Ist Deutschland nicht kinderfreundlich genug?
Die Diskussion geht schnell über den betreffenden Supermarkt hinaus. Denn sie berührt eine grundsätzliche Frage: Wie kinderfreundlich ist Deutschland eigentlich?
Der Arche-Gründer Bernd Siggelkow bringt es in der Frankfurter Rundschau auf den Punkt: Deutschland sei „nicht kinderfreundlich“. Kinder würden oft als störend empfunden – „in der Wohnung, auf der Straße, im Restaurant oder auch beim Einkaufen im Supermarkt“.
Auch der Soziologe Peter Höfflin, Professor an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg, ordnet den Vorfall gesellschaftlich ein. Besonders nachdenklich macht seine Einschätzung zur Entwicklung im öffentlichen Raum. „In unserer alternden Gesellschaft scheint es, als wüssten viele nicht mehr, wie sie mit Kindern umgehen sollen“, sagt Höfflin der Frankfurter Rundschau. Kinder verschwänden zunehmend aus dem Alltag – sie seien weniger sichtbar und bewegten sich meist nur noch in klar zugewiesenen Räumen wie Kitas oder Spielplätzen.
Natürlich gibt es auch Verständnis für die andere Seite.
Einige Kommentierende – darunter offenbar auch Beschäftigte im Einzelhandel – weisen darauf hin, dass Mitarbeitertoiletten aus Sicherheits- und Hygienegründen tabu seien. Eine Nutzerin schreibt: „Ich kann deinen Unmut verstehen, aber wenn wir die Vorschriften missachten kann uns das den Job kosten.“
Auch der Discounter selbst äußerte sich gegenüber der Frankfurter Rundschau: „Es tut uns leid, dass die Kundin negative Erfahrungen in der Filiale gemacht hat.“ In neueren Märkten gebe es bereits Kundentoiletten, doch das sei „leider aufgrund des geringen Platzes und der in der Regel kurzen Einkaufszeiten nicht überall umsetzbar“. Außerdem könnten Mitarbeitertoiletten aus Sicherheitsgründen nicht genutzt werden.
Trotzdem: Wäre in dem Fall eine Ausnahme nicht möglich gewesen?
Dass Vorschriften existieren, wissen Eltern. Und doch bleibt nach solchen Situationen oft ein bitterer Beigeschmack. Denn Kinder können ihre Bedürfnisse nicht planen, verschieben oder „mal eben aushalten“.
Ich finds allgemein schwach, dass es teilweise keine Kundentoiletten in Supermärkten gibt! Das ist ein Grundbedürfnis! Mir ists auch schon oft passiert, dass ich da stand und dringend aufs Klo hätte müssen. Ich finds ne Frechheit hier im Grunde zu sagen, nö, du musst jetzt in die Hose machen! Wo sind wir eigentlich… Dann sollte es mehr öffentliche Toiletten geben! Einfach nur traurig!…
Auch ich bin Mama von 2 Kindern und habe gleiche Situationen schon erlebt. Toll sind dann auch die Reaktionen wie „wir haben hier keine Toiletten“… HÄÄÄÄ? Für wie dumm haltet ihr mich? Da ich Deutschland im Allgemeinen für ziemlich kinderunfreundlich halte, sind wir zwischenzeitlich ausgewandert.
Auch im Ausland hatte ich die Situation, dass meine Kleine beim Einkaufen Pipi musste… Die Filialmitarbeiterin hat mich dann in einem sehr netten Ton drauf hingewiesen, dass es nur eine Mitarbeitertoilette gäbe aber dass sie eben eine Ausnahme machen würde, weil es eben ein KIND ist… Da wir dann auch tatsächlich an den Büroräumen und am Lager vorbei mussten, blieb sie dann zu ihrer Sicherheit vor der Toilette stehen, was für mich auch völlig verständlich und akzeptabel war.
Schade, schönes Deutschland…
Hm,
Ich verstehe dass die Situation blöd ist. Aber würde da dem Mitarbeitern auch keinen Vorwurf machen.
Die haben sich die Regeln nicht ausgedacht und müssen im Zweifelsfall die Konsequenzen tragen.
Wenn man im Auto unterwegs ist, oder eine Wanderung macht muss man auch mal mit dem nächsten Baum vorlieb nehmen, in der Not.
Ich war mal mit kleinen Kindern in einer Regionalbahn in der alle WCs defekt waren.
Das ist unangenehm.
Kinderfeindlich fände ich, wenn sich dann jmd beschwert weil mein Kind auf dem Rasen Pipi macht.