Relaktation: So kann das Stillen ein zweites Mal klappen

Die Gründe, warum eine Mutter ihr Baby entweder nicht stillt oder abstillt, sind von Frau zu Frau verschieden. Manche Mamas haben gesundheitliche Gründe, andere haben mit Stillproblemen zu kämpfen, und wieder andere entscheiden sich ganz bewusst gegen das Stillen. Es ist allerdings gar nicht so selten, dass bei den Frauen irgendwann der Wunsch aufkommt, das Baby doch (wieder) zu stillen. Vielleicht haben sich die Umstände geändert, vielleicht vermissen sie etwas, oder sie haben einfach ihre Meinung geändert. In diesen Fällen kann man versuchen, den Milchfluss wieder in Gang zu bringen. Relaktation heißt das Ganze, und alle wichtigen Infos dazu findest du hier.

1. Was bedeutet Relaktation?

„Re“ bedeutet „zurück“ und der Begriff „Laktation“ ist eine andere Bezeichnung für das Stillen. Relaktation heißt frei übersetzt also soviel wie „zurück zum Stillen“. Wenn eine Frau also eigentlich schon abgestillt hat, ihr Baby später aber doch wieder an der Brust trinken lassen möchte, kann sie versuchen, den Milchfluss wieder in Gang zu bringen.

2. Ist eine Relaktation nach dem Abstillen überhaupt möglich?

Kurz gesagt: Ja, das kann funktionieren. Allerdings ist es relativ zeitintensiv und kann für dich als Mama ganz schön anstrengend werden. Du solltest deshalb zu 100 % davon überzeugt sein, dass du dein Baby wieder stillen möchtest, und hinter deiner Entscheidung stehen. Außerdem holst du dir am besten professionelle Unterstützung, zum Beispiel von deiner Hebamme oder einer Stillberaterin. Auch deine Liebsten solltest du mit einbeziehen. Sie können und sollten dich in der Zeit der Relaktation so oft und gut es geht unterstützen.

3. Wovon hängt es ab, ob die Relaktation funktioniert oder nicht?

Grundsätzlich gilt: Je kürzer das Abstillen her ist, desto größer sind deine Chancen, dass die Relaktation funktioniert. Besonders, wenn du dein Baby über einen längeren Zeitraum voll gestillt hast, ist es wahrscheinlich, dass du deinen Milchfluss wieder ankurbeln kannst. Das gleiche gilt für Mütter, die schon ein älteres Kind gestillt haben. Das liegt daran, dass sich das Brustdüsengewebe nach der Geburt stark vermehrt, wenn die Brust regelmäßig „entleert“ wird.

Auch wenn du dein Kind nach der Geburt erst einmal nicht gestillt hast, stehen deine Chancen bei der Relaktation prinzipiell gut. Allerdings kann es in diesem Fall leichter passieren, dass dein Körper nicht genug Milch produziert, damit dein Baby satt wird.

Außerdem spielt auch das Alter deines Kindes eine Rolle. Mit Säuglingen klappt die Relaktation im Normalfall besser als mit Kleinkindern.

4. Gibt es eine Anleitung für die Relaktation?

Zunächst einmal ist der Grund wichtig, aus dem du dich zum Abstillen bzw. Nicht-Stillen entscheiden hast. Konntest du nicht genug Milch bilden? Oder hatte dein Baby Probleme beim Trinken? Manchmal sorgen gesundheitliche Probleme wie etwa eine Schilddrüsenunterfunktion dafür, dass das Stillen nicht wie erwartet funktioniert. Dann kann es helfen, mithilfe einer Blutuntersuchung deine Hormonwerte zu ermitteln, um zu schauen, ob dort alles im grünen Bereich ist. Außerdem sollte auch dein Baby einmal untersucht werden.

Ganz wichtig: Du solltest deinen Schatz möglichst zeitnah wieder an die Brust gewöhnen. Denn um die Milchbildung anzuregen, ist das Saugen des Säuglings die mit Abstand effektivste Methode. Am besten legst du dein Baby jeden Tag etwa acht bis zwölf Mal für jeweils 15 bis 20 Minuten an jeder Brust an.

