So wird weltweit gestillt – diese 10 Traditionen MÜSST ihr kennen!

Eigentlich möchte man meinen, dass Stillen überall auf der Welt gleich abläuft. Unsere Babys saugen instinktiv an der Brust und im Normalfall fließt die Milch ganz von allein.

Ganz so einfach ist das aber nicht. Das merken wir schon im Umgang mit anderen Mamas – manche sind peinlich darauf bedacht, nicht in der Öffentlichkeit zu stillen, andere stören sich nicht an Beobachtern und wieder andere Mamas können es kaum erwarten, abzustillen. Auch die Art und Weise wie gestillt wird, unterscheidet sich von Kultur zu Kultur. Wir zeigen euch 10 unterschiedliche Traditionen.

Mongolei – keine falsche Scheu beim Stillen

Während hierzulande Frauen sich beim Stillen immer noch oft genug in eine stille Ecke verziehen, wird das Stillen in der Mongolei regelrecht zelebriert. Mamas, die hier auf der Straße stillen, werden nett angelächelt und ermuntert ihre Babys weiter zu füttern. Muttermilch gilt als wertvolle Nahrungsquelle, die mitunter sogar vom Partner der stillenden Mutter getrunken wird. Kinder werden in der Mongolei deshalb auch länger gestillt und bis sie zwei Jahre alt sind, mit Muttermilch gefüttert. Einige Kinder werden sogar noch länger gestillt.

Kongo – auch Väter „stillen“

In kaum einen anderen Land werden Frauen und Männer gleichberechtigter behandelt als in Kongo. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern lösen sich hier auch beim Stillen auf: Babys werden sowohl von ihren Mamas als auch von ihren Papas gestillt. Bei Letzteren wird selbstverständlich keine Milch produziert, doch das Nuckeln an der Brust des Papas hat eine beruhigende Wirkung und festigt die Bindung zwischen Papa und Kind.

Kenia – spirituelles Stillen

In Kenia glauben manche Frauen, dass nach einem Streit mit der Familie, die Milch versauert. Deshalb gibt es kulturelle Reinigungsrituale, bei denen Mamas heilende Kräuter verabreicht werden oder die Frauen hören ganz auf, zu stillen. Bei einigen Stämmen ist es verpönt in der Öffentlichkeit zu stillen, weil sie dabei von einem „bösen Auge“ beobachtet werden könnten, das die Milch verdirbt.

Brasilien – gesunde Babys dank Milchbänken

In Brasilien konnte die Sterberate von Säuglingen in den letzten Jahren drastisch gesenkt werden. Die Rate sank seit 1985 von 6,3 auf 1,9 Prozent, was vor allem daran liegt, dass Stillen immer normaler wird. In Brasilien gibt es zudem 220 von weltweit 292 Milchbänken.

Irak – Mamas und Milchmütter

Im Irak ist Stillen nicht weit verbreitet. Stillende Mütter gibt es nur unter Teilen der muslimischen Bevölkerung. Dieser wird Stillen im Koran wegen der positiven Wirkung auf die Gesundheit des Kindes empfohlen. Babys müssen nicht ausschließlich von der eigenen Mutter gestillt werden und können auch von einer anderen „Rida“, einer „Milchmutter“ gestillt werden.

Indien – auch Rehkitze werden gestillt

In Indien gibt es verschiedene Bevölkerungsgruppen, die das Stillen unterstützen. Unter Anderen die Bishnoi, eine religiöse Gruppe, die im Wüstengebiet lebt, stillt ihre Babys. Die friedliche Religionsgruppe schätzt alle Lebewesen und nicht nur die eigenen Nachkommen wert, deshalb stillen die Frauen hier auch verwaiste Rehkitze.

Kaum stillende Mütter in Großbritannien

Im weltweiten Vergleich der stillenden Mütter, schneidet Großbritannien extrem schlecht ab. Nur 1 von 200 Babies wird noch nach dem ersten Lebensjahr gestillt. Dies liegt vermutlich daran, dass Mütter in Großbritannien schnell zur Arbeit zurückkehren und ihre Babys auch ohne sie klar kommen sollen.

Guatemala -Ersatzmilch

Guatemala ist ein Land, in dem die Sterblichkeitsrate von Kindern ausgesprochen hoch ist. Ausschuss gilt in Guatemala als giftig, deshalb wird Babys, solange sie auf die Muttermilch warten, Kaffee, gezuckertes Wasser und Getreidemilch gegeben. Weil Babys so nur selten Milch bekommen, produzieren die Mütter meistens weniger Milch und entwickeln Schwierigkeiten beim Stillen des Kindes.

Namibia – von Frau zu Frau

In Namibia wird nur wenig gestillt. Ein Stamm, bei dem das Stillen weit verbreitet ist, sind die „Himba“. Die Halbnomaden gebähren ihre Kinder ohne fremde Hilfe, sodass man denken könnte, auch Stillen ist für diese natürlich lebenden Frauen etwas ganz Selbstverständliches. Dem ist aber nicht so. Auch Himba-Frauen haben ihre Schwierigkeiten und werden deshalb, während sie stillen, von ihren Müttern unterstützt, die ihnen zeigen, wie man richtig stillt.

Japan – Brustmassage und Bemalung

In Japan stillten 2016 rund 50 Prozent der Mütter. Für die stillenden Mütter gibt es eine eigens entwickelte Massage, „Oketani“, die die Milchproduktion anregen soll. Rund 300 japanische Frauen üben diese Massage beruflich aus. Neben der beliebten Brustmassage gibt es noch einen weiteren Brauch: Wenn Mütter sich entschließen, abzustillen, malen sie sich ein großes Gesicht auf ihre Brust, das ihren Babys den Appetit auf Muttermilch nehmen soll.