Krawall & Remmidemmi: Wenn dein Kind mit Geschirr und Essen wirft

Mit kleinem Kind fliegt schon mal Geschirr auf die Erde. Isso! Auffegen und Schwamm drüber. Doch wenn dein Kind immer wieder „absichtlich“ Teller, Löffel oder Essen zu Boden wirft, ist’s mit der Gelassenheit schnell vorbei. Bevor du richtig sauer wirst: Dein Kind will dich nicht ärgern. Wahrscheinlich muss es nur gerade ganz dringend etwas ausprobieren. Vielleicht will es dir aber auch etwas Wichtiges mitteilen.

Darum wirft dein Kleinkind seinen Teller auf den Boden

  • Es hat dir etwas zu sagen („Mama, nicht aufs Handy schauen, hier spielt die Musik“, „Ich bin satt“, „Das schmeckt echt doof“ oder „Boah, wie langweilig, hier rumzusitzen“).
  • Es ist neugierig („Hey, ich kann Dinge werfen. Sie fallen nach unten. Jedes Mal! Wow, ich habe die Schwerkraft erfunden.“ oder: „Mama guckt so komisch, wenn ich das mache. Interessant. Mal schauen, ob sie jedes Mal so reagiert?“). Wenn es deine Reaktion (vielleicht sogar mehrmals) testet, will es dich nicht provozieren, sondern nur mal checken, wo Grenzen liegen, und ob diese wirklich dauerhaft gelten.

Das kannst du machen, wenn dein Kind dir etwas sagen möchte

  • Beobachte erst einmal, wann dein Kind mit Geschirr oder dem Essen wirft. Passiert das zum Beispiel jedes Mal, wenn es Möhren gibt? Oder immer dann, wenn ihr schon eine Weile am Tisch sitzt? Oder hast du deine Aufmerksamkeit gerade auf etwas anderes gerichtet, weil sich die Mahlzeit mal wieder lange hinzieht?
  • Dein Kind ist satt: Den Teller außer Sichtweite zu bringen, ist für deinen kleinen Schatz eine simple Möglichkeit, die Mahlzeit zu beenden. Biete ihm andere Möglichkeiten dafür an.  Wenn du merkst, dass es nicht weiter essen mag, schieb den Teller mit ihm gemeinsam in deine Richtung (statt über die Tischkante) und hebe dein Kind umgehend aus dem Stuhl, damit es sieht, dass es verstanden wurde. Ihr könnt auch versuchen, ein bestimmtes „Satt“-Zeichen zu etablieren – entweder eines aus der echten Baby-Gebärdensprache oder ein selbst ausgedachtes.
  • Deinem Kind ist langweilig: 20 bis 30 Minuten am Tisch können sich für ein aktives Kleinkind wie eine Ewigkeit anfühlen. Lass es sich vorher austoben oder setzt euch erstmal nur für ein paar Minuten am Stück an den Tisch. Die Zeit könnt ihr dann nach und nach ausdehnen. Bei einem ungeduldigen Esser hilft es außerdem, wenn alles schon fertig vorbereitet und Festes schön klein geschnippelt ist, wenn ihr euch an den Tisch setzt.
  • Deinem Kind schmeckt`s nicht: Bevor du das auf die unsanfte Art zu spüren bekommst, halte den Teller gerade bei neuen Mahlzeiten erst einmal fest. Merkst du, dass dein Kind das Essen ablehnt, kannst du es mit ihm gemeinsam zur (sicheren) Seite schieben. Auch so lernt es, wie es sich dir mitteilen kann und dass du ihm zuhörst.
  • Dein Kind möchte deine Aufmerksamkeit: Was hier hilft, müssen wir nicht extra erwähnen, oder?

Anmerkung: Hier geht es um Kinder, die sich noch nicht (gut) mit Worten verständigen können.  Wirft dein größeres Kind – zum Beispiel während eines Wutausbruchs –  mit Geschirr, ist es aber auch bei ihm ein Zeichen dafür, dass es gerade nicht anders ausdrücken kann, was es beschäftigt. Dann helfen dir vielleicht die Tipps einer Therapeutin weiter.

Das hilft, wenn dein Kind einfach nur neugierig ist

Dein Kind ist permanent auf Forschungsmission. Im Ernst: Schon ganz Kleine gehen jeden Tag spannenden naturwissenschaftlichen Gesetzen auf den Grund. Wie cool ist bitte die Schwerkraft?  Alles was man wirft, fällt nach unten – sogar, wenn man es in die entgegengesetzte Richtung geworfen hat?! Außerdem ist das Werfen für Kinder zwischen 18 Monaten und drei Jahren eine ganz tolle neue Errungenschaft, die trainiert werden will.

Was helfen kann – auch wenn es komisch klingt: Nehmt ruhig zerbrechliches Geschirr. Wenn es scheppernd zu Bruch geht, kann das eine lehrreiche Erfahrung sein, die dein Kind lieber nicht noch einmal wiederholt. Du hast das Gefühl, dein Kind will nicht physikalische Zusammenhänge, sondern dich erforschen? Nimm’s bloß nicht persönlich. Zuviel Aufregung könnte das Gegenteil von dem bewirken, was du möchtest: Dein Kind wird erst Recht neugierig. Sage oder zeige ihm sanft, was du nicht möchtest. Am besten übt ihr gemeinsam, was bei euch im Haus geworfen werden darf (Bälle, weiche Kuscheltiere,…) und was nicht (harte Bauklötze, Essen, Geschirr,…).

Jana Stieler

Ich lebe mit Mann und Sohn im Süden Hamburgs – am Rande der Harburger „Berge“ (Süddeutsche mal kurz weghören: Der höchste Punkt misst immerhin sagenhafte 155 Meter ü. M.). Wenn ich nicht gerade einen Text verfasse, liebe ich Outdoor-Abenteuer mit meiner Familie, lange Buch-Badewannen-Sessions mit mir allein und abendliches Serien-Binge-Watching.

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Mompie
Mompie
6 Monate zuvor

Vielen lieben Dank,Jana,für den Artikel. Tatsächlich übt meine Tochter (17 Monate) desöfteren mal,wie weit der Joghurt fliegt oder wie toll das Geräusch ist,wenn der Löffel auf den Boden fällt 🙈😅 Auch als Erzieherin verliert man da mal die Geduld und fragt sich,woran das liegt. In einigen Punkten wie z.b. lange Zeit schon am Tisch oder auch abgelenkte Mama erkenne ich mich leider wieder. Und auch das sich meine Tochter freut,wenn ich mich nicht freue,kommt mir bekannt vor 😄 Grenzen testen ist gerade sehr angesagt bei ihr.

Ich werde also die nächsten Mahlzeiten deine Tipps beherzigen und schauen,in welchen Situationen das Essen oder Gegenstände den Boden berühren 😁