Wenn dein Baby nicht so lange an der Brust saugen mag, kannst du zusätzlich auch eine Milchpumpe benutzen. Außerdem kann auch die Stimulation der Brustwarzen dabei helfen, den Milchfluss anzuregen. Dafür solltest du sie etwa sechs bis zehn Mal am Tag für zehn bis 30 Minuten massieren.

Zu guter Letzt hilft auch viel Körper- und Hautkontakt zu deinem Baby bei der Relaktation. Denn beides regt die Prolaktion-Ausschüttung an. Prolaktion ist das Hormon, das für die Milchbildung zuständig ist. Deshalb solltest du möglichst viel Körper- und Hautkontakt zu deinem Baby haben, denn dadurch wird die Prolaktin-Ausschüttung angeregt.

5. Wie lange dauert es, bis mein Körper wieder Milch produziert?

Das ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Du solltest dich allerdings darauf einstellen, dass es einige Wochen dauern kann, bis dein Baby wieder an der Brust trinken kann. Teilweise müssen Frauen auch mehrere Monate daraufhin arbeiten, dass die Milch wieder fließt. Auch die Menge der Milch ist bei jeder Frau unterschiedlich: Manche können ihr Baby wieder voll stillen, andere müssen zufüttern.

6. Darf ich meinem Kind parallel die Flasche geben, wenn meine Milch nicht ausreicht?

Kurz gesagt: nein. Du solltest es vermeiden, deinen kleinen Schatz zusätzlich aus der Flasche zu füttern. Denn nur, wenn er regelmäßig an deiner Brust saugt, gewöhnt er sich wieder an das Stillen. Sollte das Stillen allein nicht funktionieren, kannst du mit Hilfe eines Brusternährungssets zufüttern. Dabei hängt eine kleine Flasche mit Milch an deinem Hals. An der Flasche ist ein kleiner Schlauch befestigt, aus dem dein Baby auf Höhe deiner Brustwarzen die Milch trinkt.

7. Mein Kind möchte partout nicht an die Brust – und jetzt?

In diesem Fall solltest du am besten einmal mit deiner Hebamme sprechen. Sie kontrolliert, ob du dein Kind richtig anlegst. Außerdem kann sie überprüfen, ob es vielleicht anatomische Gründe gibt, aus denen du dein Kind nicht richtig stillen kannst.

Falls dein Baby die Brust so verweigert, dass auch das Zufüttern nicht klappt, pumpst du die Milch am besten alle zwei bis drei Stunden mit einer elektrischen Milchpumpe ab. Anschließend fütterst du deinen Säugling mit Löffel und einem kleinen Becher.

7. Hilft Bockshornklee, den Milchfluss wieder anzuregen?

Wenn du dich für eine Relaktation entscheidest, empfehlen viele Hebammen und Sttillberaterinnen, unterstützend Bockshornklee einzunehmen. Es gibt ihn zum Beispiel als Kapseln oder auch als Tee. Bei einem Test, den der amerikanische Wissenschaftler Paul Fleiss mit mehr als 30 pflanzlichen Mitteln durchführte, die die Milchbildung steigern sollen, war Bockshornklee das einzige, was tatsächlich wirkte. Einen Versuch ist es also wert.

Aber Achtung: Bitte sprich unbedingt einmal mit deiner Hebamme, bevor du die Relaktation mit Bockshornklee unterstützt. Außerdem solltest du darauf achten, ob das Präparat unerwünschte Nebenwirkungen hat – und es dann sofort absetzen,

8. Wie lange ist Relaktation überhaupt möglich?

Prinzipiell ist es immer möglich, den Milchfluss wieder anzuregen, nachdem du abgestillt hast. Allerdings steigen deine Chancen, je kürzer der Abstand zwischen Abstillen und Relaktation ist. Außerdem muss dein Baby noch dazu bereit sein, an deiner Brust zu trinken, sonst hat das Ganze keinen Zweck.

