Tandemstillen: „Ich mag nicht mehr – darf ich den 4-Jährigen abstillen?”

„In meinem Verwandten-, Bekannten- und Freundeskreis hat niemand länger als 3 Monate gestillt, außer eine Freundin, die neun Monate gestillt hat, und das klang für mich schon lang. Nach der Geburt meines Sohnes stand für mich fest, ihn drei bis vier Monate zu stillen, weil es ‚jeder‘ so macht. Nach den vier Monaten habe ich dann verschiedene Flaschen und Pre-Nahrung ausprobiert, aber mein Max sah das anders und hat alles abgelehnt und sich direkt vor der Flasche geekelt.

Somit musste ich weiterstillen, was mich eigentlich gar nicht störte. Es war sogar sehr praktisch. Dann habe ich mich mehr damit beschäftigt und mehr dazu gelesen und bin verschiedenen Gruppen auf Facebook beigetreten. Ich dachte, gut, dann stillst du halt sechs Monate, dann neun Monate, dann ein Jahr oder anderthalb Jahre. Aber jedes Mal, wenn ich abstillen wollte, kam er mir noch so klein vor und ich brachte es nicht übers Herz, ihm seinen sicheren Hafen, seine geliebte Milch zu nehmen.

Außerdem war es für mich meistens schön, angenehm, einfach Liebe.

Als ich wieder Vollzeit arbeiten ging, war er anderthalb Jahre alt und Papa blieb bei ihm zuhause. Dadurch hat das Stillen für uns umso mehr bedeutet, da wir uns den Großteil des Tages nicht sahen. Ich hatte allerdings das Glück, im Home-Office arbeiten zu können und hatte daher auch in den Pausen Zeit, ihn zu stillen.

Mittlerweile ist er vier Jahre alt und hat ein kleines Geschwisterchen, dass sechs Monate alt ist. Als ich schwanger wurde, habe ich überlegt, abzustillen, aber ich wollte es ihm nach wie vor nicht wegnehmen und außerdem fördert Tandemstillen die Geschwisterliebe, da es keine Rivalität gibt, denn beide dürfen stillen.

Ich hatte nie große Probleme mit dem Stillen.

Zumindest nur die ‚üblichen‘, wie zB mal eine übervolle Brust, die ausläuft oder drückt, oder mal gereizte schmerzende Brustwarzen, vor allem in der Schwangerschaft durch die Hormone. Der Große hatte auch einige Clusterphasen im ersten Jahr, der Kleine allerdings nie. Das ist auch ein großer Vorteil vom Tandemstillen, der Kleine hatte durch seinen großen Bruder immer ausreichend Milch zur Verfügung.

Die Schwestern im Krankenhaus haben gestaunt, da er sogar nach der ersten Nacht bereits zugenommen hatte statt abgenommen, wie alle bisherigen Babys.

Direkte Kritik habe ich nie bekommen, aber komische Blicke.

Außerdem bin ich mir sicher, der eine oder andere hat über mich gelästert. Ich habe das Stillen allerdings vorwiegend auf private Räume beschränkt, da es mir unangenehm wäre, so direkt in der Öffentlichkeit. Ich denke, ich könnte mit einer direkten Kritik schwer umgehen – außer im Internet, da ist es mir egal. Mir war vor allem die Meinung meines Mannes wichtig und der stand immer hinter mir.

Das Tandemstillen war am Anfang schon ein wenig chaotisch. Ich habe beide gleichzeitig gestillt, was meist unbequem und anstrengend war. Als der Kleine größer und zappeliger wurde, war es nicht mehr machbar, daher stille ich nun beide nacheinander oder zu unterschiedlichen Zeiten. Es hat sich auch irgendwann so ergeben, dass jeder seine Seite hat und nicht mehr getauscht wird.

Doch seit der Geburt des Kleinen kommt mir der Große so groß vor.

Ich war bisher der Meinung, meine Kinder dürfen über den Abstillzeitpunkt selbst entscheiden. Aber nun habe ich manchmal eine Abneigung, den Großen zu stillen. Wenn ich ehrlich bin, habe ich in letzter Zeit oft gehofft, der Große würde sich endlich abstillen (auch wenn ich weiß, dass das natürliche Abstillalter zwischen 2-7 Jahren liegt). Leider ist er aber ein totaler Stillfan und stillt mehr als das Baby! Mindestens fünfmal am Tag und am liebsten mehr als 20 Minuten. Das Baby ist meist nach fünf Minuten fertig.

Vielleicht ist es nur eine Phase, aber… Ich mag nicht mehr! Allerdings ist er ein sensibles Kind und bekommt durch das Baby weniger Aufmerksamkeit als vorher, daher braucht er die Brust vermutlich auch mehr. Ich bin mir unsicher ob und wie ich abstille. Gerade waren wir alle krank und er profitiert nach wie vor von meinen Abwehrkräften und wird meist nach einem oder zwei Tagen wieder gesund und das ist viel Wert!

Ich bin stolz, dass ich meinen Kindern diese Stillbeziehung ermöglicht habe und bin überzeugt, es gibt ihnen so viel Positives mit ins Leben!”


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Lena Krause
Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und übe mich als Patentante (des süßesten kleinen Mädchens der Welt, versteht sich). Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert. Schon als Kind habe ich das Schreiben geliebt – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit so einem schönen Thema befassen. Das passt einfach! Bevor ich bei Echte Mamas gelandet bin, habe ich Literatur und Medienwissenschaften studiert und nebenbei in einer Agentur als Texterin gearbeitet. Danach habe ich im Lokaljournalismus angefangen und sogar mit meinem Team den „Vor-Ort-NRW-Preis” gewonnen. Die große Nähe zu Menschen und Lebensrealitäten habe ich dort lieben gelernt und das lasse ich jetzt in unsere Echten Geschichten einfließen. Die sind mir nämlich eine Herzensangelegenheit, genauso wie die Themen Vereinbarkeit, Female Empowerment und Psychologie.

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Irmi
Irmi
16 Tage zuvor

Hallo Unbekannte, ich finde es immer total schön und wertvoll von anderen Tandemstillmamas zu hören, ich kenne die inneren Widersprüche, aber du bist nicht allein! Es gibt von La Leche Liga eine Online Gruppe fürs Tandemstillen, für mich eine totale Bereicherung, weil ich mich endlich verstanden fühlte mit dem auf und ab.
Ich hab letztendlich meine Große nach 1,5 Jahre Tandemstillen abgestillt. Es war eine anstrengende und wunderschöne Zeit!

Alles Gute dir und deiner Familie!
Irmi

Last edited 16 Tage zuvor by Irmi