment im Leben sein: die Geburt meines Babys. Für mich war es fürchterlich. Ich hörte meinen Sohn, den wir Elias Alexander nannten, das erste Mal schreien, aber ich durfte ihn nicht sehen! Horror für jede Mama! So konnte ich mich gar nicht wirklich freuen. Als Frühchen kam er direkt auf die Intensivstation. Nachdem sein Vater ihn ganz kurz beim Kinderarzt gesehen hatte, wurde Elias in den Brutkasten gelegt.

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Ein quälend langer Tag verging, bis ich endlich zum ersten Mal zu meinem Kind durfte. Was für ein magischer Moment! Ich schwor mir, mein Baby für immer zu beschützen und dafür zu sorgen, dass es ihm immer gut gehen würde. Doch für den Moment konnte ich nicht mehr tun, als Elias Mut zuzusprechen, schließlich hing er an zahlreichen Kabeln und Schläuchen, was mir fast as Mutterherz zerriss. Nur fünf Minuten durfte ich bei ihm bleiben.

Der Albtraum war noch nicht vorbei. Ich selbst kam auf die Intensivstation, mein eigenes Leben hing am seidenen Faden. Obwohl die Schwangerschaft vorbei war, war immer noch HCG in meinem Körper und mein Blutdruck stieg und stieg. Mein Zustand wurde immer schlechter und es gibt nur noch eines, was mir davon in Erinnerung geblieben ist: Dass die Ärzte und meine Familie furchtbare Angst hatten, dass Elias ohne seine Mutter nach Hause entlassen werden müsste.

Vier ganze Tage blieb ich auf der Intensivstation und kämpfte um mein Leben – für mich, für meinen Partner und natürlich für meinen kleinen Schatz, den ich doch beschützen und aufwachsen sehen wollte.

Nach fünf Tagen war der Spuk plötzlich vorbei, ich durfte auf die normale Wochenbett-Station wechseln. Sofort besuchte ich mein Baby, das immer noch auf der Frühchen-Intensivstation war. Zwei Wochen musste ich noch im Krankenhaus bleiben und sah die anderen, glücklichen Mütter, die schwanger kamen und drei Tage später mit Baby wieder gingen. Eine schwere Zeit für mich, aber ich wusste, dass wir es überstanden hatten.

Elias ging es von Tag zu Tag besser, ich durfte ihn jetzt jederzeit besuchen und irgendwann sogar in den Arm nehmen! Für uns beide war das ein Meilenstein, bei dem ich die Tränen nicht zurückhalten konnte. Ich war so froh, endlich mein Kind auf meiner Haut zu spüren und wirklich Mutter zu sein.

Knapp einen Monat nach der Geburt war der große Tag in unserem Leben gekommen: Wir durften nach Hause! Alle beide! Das HELLP-Syndrom zu bekommen, das war das Schlimmste, das uns passieren konnte. Es zu überleben und mit einem gesunden Kind endlich in unser neues Leben zu starten, das war das Schönste, das uns passieren konnte.

Seither bin ich jedes Mal, wenn ich ein Krankenhaus betrete, dankbar, es wieder verlassen zu können und zu meiner Familie nach Hause zu kommen. Seitdem weiß ich, dass ich nicht viel brauche, um glücklich zu sein. Denn das Wichtigste kann man nicht bezahlen – das Leben.

Elias ist jetzt eineinhalb Jahre alt und unser größter Schatz. Es geht uns gut.

Rebecca

Schon seit rund einer Dekade jongliere ich, mal mehr, mal weniger erfolgreich, das Dasein als Schreiberling und Mama. Diese zwei Pole machen mich aus und haben eines gemeinsam: emotionale Geschichten!

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