Warum du auf Quinoa in der Schwangerschaft verzichten solltest

Quinoa schummelte sich vor einigen Jahren zwischen Wildreis und Hirse ins Regal des Reformhauses – doch kaum jemand wusste etwas mit den Körnern aus Übersee anzufangen. Neu ist das gesunde Korn jedoch nicht; die Inkas haben sich davon bereits vor tausenden Jahren ernährt. Nach und nach erst verschaffte sich Quinoa zusammen mit Chiasamen, Moringa und anderen exotischen Gesundmachern einen Namen als sogenanntes Superfood. Allerdings sollten werdende Mamas auf Quinoa in der Schwangerschaft lieber verzichten. Wir schauen dem kleinen Korn einmal ganz genau unter die Schale und erklären, wann es kritisch wird.

Das Wichtigste über Quinoa in der Schwangerschaft zuerst

Diplom-Ökotrophologin Pamela Koch hat diesen Artikel inhaltlich geprüft.

  • Quinoa enthält von Natur aus Bitterstoffe, die bei Schwangeren zu Blutarmut führen können.
  • Dadurch wird der Transport wichtiger Nährstoffe gebremst, das Baby unter Umständen nicht mehr ausreichend damit versorgt.
  • Obwohl Quinoa generell als Superfood gilt (u.a. aufgrund hohem Eiweißgehalts und ungesättigten Fettsäuren), sollten Schwangere besser darauf verzichten.
  • Ein weiterer Nachteil: Quinoa wird meist aus fernen Ländern importiert.
  • Die guten Inhaltsstoffe lassen sich ebensogut durch heimische Getreide zuführen.

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Was ist Quinoa?

Mit ihren langen Rispen und den hellen Ähren ähnelt Quinoa Getreidesorten wie Roggen, Hafer oder Weizen. Aus botanischer Sicht zählt sie jedoch nicht zum Getreide, denn Quinoa gehört zu den Gänsefußgewächsen und nicht – wie unsere heimischen Getreidesorten – zur Familie der Süßgräser. Weil sie Süßgräsern optisch aber so ähnelt, wird Quinoa als „Scheingetreide“ (Pseudocerealie) bezeichnet.

Die Stängel der Pflanze werden bis zu 200 Zentimeter groß. An ihnen wachsen gezahnte grüne Blätter und die grünlichen Blüten, aus denen sich später die nussähnlichen etwa zwei Millimeter großen, flachrunden Körner entwickeln, die unter dem Namen „Quinoa“ bei uns auf dem Teller landen.

Es gibt mehr als 120 verschiedene Quinoa-Sorten. Man unterscheidet zwischen dem weißen, dem schwarzen und dem roten Quinoa. Diese weisen nicht nur verschiedene Kornfarben auf, sondern schmecken auch unterschiedlich. Quinoa wächst natürlicherweise nicht bei uns in Europa. Ursprünglich stammt sie aus südamerikanischen Regionen wie Peru, Bolivien und Ecuador. Quinoa stellt wenig Ansprüche an Bodenbeschaffenheit und Klima und gedeiht daher – anders als die meisten Getreidesorten – auch in den Hochebenen der Anden. Daher wird Quinoa auch als „Andenhirse“ oder „Inkareis“ bezeichnet.

Wie schmeckt Quinoa?

Quinoa kannst du sowohl roh als auch gekocht genießen. Dabei entfalten die kleinen Körner einen leicht nussigen und erdigen – je nach Sorte mild bis intensiven – Geschmack. Der Andenreis mischt sich gern in Salate, Bowls, Eintöpfe oder unters Risotto; aber auch Süßspeisen wie süßes Porridge verfeinert der Inkareis auf seine ganz spezielle Weise.

Quinoa gilt doch als Superfood – warum nicht in der Schwangerschaft?

Einer der Gründe, warum Quinoa in den letzten Jahren zum Superfood hochgejubelt worden ist, ist ihr hoher Anteil an Eiweiß. Damit eignet sich das Scheingetreide wunderbar als Eiweißquelle für die vegetarische oder vegane Küche. Auch ihr hoher Anteil an gesunden Fetten, den ungesättigten Fettsäuren, spricht für die Andenhirse. Darüber hinaus liefern die Körner wertvolle Mineralstoffe wie Magnesium, Eisen, Zink und Calcium sowie Vitamin E und Vitamine der B-Gruppe und lange sättigende, komplexe Kohlenhydrate.

