Toxic Mom Groups: Wenn Mama-Freundinnen nicht mehr gut tun

Wenn man ein Kind bekommt, braucht man andere Mamas mehr denn je – ihre Erfahrungen, ihren Support oder einfach ein verständnisvolles Lächeln nach einer schlaflosen Nacht sind unbezahlbar. Für einen Austausch ohne Verurteilen gibt es die digitale Echte Mamas-Community, doch auch im realen Leben kann eine Gruppe von Müttern überlebenswichtig sein, wenn man sich sich über Ängste, Sorgen und Entwicklungssprünge austauscht oder gemeinsam zähe Winternachmittage mit einem Kaffee auf dem Spielteppich überbrückt. Ich spreche als Mama zweier Kinder aus eigener Erfahrung.

Doch was, wenn dich deine Mama-Gruppe eher herunterzieht als unterstützt?  

Darüber hat Schauspielerin Ashley Tisdale French („Highschool Musical“) im amerikanischen Cut Magazin einen Beitrag geschrieben und darin erzählt, wie sie sich von ihrer Mama-Freundinnen-Gruppe gelöst hat und seitdem befreit fühlt. Sie habe keine Lust mehr auf das Wetteifern unter den Müttern, auf die ständigen Vergleiche, welches Kind wann welchen Meilenstein erreicht, schon windelfrei ist, sauber ausmalen oder laufen kann – und wer von ihnen das Leben am entspanntesten gewuppt bekommt.

In dem Text bezeichnet Ashley Tisdale French ihre Mutter-Gruppe – zu der auch weitere namenhafte Prominente zählen sollen – als toxisch: „Nicht weil die Mütter selbst toxische Menschen sind, sondern weil sich die Dynamik in eine hässliche Richtung mit gemeinem Verhalten verschiebt“, schreibt Tisdale in dem Beitrag. Sie fühle sich von den anderen Mamas ausgegrenzt, verurteilt und nicht akzeptiert. Statt gegenseitige Unterstützung sei es ein ständiges, kräftezerrendes Wetteifern, wer die beste Mama sei. Der Artikel ging viral und löste einen Shitstorm aus.

Der Vorwurf: Wie kann eine Mutter ihren Mama-Freundinnen einfach den Rücken kehren? 

Nun könnte man sagen, dass es sich hier um privilegierte Mamas aus Hollywood handelt, doch was, wenn man sich mit den Müttern im eigenen Dorf nicht wohl fühlt?  Wenn man gemeinsamen Treffen nicht bestärkt und verstanden verlässt, sondern ausgesogen und traurig? Falls dem so ist: Du bist nicht alleine. So geht es vielen Frauen, wie die Kommentare unter dem Post von Ashley Tisdale beweisen.

Ähnliches habe ich auch erlebt: Ich bin selbst mit 25 Jahren Mama geworden, als erste in meinem Freundeskreis und kannte nur wenige Mütter. Damals war ich dankbar für jede Frau, die mir ihre Helfer gegen Schwangerschaftsübelkeit verraten hat oder mich in ihre Einschlafs-Geheimnisse eingeweiht hat – und mit der man anstrengende Zeiten mit einem Spaß zwischendurch erträglicher machen konnte. Doch genauso gab es auch Frauen, mit denen der Vibe nicht stimmte. In deren Gegenwart ich mich mit einem befleckten T-Shirt und ungewaschenen Haaren unwohl fühlte oder nach einem Austausch erschöpft und an mir zweifelnd zurück blieb.

Frage dich ehrlich mit wem du deine eh schon knappe Zeit verbringen willst.

In gewisser Weise ist es in der sensiblen Phase sicherlich normal, dass man sich selbst mit anderen vergleicht, besonders beim ersten Kind. Durch die neue Lebensphase wird man ähnlich wie in der Schule mit neuen Menschen zusammengewürfelt und oft hat man auf den ersten Blick nur eines gemein: Ein Baby im Bauch. Im besten Fall ergibt sich daraus eine Freundschaft für die ersten Lebensjahre des Kindes oder länger – ein großer Benefit, der bereichern kann – aber eben nicht immer muss.

Was ich jedem empfehlen kann: Wenn dir eine vermeintliche Freundin zu viel Energie raubt oder die Treffen zunehmend belasten, lohnt es sich bewusster zu entscheiden, mit wem man seine eh schon knappe Zeit verbringen will und mit wem nicht. Und sich dann auch von vermeintlichen Mama-Freundinnen zu lösen oder erstmal eine Pause einzulegen. Auch vorher das Gespräch zu suchen und zu erzählen, wie man sich fühlt, wenn man drei Tage wach war und eine Freundin non-stopp von durchgeschlafenen Nächten prahlt, kann ein Anfang sein.

Lohnt es sich mit dem Rotstift durch die Freundesliste zu gehen?

Das bedeutet nicht, dass du sofort alle Freundschaften beenden musst, meist reicht es auch schon für dich eine klare Grenze zu setzen und dich auf die Freundinnen zu fokussieren, die dich unterstützen ohne dir ein schlechtes Gefühl zu geben. Konzentriere dich lieber auf Frauen, bei denen du so sein kannst wie du bist, die dir dein Baby abnehmen, damit du in Ruhe auf die Toilette gehen kannst oder die dir einen Snack mitbringen, wenn du mal wieder nicht zum Mittagessen gekommen bist. Dein sprichwörtliches Dorf sollte dich beflügeln und nicht nach unten ziehen, denn nur dann ist es auch wirklich hilfreich.

Druck wird auch herausgenommen, wenn man an die Freundschaften nicht die Erwartung hegt, dass sie für immer sein muss, sondern nur für gewisse Phasen. Denn seien wir mal ehrlich: Nicht alle Freundinnen aus dem Kindergarten zählen auch heute noch zu unserem engsten Kreis. Genauso ist es mit den Mama-Freundinnen, die man im Geburtsvorbereitungskurs kennenlernt und für die man in der Anfangszeit dankbar ist. Wenn es sich anschließend in der Kindergartenphase auseinander dividiert, ist das der Lauf der Dinge.

Und genau dieser Fakt schenkt doch Zuversicht: Wenn man sich in der Kleinkindphase von seiner Mütter-Gruppe trennt, weil man sich in deren Gegenwart nicht gesehen oder ständig bewertet fühlt, heißt das noch lange nicht, dass nicht schon bald eine Verbündete beispielsweise in der Turngruppe oder im Kindergarten auf einen wartet. Die Schauspielerin Ashley Tisdale habe nach dem Eklat erkannt, dass auch das zum Mamasein dazugehört: Grenzen setzen und aufmerksam aufs eigene Bauchgefühl hören, wer einem wirklich supportet und gut tut.

 

 

Jetzt bin ich gespannt, was du denkst: Wie gehst du mit Mama-Freundinnen um, die sich ständig vergleichen? Würdest du dich von ihnen trennen oder hast du einen anderen Weg mit ihnen umzugehen? Verrate es uns gern in der Kommentarfunktion.

Marie Kahle

Alle Artikel

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Neueste
Älteste Beliebteste
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen