Trennung: „Ich hätte meinen Partner viel früher loslassen müssen.”

„Ich habe jahrelang an einer Beziehung festgehalten, obwohl sie weder mir noch meinem Partner gut getan hat. Inzwischen bereue ich, dass ich nicht früher geschafft habe, ihn loszulassen.

Alles begann mit meinem Exmann, wir heirateten sehr früh.

Ich war gerade 23, als er mir den Antrag machte. Zu diesem Zeitpunkt waren wir drei Jahre zusammen und sicher, dass wir unser ganzes Leben miteinander teilen wollen. Kurz nach der Hochzeit wurde ich schwanger, alles lief problemlos und das erste Jahr mit unserer kleinen Tochter war wundervoll. Aber irgendwann holte uns als Paar der Alltag ein, wir lebten nur noch nebeneinander her. Ich fühlte mich eingesperrt und war deprimiert, dass mein Leben so langweilig geworden war.

Ich hielt es in der Ehe nicht mehr aus, trennte mich und wir reichten die Scheidung ein. Für unsere kleine Maus war es schrecklich, ihr Papa gab mir offen die Schuld an der Trennung und sie spürte die Spannungen zwischen ihren Eltern. Mit gerade mal 26 Jahren war ich also eine geschiedene Mama mit einer Zweijährigen auf dem Arm. Trotzdem war ich sicher, dass mein Leben nun erst beginnen würde, Hauptsache raus aus dem eintönigen Alltag mit meinem Exmann.

Es passierte, was passieren musste.

Ich verliebte mich schnell und heftig in einen Arbeitskollegen. Er war verheiratet und hatte mit seiner Frau einen kleinen Sohn. Wie ich fühlte er sich in der Ehe gefangen und gelangweilt. Eine Zeitlang hatten wir eine aufregende Affäre und ich war glücklich: Endlich war das Kribbeln in mein Leben zurückgekehrt! Ich fühlte mich begehrt und gesehen. Irgendwann trennte er sich für mich von seiner Frau, wir versuchten ein Leben als Patchwork-Familie.

Und damit begannen unsere Probleme. Die Impulsivität und Entscheidungsfreude, die mir vorher so an ihm gefallen hatten, stressten mich in der Beziehung. Ich wollte Dinge planen und organisieren, er wollte einfach mal machen, sich keinen meiner Pläne unterwerfen. Wir stritten also von Anfang an sehr viel und heftig, danach versöhnten wir uns leidenschaftlich.

Langweilig war mein Leben nun also nicht mehr, aber dafür um ein Vielfaches anstrengender.

Hinzu kamen unsere Expartner, die uns beiden nicht verzeihen konnten und mit denen wir immer wieder wegen der Kinder aneinander gerieten. Einer der Tiefpunkte war für mich ein gemeinsamer Urlaub als Paar, ich bekam einen Anruf von meinem Exmann, meine Tochter war vom Klettergerüst gefallen und hatte eine Gehirnerschütterung. Ich wollte sofort nach Hause, aber mein Partner sah nicht ein, einen neuen Flug zu buchen. Er ließ mich alleine zurück fahren und ich kochte vor Wut, fühlte mich alleingelassen.

Die Dinge, die wir uns an den Kopf warfen, waren grauenvoll, eigentlich unverzeihlich. Ich fürchte, unsere Kinder haben es manchmal mitbekommen. Trotzdem war eine Trennung für mich immer ausgeschlossen. Ich wollte den gleichen Fehler nicht noch einmal machen, wollte meiner Tochter nicht wieder eine Vaterfigur nehmen. Aber ich merkte, dass auch mein Partner nicht mehr weiter wusste. Nach einem besonders schlimmen Streit sagte er: ‚Ich will das nicht mehr‘ und ich wusste, dass er sich trennen will.

Aber für mich war eine Trennung undenkbar.

