„Mir reicht’s – Meine Kinder müssen sich jetzt selbst ihr Essen kochen!”

Ich habe vor etwa zwei Jahren aufgehört, für meine Familie zu kochen. Es mag mit dem Beginn der Pandemie zusammengefallen sein, als ich aufhörte, Lebensmittel einzukaufen und mein Mann alles online bestellte – aber ich habe das Gefühl, dass es schon lange zuvor begonnen hatte.

Es war großartig.

Naja, vielleicht nicht für meine Kinder. Manchmal fragen sie mich noch, was es zum Mittag- oder Abendessen gibt, und ich schaue sie einfach nur ausdruckslos an. Nach dem Motto: ‚Wieso fragst du mich? Du hast einen Vater und er ist auch in diesem Haus! Außerdem kennt ihr selbst ein paar einfach Gerichte, die ihr kochen könnt.‘

Unser Haus ist voll mit Essen, denn dafür sorge ich regelmäßig. Also müssen sie nur losgehen und sich etwas nehmen. Sie sehen mich mich meistens etwas traurig an, ziehen dann aber doch ab und sind bisher noch nicht verhungert. Und ich bin jedes Mal stolz darauf, dass sie offenbar schon die Fähigkeit haben, ihre Probleme selbst zu lösen.

Aber zuerst etwas Kontext

Ich bin verheiratet und arbeite als selbstständige Übersetzerin. Mein Mann und ich haben drei Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren und wir beide arbeiten aktuell überwiegend von zu Hause aus.

Was unsere Essenssituation angeht, machen sich die Kinder ihr Frühstück selbst – und wisst ihr was? Ich bin mir wirklich nicht sicher, wie das aktuell abläuft. Machen die älteren Kinder das Mittagessen? Essen sie den ganzen Tag Kekse? Kümmert sich mein Mann um das Abendessen? Ich vermute, sie essen abends zusammen vor dem Fernseher – aber sicher bin ich mir nicht.

Und bevor jetzt jemand sagt, dass ich diese Kinder in die Welt gesetzt habe und sie deswegen auch zu ernähren habe: Wie kommt es, dass niemand jemals daran denkt, dass das genauso auf meinen Mann zutrifft?

Ich habe diese undankbaren kleinen Menschen ein Jahrzehnt lang gefüttert – mir reicht’s.

Ich hasse alles, was mit Mahlzeiten zu tun hat – von der Planung über den Einkauf bis hin zur Zubereitung und dem Verzehr. Ich hasse es – und seit meiner Midlife-Crisis vor drei Jahren mache ich selten Dinge, die ich nicht tun möchte, geschweige denn welche, die ich hasse.

Jetzt fragt ihr euch vielleicht, selbst wenn ich das Essen meiner Kinder nicht zubereite, für mich selbst muss ich doch sicher sowieso kochen, oder? FALSCH! Ich schaue jeden Tag spontan, was ich mir kurz reinstopfen kann – meistens mache ich mir einfach ein Vollkornbrot mit Käse und Salat.

Ich habe mir noch nie viele Gedanken übers Essen gemacht

Keine Ahnung, wie ich die Zeit damals an der Uni überlebt habe. Es gab viel Fastfood und Dosenravioli, daran erinnere ich mich noch. Und das liegt nicht daran, dass ich nicht kochen kann. Ich habe einfach keine Lust, es zu tun.

Warum sollte ich mir die Mühe machen, wenn die Kinder dann eh nur meckern und genervt stöhnen über das, was auf den Teller kommt? Die Blutwerte meiner Kinder sind gut. Es ist nicht so, dass sie Skorbut haben, also: Warum sollte ich kochen?

Trotzdem: Ein Teil von mir fühlt sich wie eine schreckliche Mutter.

Denn welche Mama versorgt ihre Kinder nicht mit Essen? Sicherlich schädige ich meine drei Kinder irgendwie – Essen ist von grundlegender Bedeutung, oder?Familienessen am Esstisch sind der Dreh- und Angelpunkt guter Beziehungen und gesunder Kinder, sagen Experten – aber warum muss es auf Kosten meines Glücks gehen?

Und ja, meine Kinder und mein Mann haben auch das Recht auf Glück – aber soweit ich weiß, sind sie ziemlich glücklich. Natürlich würden meine Kinder und mein Mann es gut finden, wenn ich wieder mindestens eine Mahlzeit am Tag mache, aber hey, wir alle wollen Dinge.

Wenn ich innehalte und darüber nachdenke (wie jetzt), spüre ich die Schuldgefühle.

Immerhin hat die Gesellschaft uns Müttern oft gesagt, dass wir unsere Kinder ernähren müssen. Das Bekochen ist irgendwie die Grundlage fürs Muttersein… Aber wieso ist das so?

Warum sieht die Mehrheit der Menschen nicht die Väter in der Verantwortung für eine Bio-Mahlzeit auf dem Tisch, ein makelloses Instagram-Zuhause und dafür, jede verdammte Sekunde freudestrahlend mit ihren Kinder zu verbringen?

Schließlich haben diese Väter sich ebenfalls für Kinder entschieden und diese gezeugt.

Nach zehn Jahren des Kochens habe ich das Gefühl, meine Pflicht getan zu haben. Zehn Jahre lang, habe ich den verhassten Job in der Küche für meine Familie übernommen und nun reicht es!

Vielleicht habe ich meinen Kindern beigebracht, wie sie einfache Gerichte selbst kochen können, damit ich es nicht muss. Vielleicht lernt mein Mann endlich, wie man kocht und mit der emotionalen und körperlichen Arbeit fertig wird, die damit verbunden ist, eine fünfköpfige Familie zu ernähren.

Vielleicht muss ich nie wieder kochen, es sei denn, ich möchte es”


Liebe Barbara, vielen Dank für deine Geschichte. Wir wünschen Dir und Deiner Familie alles Liebe für die Zukunft.

WIR FREUEN UNS AUF DEINE GESCHICHTE!
Hast Du etwas Ähnliches erlebt oder eine ganz andere Geschichte, die Du mit uns und vielen anderen Mamas teilen magst? Dann melde Dich gern! Ganz egal, ob Kinderwunsch, Schwangerschaft oder Mamaleben, besonders schön, ergreifend, traurig, spannend oder ermutigend – ich freue mich auf Deine Nachricht an lena@echtemamas.de

Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und bin dort immer gerne im Grünen unterwegs.

Auch wenn ich selbst noch keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Seit ich denken kann, liebe ich es, zu schreiben – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit dem schönsten Thema der Welt auseinandersetzen. Das passt einfach!

Alle Artikel

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
3 Comments
Beliebteste
NeuesteÄlteste
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
3
0
Tausch dich dazu mit anderen Mamas aus!x
()
x