Übrigens können sogar Frauen, die noch nie schwanger waren, ihren Körper dazu bringen, Milch zu produzieren. Das kann zum Beispiel helfen, wenn eine Mama ihr Adoptivkind stillen möchte. Weil sie in dem Fall ja noch nie gestillt hat, nennt man das allerdings nichts Relaktation, sondern „indizierte Laktation“.

9. Relaktation: Diese Tipps können dir helfen

Wenn du dich dazu entschieden hast, dein Baby ein zweites Mal zu stillen, haben wir hier noch einmal die wichtigsten Tipps zur Relaktation für dich zusammengestellt:

Vor dem Start: Suche dir Unterstützung

Bevor du mit der Relaktation loslegst, sprich am besten mit deiner Hebamme oder einer Stillberaterin. Sie können dir sagen, wie du am besten vorgehst, dir Tipps zur Ernährung geben, und dir gegebenenfalls unterstützende pflanzliche Mittel empfehlen.

Erledige alle notwendigen Anschaffungen

Besorge dir am besten vor dem Start schon alles, was du für die Relaktation brauchst. Denke dabei auch an ein Stillkissen, Brustwarzencreme und eventuell Alternativen zum Fläschchen, falls du am Anfang zufüttern musst. Auch eine Tragehilfe kann sehr sinnvoll sein, um ständigen Körperkontakt zu deinem Baby zu unterstützen. Denn:

Hautkontakt, sooft es geht

Suche wann immer es geht den Hautkontakt zu deinem Baby. Er sorgt dafür, die Prolaktion-Ausschüttung in deinem Körper anzukurbeln. Und abgesehen davon genießen wir doch jede Kuscheleinheit mit unserem kleinen Schatz, oder? Eine Tragehilfe kann hier übrigens eine sehr gute Möglichkeit sein.

„Nein“ zu Schnuller und Co.

Dein Baby sollte sein Saugbedürfnis nicht mit einem Schnuller befriedigen. Auch wenn es „nur“ Trost braucht, solltest du es immer an die Brust legen.

Medikamente können helfen

Manchmal können Medikamente notwendig sein, um deinen Milchfluss anzuregen. Neben den oben erwähnten Bockshornkleekapseln empfehlen Fachleute häufig, über mehrere Wochen Domperidon zu nehmen. Es wird eigentlich gegen Übelkeit und Erbrechen eingesetzt, regt aber nebenbei auch die Milchbildung an. Allerdings wird es in diesem Fall leider nicht von der Krankenkasse bezahlt. Das heißt, du musst die Kosten selber tragen.

Versuche es mit einer Milchpumpe

Eine Milchpumpe kann dich dabei unterstützen, das Saugen des Babys zu simulieren, und den Milchfluss anzuregen. Elektrische Milchpumpen kann man häufig in Apotheken leihen, dann sparst du dir das Geld für den Kauf.

Rückschläge gehören dazu

Eine Relaktation ist anstrengend und erfordert viel Geduld. Es kann sehr gut sein, dass es nicht auf Anhieb klappt mit dem Stillen. Auch für dein Baby ist die neue Situation ungewohnt. Kleine Rückschläge sind deshalb vollkommen normal – lasse dich dadurch nicht entmutigen. Wenn du dir wirklich einen zweiten Still-Versuch wünschst, dann halte durch – du schaffst das!

Sei stolz auf Dich!

Egal, ob die Relaktation klappt oder nicht – du hast allen Grund, stolz auf dich zu sein. Schließlich hast du alles versucht, was möglich war, und alles gegeben. Genieße die Nähe zu deinem Baby, freue dich über eure innige Verbindung – denn diese kann dir niemand nehmen.

Hast du bereits einen zweiten Stillbeginn erlebt und möchtest deine Erfahrungen mit uns und anderen Mamas teilen? Dann komm doch in unsere geschlossene Facebook-Gruppe „Wir sind Echte Mamas“

Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Ich liebe den Hafen, fotografiere gern, gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Social Media und Texte ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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