Patchworkfamilie: So haben wir unsere Probleme überwunden

„Stell dir vor, du bist fünf Jahre alt. Deine Eltern, die dir einfach alles auf der Welt bedeuten, sagen dir, dass sie sich trennen. Du weißt nicht so richtig, was das bedeutet. Aber an den Gesichtern von Mama und Papa siehst du, dass das etwas sehr, sehr Ernstes sein muss. Du bist unglücklich, Mama und Papa so bedrückt zu sehen. Und du fühlst dich – schuldig. Als sei es deine Schuld, dass es ihnen so schlecht geht. Du spürst tief in deinem Inneren: Von jetzt an wird in deinem Leben nichts mehr so sein, wie es bisher war. Und vielleicht bist du schon bald Teil einer Patchworkfamilie…

Wenn Eltern sich trennen: Für Kinder eine traurige bis traumatische Erfahrung

Wenn Eltern sich trennen, ist das eine schmerzhafte Erfahrung für jedes Kind. Trennungen und Scheidungen und somit auch Patchworkfamilien sind heutzutage aber beinahe schon „normal“. Umso wichtiger, dass die Eltern – und auch die neuen Partner – sich um ein möglichst gutes Verhältnis bemühen. Dass das nicht immer einfach ist, weiß ich aus Erfahrung.

Vor über sechs Jahren habe ich mich in einen Mann verliebt, der schon ein Kind hat. Und somit auch eine Ex-Frau. Inzwischen haben wir noch einen gemeinsamen Sohn – und sind zu einer richtig glücklichen Patchworkfamilie geworden.

Es gibt kein Patentrezept dafür, wie Patchwork klappt. Auch ich habe keins. Ich kann dir nur erzählen, was uns geholfen hat. In der Hoffnung, dass dir der ein oder andere Ratschlag hilft, wenn du gerade in der gleichen Situation steckst.

Eifersucht? Total normal! Behalte deine Gefühle aber besser für dich

Ist man frisch verliebt, hat man nur Augen für einander. So ging auch meinem Mann und mir. Nach ungefähr drei Monaten Beziehung stellte er mir seinen damals siebenjährigen Sohn vor. Plötzlich stand ich nicht mehr im Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit. War sein Sohn am Wochenende bei uns, unternahmen wir „Kinderkram“ und konnten abends nicht mehr ausgehen. Manchmal fühlte ich mich wie das dritte Rad am Wagen.

Paar liegt im Bett und bespricht die Situation ihrer Patchwork-Familie

Eigentlich sollten da nur er und ich sein… es gab aber auch noch seinen Sohn. Foto: Bigstock

Ich gebe zu: Daran musste ich mich gewöhnen. Einen kleinen Stich der Eifersucht habe ich da schon ab und zu verspürt. Tatsächlich muss man sich als neue Partnerin in einer solchen Situation ganz schön zurücknehmen. Und seine negativen Gefühle möglichst mit sich selbst ausmachen. Denn: Eigentlich ist es doch toll, wenn der Mann so ein toller Papa ist. Was für ein Vater wäre er, wenn er seinen Sohn vernachlässigen würde, nur weil er sich neu verliebt hat? Ich habe mir immer gesagt: Wenn wir mal gemeinsam Kinder haben, wird er ein ebenso zuverlässiger, liebevoller Dad sein (das hat sich bestätigt!).

Patchworkfamilie: Nicht (zu viel) in die Erziehung einmischen

Ich halte mich aus der Erziehung möglichst raus. Der Sohn von meinem Mann hat mit seinen Eltern ja schon zwei Erwachsene, die an ihm „rumerziehen“. Es ist schon eine Herausforderung, dass die getrennten Elternteile in einer Patchworkfamilie an einem Strang ziehen. Mischen noch zwei weitere Personen in Form der jeweils neuen Partner mit und bringen ihre Vorstellung von der „richtigen“ Erziehung mit ein, wird’s richtig kompliziert. Besonders fürs Kind.

Man muss natürlich nicht immer alles gut finden. Und kann das dem Partner das auch unter vier Augen sagen. Das mache ich auch. Im Großen und Ganzen versuche ich aber, die Erziehung meines Mannes und seiner Ex-Frau mitzutragen und im Alltag umzusetzen. Egal, ob ich es bei meinem eigenen Kind vielleicht anders machen würde.

Möglichst wenig Kritik am Patchwork-Kind

Die meisten Eltern sind seeehr empfindlich, wenn es um das eigene Kind geht (kann ich als Mama gut verstehen). Ich formuliere Kritik daher lieber vorsichtig und beziehe mich möglichst konkret auf die Sache („Tim schmatzt immer so beim Essen, magst du da mal drauf achten?“). Das ist besser, als allgemeine Aussagen zu machen wie: „Dein Sohn ist total unerzogen, du musst mal XY“. Das stiftet nur Unfrieden.

Ich habe aber auch Glück. Der Sohn meines Mannes hat mich von Beginn an akzeptiert und ist mir gegenüber noch nie frech geworden. Verhält sich das Kind respektlos oder wird sogar beleidigend, ist das natürlich schwieriger. Häufig steckt hinter so einem Verhalten aber die Ex-Partnerin, die das Kind beeinflusst oder sogar gezielt aufstachelt. In dem Fall sollte man das Gespräch mit ihr suchen (siehe nächster Punkt).

Gutes Verhältnis zur Ex-Frau (plus Partner)

Häufig sorgen enttäuschte Gefühle, Wut oder sogar Hass nach einer Trennung dafür, dass die Erwachsenen nicht mehr vernünftig miteinander umgehen können. Natürlich habe auch ich von meinem Mann die ein oder andere Geschichte gehört, die seine Ex-Frau nicht gerade ins rosigste Licht rückt. Doch das ist nach einer Scheidung ja klar, oder? Wenn alles eitel Sonnenschein gewesen wäre, wären die Zwei ja noch zusammen.

Zwei Frauen unterhalten sich

Sie ist sicher nicht meine beste Freundin, aber ich verstehe mich gut mit der Ex-Frau meines Mannes. Foto: Bigstock

Ich habe mir immer gesagt: Was zwischen meinen Mann und seiner Ex-Frau passiert ist, hat mit ihr und mir nichts zu tun. Ich habe mich daher von Anfang an um ein gutes Verhältnis zu ihr bemüht und bin offen auf sie zugegangen. Die Scheidung war aber auch schon einige Zeit her und die erste Wut verraucht. Als „Neue“ kann man den Keil zwischen dem Ex-Paar vergrößern. Oder aber beschwichtigend und vermittelnd einwirken.

Patchworkfamilie: Klappt es, kann das Kind am Ende sogar profitieren

Von einem harmonischen Miteinander profitieren am Ende alle in der Patchworkfamilie. Die Ex meines Mannes und ich sind keine engen Freundinnen geworden. Aber wir stehen zusammen am Spielfeldrand und plaudern, wenn der Sohn meines Mannes ein Fußballspiel hat. Machen uns zu Festen wie Ostern oder Weihnachten gegenseitig kleine Geschenke. Wir verstehen uns alle sogar so gut, dass wir die Ex meines Mannes und ihren neuen Partner zu unserer Hochzeit eingeladen haben.

Die Trennung der Eltern kann sich für das Kind also durchaus noch in etwas Positives verwandeln: Wenn alle sich gut verstehen und zum Beispiel neue Halbgeschwister oder liebevolle Bonus-Eltern dazu kommen. Wenn das Kind merkt: Die Trennung war für meine Eltern nicht leicht. Aber jetzt sind alle glücklich mit der Situation.“

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer vierjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

Alle Artikel

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.