Ich tat danach alles, um ihn zu besänftigen, wurde zu seiner ‚Traumfrau‘ und redete auf ihn ein, dass er jetzt doch nicht einfach aufgeben könne. Schließlich waren wir ja schon so weit gekommen. Eigentlich ließ ich ihm keine Wahl, er musste mir einfach verzeihen und wieder an uns zu glauben. Doch lange ging das natürlich nicht gut. Irgendwann wurde es so schlimm, dass wir praktisch kein einziges Gespräch mehr führen konnten, ohne dass einer von uns komplett ausrastete. Also machten wir nach vier Jahren Beziehung einen Termin bei einem Paartherapeuten.

Da wurde uns so richtig klar, wie schlecht es um uns stand. Die Art wie wir miteinander umgingen sei bedenklich, meinte der Therapeut. Er wollte mit uns über die Möglichkeit einer Trennung sprechen. Nach der zweistündigen Sitzung hatte ich ein schreckliches Gefühl im Bauch.

Ich glaube, in dem Moment habe ich schon gewusst, dass wir uns trennen müssen.

Am nächsten Morgen passte er mich ab, als ich gerade für meine Tochter die Schulbrote machte. ‚Der Therapeut hat recht, wir tun uns einfach nicht gut‘, meinte er nur. Ich musste schlucken, mir stiegen die Tränen in die Augen. ‚Du irrst dich‘, hätte ich am liebsten geschrien, aber ich wusste ja, dass es stimmte, was mein Partner mir sagte. Ich hatte nur furchtbare Angst vor den Konsequenzen, wenn ich mir eingestand, dass wir einfach nicht zusammenpassen.

Im Nachhinein denke ich oft, dass mein Partner und ich es bei einer Affäre hätten belassen sollen. Wir waren einfach nicht dafür geschaffen, miteinander eine Beziehung zu führen, die im Alltag bestehen kann. Aber vor dieser Erkenntnis hatte ich solche Angst, dass es Jahre meines Lebens gebraucht hat, bis ich mich aus einer Beziehung befreien konnte, die uns beide nur belastet hat. Vielleicht war ich lange Zeit auch einfach zu stolz, um vor der Familie, den Freunden und allen anderen Menschen zuzugeben, dass es ein Fehler war, mich in diese Beziehung zu stürzen.

Also an jenem Morgen war ich endlich bereit, ihn loszulassen, redete nicht mehr auf ihn ein. Ich wollte aufhören, mich und ihn davon zu überzeugen, dass wir zusammengehören. Schnell stellte ich fest, wie viel Last mir das von Schultern nahm.

Angst hatte ich nur noch vor der Reaktion meiner Tochter.

Wie sollte ich ihr nur erklären, dass schon wieder eine Beziehung ihrer Mama scheiterte? Aber als es dann endlich raus war, reagierte meine Kleine nicht besonders überrascht. Als sie hörte, dass wir nicht umziehen würden, war sie beruhigt und wendete sich wieder ihren Hausaufgaben zu. So als ob sie sagen wollte: ‚Macht ihr mal eure Erwachsenen-Dinge unter euch aus.‘

Nach der Trennung spürte ich schnell, wie viel mehr Energie ich plötzlich hatte, weil ich diesen ständigen Kampf mit meinem Partner nicht mehr führen musste. Ich vermisste zwar das Gefühl, eine Familie zu sein, aber dafür lernte ich schnell, mich besser um mich selbst zu kümmern. Ich suchte mir einen Sportkurs aus, der parallel zum Volleyball meiner Kleinen stattfand und verabredete mich mehr mit Freundinnen.

Mein Exmann ist inzwischen wieder verheiratet.

Seine neue Frau scheint nett zu sein, auch mit meiner Tochter kommt sie gut zurecht. Ich bin immer noch Single, mal glücklich, mal weniger glücklich. Aber endlich selbstbestimmt und unabhängig. Deswegen habe ich mir fest vorgenommen, mich erst einmal selbst besser kennenzulernen, bevor ich mich irgendwann wieder auf das Abenteuer Liebe einlasse.”


Vielen Dank, liebe Alexandra, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

WIR FREUEN UNS AUF DEINE GESCHICHTE!
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Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und bin dort immer gerne im Grünen unterwegs.

Auch wenn ich selbst noch keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Seit ich denken kann, liebe ich es, zu schreiben – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit dem schönsten Thema der Welt auseinandersetzen. Das passt einfach!

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