Stilldemenz: Einbildung oder echt?

Was wollte ich nochmal? Wo hab ich das hingelegt? Hast du mein Dings gesehen? Nachdem das quengelige Baby nach dem Stillen endlich schläft, steigt man in eine entspannende heiße Dusche – mit der Brille auf der Nase oder den Socken noch an den Füßen. Man vergisst auf Grillpartys den Namen eines Familienmitglieds oder lässt seinen Einkauf an der Supermarktkasse stehen. Es ist leicht, sich über diese „Mommy-Brain“-Dinge lustig zu machen. Aber: Schuld daran ist die Stilldemenz!

1. Was genau ist das und was kann man gegen sie tun?

Stilldemenz ist keine Krankheit!

Stilldemenz ist keine Demenz, die Gehirnfähigkeit ist nur temporär vermindert! Der Begriff Demenz ist hier deswegen eigentlich völlig falsch platziert und wird nur als Neckerei benutzt, da die „Verpeiltheit“ der Mütter manchmal einer Demenz ähnelt. Eine Stilldemenz ist im Vergleich zu einer richtigen Demenz aber völlig harmlos – und vor allem auf einen Zeitraum begrenzt.

Der Grund dafür ist, dass das Gehirn seine Konzentrationsleistung während der Still-Phase (und noch etwas darüber hinaus) vermindert und herunterfährt. Die Hirnströme bleiben dabei aber gesund und sehen daher auf einem MRT oder EEG auch komplett normal aus. Die Leistung entspricht laut Studien einfach der einer 60-jährigen Frau. Aber kein Grund zur Panik – dein Gehirn hat nicht für immer einen Sprung ins Seniorenalter gemacht, sondern funktioniert nach ungefähr einem Jahr wieder ganz normal. Es gibt auch keinerlei Folgeschäden. Fakt ist aber, dass die Stilldemenz keine Einbildung ist!

2. Woher kommt die Stilldemenz?

Auch wenn die Demenz während des Stillens auftritt, ist sie nicht damit verbunden. Auch Mamas, die ihrem Kind die Flasche geben, sind betroffen. Zurückzuführen ist sie nämlich auf den Stress, den Schlafmangel und den veränderten Hormonhaushalt nach der Geburt. Es gibt sogar Fälle, in denen Männer mit unter der Stilldemenz leiden.

Schlafmangel

Besonders der Schlafmangel macht dem Gehirn zu schaffen. Es reagiert auf Schlafentzug ähnlich wie unter dem Einfluss von Alkohol. Die Leistungsfähigkeit ist eingeschränkt und lässt zu wünschen übrig. Das liegt daran, dass durch die sehr kurzen Schlafphasen die REM-Phase, die für die Festigung von Gedächtnisinhalten verantwortlich ist, nicht erreicht wird. Ein Stillkind wird in den ersten Wochen nach der Geburt in der Regel alle 2-4 Stunden wach und hat Hunger. Und da man am Anfang noch nicht wirklich eingespielt ist, kann sich die Stillzeit dann noch etwas hinziehen. Das heißt, der Rhythmus, der für ein waches Gehirn aber erforderlich ist, ist erstmal nicht gegeben. Dass dadurch die Aufmerksamkeit am Tage etwas nachlässt, ist also nicht verwunderlich.

Hormonelle Umstellung

Der erhöhte Hormonspiegel nach der Geburt setzt dem Ganzen dann noch einen oben drauf. Ich denke, alle Frauen können mir da zustimmen, dass unsere Hormone einen großen Einfluss auf unser Wohlbefinden und unsere Konzentration haben können. Der Hormonspiegel sorgt dafür, dass der Körper und das Gehirn die Geburtsschmerzen verarbeiten kann und sie vor allem vergisst. Kein Wunder also, dass das Gehirn nicht mehr ganz logisch denkt. Dazu kommen die Hormone Oxytocin und Prolaktin. Erstes wird auch als Liebeshormon bezeichnet, da es vermehrt beim Stillen ausgeschüttet wird und dafür sorgt, dass wir uns so richtig in unser Baby verlieben. Wie ein Blick durch die rosarote Brille!

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Veränderte Prioritäten

Deine oberste Dringlichkeit ist jetzt nicht mehr der Lieblingskaffee deines Kunden oder das Thema des nächsten Meetings. Du bist jetzt Mama und völlig auf dein Baby und seine Bedürfnisse konzentriert. Alles andere rutscht dadurch einfach etwas nach hinten. Diese Verlagerung des Fokus kann halt mal dazu führen, dass wir etwas schusselig in anderen Bereichen werden. Von einer Demenz kann man da aber nicht sprechen!