Im Gegensatz zu vielen Getreidesorten enthält das Scheingetreide Quinoa kein Gluten. Damit eignet es sich auch für Glutenallergiker für den Verzehr.

So weit, so gut. Das Korn aus den Anden ist also ziemlich gesund. Aber gilt das auch für die Schwangerschaft? – Leider nein, denn Quinoa enthält Saponine, einen Bitterstoff, der für Schwangere problematisch sein kann.

Aufgrund dieser Bitterstoffe ist Quinoa in der Schwangerschaft nicht gut

Mit den sogenannten Saponinen unter der Samenschale wehrt die Quinoa in der Natur Fressfeinde ab, um besser gedeihen zu können. Diese Bitterstoffe finden sich in hoher Konzentration vor allem in ungewaschenen und ungeschälten Samen.

Saponine können deine Blutkörperchen und die deines Babys schädigen, indem sie dafür sorgen, dass die Zellwände durchlässig werden und der Zellinhalt ins Blut austritt. Das kann zu einer Auflösung von roten Blutkörperchen (Hämolyse) und daraus resultierend zu einer Blutarmut führen. Eine Blutarmut (Anämie) schadet in der Schwangerschaft auch deinem Baby, da durch eine zu geringe Blutmenge der Transport von wichtigen Nährstoffen ausgebremst wird. Infolgedessen kannst du dein Baby nicht mehr optimal mit Nährstoffen versorgen.

Der Namensbestandteil „sapo“ der Saponinen bedeutet aus dem lateinischen übersetzt „Seife“ und deutet auf eine spezielle Eigenschaft des sekundären Pflanzenstoffes hin: Saponinen sind wasserlöslich und wirken reinigend und fettlösend.

Zwar wird die Quinoa in der Regel sowohl gewaschen als auch geschält, bevor sie in den Handel kommt. Reste der Saponinen verbleiben aber an der Andenhirse. Diese Stoffe lassen sich auch nicht vollkommen durch das Kochen der Körner eliminieren. Daher solltest du während deiner Schwangerschaft auf Quinoa lieber verzichten.

Lange Transportwege begünstigen Keimbelastung

Ein weiterer Grund, der gegen den Verzehr von Quinoa in der Schwangerschaft spricht, sind die langen Transportwege. Zwar wird die Quinoa inzwischen auch in Deutschland angebaut, einen Großteil importieren wir allerdings aus dem Ausland. Mal abgesehen von der Umweltbelastung wirkt sich die lange Reise auch auf die Qualität der Körner aus. Denn: Je länger diese unterwegs sind, desto höher steigt das Risiko einer Keimbelastung.

Für die Zeit der Schwangerschaft gibt es für Quinoa glücklicherweise ausreichend Alternativen. Diese schmücken sich vielleicht nicht mit dem Label „Superfood“, sind aber ebenfalls richtig gesund und wunderbare Nährstoffquellen. Zum Beispiel:

Unsere Expertin

Diplom-Ökotrophologin Pamela Koch hat diesen Artikel inhaltlich geprüft.Pamela Koch ist Diplom-Ökotrophologin und Ernährungstherapeutin. Seit 14 Jahren berät sie Familien und Multiplikator*innen wie Erzieher*innen zu den Themen Allergieprävention, Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie von Säuglingen und Kindern.

In Zusammenarbeit mit niedergelassenen Kinderärzten und Hebammen hat sie in Ihrer Praxis mittlerweile mehr als 2.000 Familien beraten. Als dreifache Mutter liegen ihr die gesunde Ernährung und die therapeutische Unterstützung von Familien besonders am Herzen.

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Ilona Utzig

Ich bin Rheinländerin, lebe aber seit vielen Jahren im Hamburger Exil. Mit meiner Tochter wage ich gerade spannende Expeditionen ins Teenager-Reich, immer mit ausreichend Humor im Gepäck. Wenn mein Geduldsfaden doch mal reißt, halte ich mich am liebsten in Küstennähe auf, je weiter nördlich, desto besser.

Bei Echte Mamas bin ich Senior SEO-Redakteurin. Meine journalistische Ausbildung abolvierte ich bei einem Hamburger Verlag, um anschließend Skandinavistik, Politikwissenschaft und Germanistik zu studieren.

Nach langen Jahren als Finanz-Redakteurin liegen mir heute noch die Themen Vorsorge, Vereinbarkeit und Care-Arbeit am Herzen.

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