3. Die Stilldemenz tut deinem Baby gut!

Du fragst dich sicherlich, wie deine Schusseligkeit gut für dein Baby sein kann. Wenn man ständig etwas vergisst, liegen lässt oder schlichtweg verplant ist. Es ist aber so! Dein Körper sagt dir auf eine amüsante, aber liebevolle Art und Weise, dass du jetzt voll und ganz Mama sein darfst, und dich hauptsächlich auf dein Baby einschießen kannst – und solltest. Genau das tut ihm nämlich gut. Kuscheln, schmusen, spielen und stillen hilft ihm dabei, glücklich und umsorgt aufzuwachsen. Besonders für eure Bindung ist das sehr wichtig. Die Stilldemenz kannst und musst du also einfach akzeptieren und darfst sie sogar genießen.

4. So meisterst du den Alltag

Du kannst die Stilldemenz nicht völlig verhindern, du kannst sie aber etwas kontrollieren, indem du versuchst, dein Gehirn auf Schwung zu halten. Trinke zum Beispiel täglich mindestens 2 Liter Wasser und ernähre dich ausgewogen – das unterstützt die Gehirnfunktion. Und ganz wichtig: Gönne dir regelmäßig eine richtige Entspannung und Schlaf! Das ist gerade am Anfang nicht so einfach dazwischen zu quetschen, aber es tut dir und deinem Gehirn sehr gut. Versuch daher zu schlafen, wenn dein Baby schläft (ja, ich weiß, du kannst es nicht mehr hören…) oder versuch es mal mit Mediation, um deinen Körper herunterzufahren.

Hier noch ein paar Tipps, um dein Gehirn etwas zu unterstützen:

Schreibe dir alles direkt auf!

Der einfachste Weg, sich Dinge wieder ins Gedächtnis zu holen, wenn man mal auf dem Schlauch steht, ist durch Notizen. Die Rede ist hierbei nicht nur von Einkaufszetteln und To-Do-Listen, sondern auch von Fragen und Themen, die dir wichtig sind. Zum Beispiel für einen Arzttermin, für deine Hebamme, für deine U-Untersuchung und und und… So läufst du nicht aus einem Termin raus und stellst dir auf dem Rückweg die Fragen, die du deiner Hebamme 10 Minuten vorher eigentlich hättest stellen sollen.

Trage alles in deinen Kalender ein!

Und nein, nicht in dein Smartphone, sondern klassisch in einen Papierkalender. Manchmal sind die altmodischen Weisen die effektivsten. Durch das Aufschreiben merkt sich das Gehirn das Thema leichter. Trag dir deine Termine also immer direkt in den Kalender ein!

Nimm einfach immer jemanden zu deinen Terminen mit!

Für den Fall, dass du dann doch mal vergessen hast, dir die Dinge aufzuschreiben, ist es sehr hilfreich, deinen Partner, deine Mama oder eine Freundin mitzunehmen. Besonders bei Terminen, bei denen es wichtig ist, Informationen zu erfassen, ist ein zweites Paar Ohren sehr praktisch.

Lege deine täglichen Gebrauchsgegenstände immer an den selben Ort!

Lege Dinge wie Schlüssel, Portemonnaie, Handy usw. immer an denselben Platz bei dir zuhause. Das kann zum Beispiel eine Schüssel im Eingang sein, ein Korb in der Küche oder dein Nachttisch. Dann ersparst du dir das hektische Rumgewusel, wenn du die Sachen brauchst.

Mineralien unterstützen das Gedächtnis

Wenn deine Stilldemenz stark ausgeprägt ist und dich stört, dann probiere es mal mit Mineralien- und Vitamintabletten. Vitamin C, B12 und Zink haben einen positiven Effekt auf die Gehirnfunktion. Sprich das aber vorher mit deinem Arzt ab, da ein Zuviel an Vitaminen in der Stillzeit auch nicht gut ist. Versuche daher eher,die Mineralien durch die Nahrung aufzunehmen, dann kannst du nichts überdosieren.

Gib so viele Aufgaben wie möglich an den Papa ab!

Dein Partner wird dir mit Sicherheit liebend gerne zur Seite stehen und dir Aufgaben im Haushalt abnehmen, Mann zeigt doch gerne, was er kann. Scheue dich daher nicht davor, sprich die Dinge direkt an und versuch nicht, alles selber zu stemmen. Zu zweit macht die Neu-Elternzeit auch viel mehr Spaß und ihr profitiert beide davon, da eure Körper sich etwas entspannen können.

Stilldemenz ist also keine Einbildung, sondern eine völlig normale und temporäre Phase als Neu-Mama und Neu-Papa. Auch wenn es manchmal nervig ist, schon wieder irgendwelche Dinge zu verschusseln, so ist es auf der anderen Seite eine wundervolle Phase, die euch mit eurem Baby verbindet. Genieß daher dein „Mommy-Brain“ und das Glück, so richtig Mama zu sein!

Antonia

Gebürtige Hamburgerin aus einer niederländischen Großfamilie, in der es von Kindern nur so wuselt. Seit ich denken kann, habe ich auf Babys aufgepasst und daher einiges über sie und über das Leben mit ihnen lernen können. Seit Sommer 2019 arbeite ich als Freelancer bei „Echte Mamas“ und bin stolz, ein Teil des Unternehmens sein zu dürfen!

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